Zusammenhalt legt wieder zu, doch Vertrauen bleibt schwach

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Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland hat sich nach dem deutlichen Einbruch im Jahr 2023 teilweise erholt. Das zeigt der neue Religionsmonitor 2026 der Bertelsmann Stiftung. Der Gesamtindex steigt demnach von 46 Punkten im Jahr 2023 auf 51 Punkte. Damit bleibt der Wert zwar unter den Ergebnissen von 2017 und 2020, der zuvor gemessene Rückgang setzt sich aber nicht fort. Gleichzeitig zeigen einzelne Bereiche eine deutlich andere Entwicklung. Besonders schwach fallen weiterhin das Vertrauen in die Bundesregierung und das Gerechtigkeitsempfinden aus.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt steigt wieder auf 51 Punkte

Für den Religionsmonitor 2026 wurden im März insgesamt 5.231 Personen im Alter ab 18 Jahren in die Auswertung einbezogen. Die Erhebung führte das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durch. Der gesellschaftliche Zusammenhalt wird über neun Indikatoren erfasst, die drei größeren Bereichen zugeordnet sind: soziale Beziehungen, Verbundenheit mit dem Gemeinwesen und Gemeinwohlorientierung.

Die Werte werden auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten dargestellt. Im Jahr 2017 lag der auf dieser Grundlage neu berechnete Gesamtindex bei 54 Punkten, 2020 bei 55 Punkten. Bis 2023 sank er auf 46 Punkte. 2026 werden nun 51 Punkte erreicht. Die rechnerische Mitte der Skala bei 50 Punkten ist dabei nach Angaben der Studie keine festgelegte Grenze zwischen starkem und schwachem Zusammenhalt.

Besonders deutlich fällt die Erholung bei den sozialen Beziehungen aus. Dieser Teilindex war von 61 Punkten im Jahr 2020 auf 49 Punkte im Jahr 2023 gesunken. In der neuen Untersuchung erreicht er wieder 57 Punkte. Das zwischenmenschliche Vertrauen liegt mit 57 Punkten wieder auf dem Niveau von 2020. Auch die sozialen Netze verbessern sich von 51 auf 58 Punkte. Die Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt steigt von 47 auf 55 Punkte, erreicht aber weiterhin nicht den Wert von 66 Punkten aus dem Jahr 2020.

Gerechtigkeitsempfinden fällt auf niedrigsten Wert

Eine gegensätzliche Entwicklung zeigt sich bei der Verbundenheit mit dem Gemeinwesen. Ihr Gesamtwert liegt 2026 bei 44 Punkten und damit nur geringfügig über den 43 Punkten aus dem Jahr 2023. Vor allem zwei Einzelindikatoren fallen niedrig aus.

Das Vertrauen in die Bundesregierung erreicht 37 Punkte. Damit bleibt der Wert exakt auf dem Niveau der vorherigen Erhebung von 2023. Im Jahr 2017 waren noch 49 Punkte gemessen worden, 2020 waren es 45 Punkte. Ein neuer Tiefstand ist das Ergebnis von 2026 daher nicht, allerdings wird der bereits zuvor erreichte niedrige Wert nicht überwunden.

Beim Gerechtigkeitsempfinden ergibt sich dagegen tatsächlich der niedrigste Wert der gesamten betrachteten Zeitreihe. Der Index fällt von 27 Punkten im Jahr 2023 auf 25 Punkte. Im Jahr 2017 hatte er bei 28 Punkten gelegen, 2020 bei 33 Punkten. Für diesen Indikator wurden die Befragten danach gefragt, inwieweit sie wirtschaftliche Gewinne in Deutschland insgesamt als gerecht verteilt ansehen.

Politisches Interesse erreicht höchsten Stand der Zeitreihe

Ein anderes Bild ergibt sich bei der Gemeinwohlorientierung. Dieser Bereich steigt auf 53 Punkte und liegt damit geringfügig über den Werten von 2017 und 2020. Die erfasste Solidarität und Hilfsbereitschaft verbessert sich von 23 Punkten im Jahr 2023 auf 33 Punkte. Auch die Anerkennung sozialer Regeln steigt von 53 auf 62 Punkte.

Besonders auffällig ist die gesellschaftliche Teilhabe. Das politische Interesse erreicht mit 65 Punkten den höchsten Wert seit Beginn der betrachteten Zeitreihe. 2017 waren es 57 Punkte, 2020 58 und 2023 bereits 61 Punkte. Die Ergebnisse sprechen damit nicht für einen allgemeinen Rückzug aus gesellschaftlichen oder politischen Zusammenhängen. Vielmehr entwickeln sich persönliches Engagement und die Bewertung staatlicher beziehungsweise gesellschaftlicher Verhältnisse unterschiedlich.

Studie untersucht erstmals genauer die Rolle von Religion

Der Religionsmonitor untersucht zudem Zusammenhänge zwischen Religiosität und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Wenig oder gar nicht religiöse Befragte erreichen im Gesamtindex durchschnittlich 49 Punkte. Bei mittelreligiösen Personen sind es 53 Punkte, bei hochreligiösen 52 Punkte.

Die Studie findet damit statistische Zusammenhänge zwischen stärker ausgeprägter Religiosität und höheren Zusammenhaltswerten. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Religiosität unmittelbar die Ursache für stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. In einer weiterführenden statistischen Analyse wurden unter anderem Alter, Bildung, Einkommen, Geschlecht, Migrationsbiografie und politische Selbsteinstufung berücksichtigt. Auch danach blieb ein positiver Zusammenhang mit Religiosität bestehen.

Zwischen den Religionsgemeinschaften zeigen sich zugleich deutliche Unterschiede. Bei katholischen und evangelischen Befragten steigen die Gesamtwerte mit stärker ausgeprägter Religiosität. Unter muslimischen Befragten gehen höhere Religiositätswerte ebenfalls mit stärkeren sozialen Beziehungen und höherer Gemeinwohlorientierung einher. Die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen fällt in dieser Gruppe bei hochreligiösen Befragten dagegen niedriger aus. Die Autoren nennen mehrere mögliche Zusammenhänge, darunter gesellschaftliche Anerkennung, Diskriminierungserfahrungen und die Einbindung in die eigene religiöse Gemeinschaft. Einen einzelnen ursächlichen Faktor weist die Untersuchung nicht nach.

Erholung erreicht das frühere Niveau noch nicht

Insgesamt zeichnet der Religionsmonitor 2026 damit kein einheitliches Bild. Zwischenmenschliche Beziehungen, freiwilliges Engagement und politisches Interesse entwickeln sich gegenüber 2023 günstiger. Gleichzeitig bleibt die institutionelle Verbundenheit deutlich schwächer. Der Gesamtindex von 51 Punkten liegt weiterhin unter den 54 beziehungsweise 55 Punkten der Jahre 2017 und 2020.

Für den Zeitvergleich wurden die früheren Daten des sogenannten Radars gesellschaftlicher Zusammenhalt nach derselben verkürzten Berechnungsmethode neu ausgewertet. Die aktuellen Zahlen sind deshalb nicht unmittelbar mit früher veröffentlichten Werten des umfangreicheren Radar Index vergleichbar. Die Zeitreihe innerhalb des Religionsmonitors verwendet für alle vier Erhebungsjahre dieselben neun Indikatoren und dieselbe Altersgrenze ab 18 Jahren.

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