
Der Online-Apothekenkonzern Redcare Pharmacy hat seine Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Ausschlaggebend ist vor allem das weiterhin stark wachsende Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland. Die Redcare Pharmacy Umsatzprognose sieht nun ein konzernweites Wachstum von 16 bis 18 Prozent vor. Zuvor hatte das Unternehmen mit 15 bis 17 Prozent gerechnet.
Besonders deutlich fällt die Anpassung im deutschen Rx-Geschäft aus. Redcare erwartet dort inzwischen einen Jahresumsatz zwischen 730 und 760 Millionen Euro. Bislang lag die Prognosespanne bei 680 bis 720 Millionen Euro. Daraus ergibt sich nach Angaben des Unternehmens gegenüber dem Vorjahr ein erwartetes Wachstum von 45 bis 51 Prozent.
Die Börse reagierte am Montag deutlich. Am Nachmittag lag die Redcare-Aktie zeitweise rund 8,6 Prozent im Plus und führte damit den SDax an. Ein Kursstand von 66,30 Euro entsprach am frühen Nachmittag einem Anstieg von rund 9,6 Prozent gegenüber dem Xetra-Schlusskurs vom Freitag von 60,50 Euro. Das Tageshoch wurde zu diesem Zeitpunkt mit 67,85 Euro angegeben.
Grundlage für die erneute Prognoseanhebung sind vorläufige Geschäftszahlen für das dritte Quartal. Nach Angaben von Redcare stiegen die Umsätze mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland im September um 51 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für das gesamte dritte Quartal nennt das Unternehmen ein Wachstum von 56 Prozent.
Damit setzt sich die kräftige Entwicklung des E-Rezept-Geschäfts fort. Bereits im zweiten Quartal hatte Redcare für das deutsche Rx-Geschäft ein Umsatzplus von 58 Prozent gemeldet. Der Konzernumsatz war in diesem Zeitraum insgesamt um 20 Prozent auf rund 853 Millionen Euro gestiegen. Gleichzeitig verbesserte sich die bereinigte EBITDA-Marge im zweiten Quartal auf 3,5 Prozent.
Die vollständigen Zahlen für das dritte Quartal will Redcare Pharmacy am 29. Oktober 2026 veröffentlichen. Die jetzt genannten September- und Quartalswerte sind vorläufig.
Während Redcare die Wachstumserwartung beim Umsatz erhöht, bleibt die Prognose für die Profitabilität unverändert. Das Unternehmen rechnet für das Gesamtjahr weiterhin mit einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 2,5 und 3,0 Prozent. Auch die Prognose für das Geschäft außerhalb verschreibungspflichtiger Medikamente wurde nicht verändert. Dort erwartet Redcare weiterhin ein Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent.
Nach vorläufigen Angaben blieb die bereinigte EBITDA-Marge im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal stabil. Gleichzeitig habe sich das Non-Rx-Geschäft in Deutschland nach einem schwächeren Juli im August und September wieder besser entwickelt.
Damit kommt die zusätzliche Dynamik der neuen Gesamtjahresprognose vor allem aus dem Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland.
Die Anpassung vom 28. September ist bereits die zweite Erhöhung der Jahresziele im laufenden Geschäftsjahr. Mitte Juni hatte Redcare seine Prognose erstmals nach oben gesetzt. Damals erhöhte das Unternehmen die Erwartung für das konzernweite Umsatzwachstum von ursprünglich 13 bis 15 Prozent auf 15 bis 17 Prozent. Die Prognose für den deutschen Rx-Umsatz stieg damals von mehr als 670 Millionen Euro auf 680 bis 720 Millionen Euro.
Zu Jahresbeginn hatte Redcare für 2026 noch einen deutlich niedrigeren Wachstumskorridor genannt. Die nun erwarteten 16 bis 18 Prozent liegen damit drei Prozentpunkte über der ursprünglichen Untergrenze und ebenfalls drei Prozentpunkte über der damaligen Obergrenze.
Im Geschäftsjahr 2025 hatte Redcare Pharmacy einen Konzernumsatz von 2,94 Milliarden Euro erzielt. Das entsprach einem Plus von 24,1 Prozent. Die Umsätze mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland waren damals von 254 Millionen Euro auf 503 Millionen Euro gestiegen und hatten sich damit nahezu verdoppelt.
Das elektronische Rezept hat für große Versandapotheken in Deutschland erheblich an Bedeutung gewonnen. Redcare Pharmacy bietet verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland unter anderem über die Marke Shop Apotheke an. Die frühere Shop Apotheke Europe firmiert seit 2023 als Redcare Pharmacy.
Für den digitalen Einlöseprozess spielt auch CardLink eine wichtige Rolle. Die Lösung ermöglicht es Versicherten, E-Rezepte über die elektronische Gesundheitskarte und ein NFC-fähiges Smartphone in einer App einzulösen. Die Zulassung für CardLink wurde im September bis Ende März 2028 verlängert. Redcare hatte die Verlängerung am 15. September bekanntgegeben.
Die Entwicklung des deutschen Rezeptgeschäfts ist für Redcare inzwischen ein wesentlicher Wachstumstreiber. 2025 überschritten die konzernweiten Rx-Umsätze erstmals die Marke von einer Milliarde Euro. Gleichzeitig stieg der Anteil des Rezeptgeschäfts am Gesamtumsatz auf mehr als 36 Prozent.
An der Börse wurde die neue Prognose am Montag positiv aufgenommen. Die Redcare-Aktie hatte den Freitagshandel auf Xetra bei 60,50 Euro beendet. Nach Veröffentlichung der neuen Ziele um 13:48 Uhr zog der Kurs deutlich an. Am Nachmittag wurden zeitweise Kurse oberhalb von 66 Euro erreicht.
Damit näherte sich das Papier wieder seinem bisherigen Septemberhoch. Am 23. September hatte die Aktie im Xetra-Handel im Tagesverlauf 66,85 Euro erreicht.
Redcare Pharmacy gehört seit dem 22. Juni 2026 zum SDax. Im Rahmen der damaligen Indexanpassung war das Unternehmen aus dem MDax abgestiegen.
Ob sich die starke Entwicklung im deutschen E-Rezept-Geschäft im Schlussquartal fortsetzt, dürfte sich mit den nächsten Unternehmenszahlen genauer beurteilen lassen. Zunächst stehen am 29. Oktober die vollständigen Zahlen für das dritte Quartal an.






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