
Der Augsburger Getriebehersteller RENK profitiert weiter von der steigenden Nachfrage nach militärischer Ausrüstung. In den ersten neun Monaten 2026 legten die Bestellungen kräftig zu, der Auftragsbestand erreichte einen neuen Höchstwert. Gleichzeitig verbesserte der Rüstungskonzern seine bereinigte operative Gewinnmarge. Dennoch geriet die RENK-Aktie am Donnerstag, 5. November 2026, deutlich unter Druck. Ein Blick auf die vollständigen Geschäftszahlen zeigt neben dem Wachstum auch erhebliche Belastungen beim unbereinigten Ergebnis.
RENK hat von Januar bis September 2026 Aufträge im Wert von 1,66 Milliarden Euro erhalten. Gegenüber den 1,25 Milliarden Euro des Vorjahreszeitraums entspricht das einem Anstieg um 33,6 Prozent. Der gesamte Auftragsbestand erreichte zum 30. September einen Rekordwert von rund 7,6 Milliarden Euro. Ende 2025 hatte er noch bei 6,7 Milliarden Euro gelegen.
Der Konzernumsatz stieg im gleichen Zeitraum um 5,8 Prozent auf 982 Millionen Euro. Deutlich stärker entwickelte sich das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT). Es verbesserte sich um 12,7 Prozent auf 158,8 Millionen Euro. Die bereinigte operative Gewinnmarge erhöhte sich dadurch von 15,2 auf 16,2 Prozent.
Allein im dritten Quartal erzielte RENK einen Umsatz von rund 345 Millionen Euro, etwa zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das bereinigte EBIT erreichte ungefähr 61 Millionen Euro. Der Auftragseingang lag im dritten Quartal bei rund 469 Millionen Euro.
Die Entwicklung des bereinigten operativen Ergebnisses bildet allerdings nicht die gesamte Ertragslage des Unternehmens ab. Das tatsächlich ausgewiesene EBIT sank in den ersten neun Monaten um 18,6 Prozent auf 77,7 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 95,5 Millionen Euro gewesen.
Noch deutlicher fiel der Rückgang beim Ergebnis nach Steuern aus. Der Nettogewinn verringerte sich von 55,5 Millionen Euro auf 25,6 Millionen Euro und damit um rund 54 Prozent.
Zu den wesentlichen Belastungen gehörten nach Unternehmensangaben Wertminderungen von rund 22,6 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Beendigung des deutschen Fregattenprojekts F126. Außerdem wirkten sich höhere Kosten für Unternehmenskäufe sowie weitere bilanzielle Anpassungen aus.
Insgesamt beliefen sich die Bereinigungen beim EBIT auf rund 81,1 Millionen Euro. Damit ergibt sich ein erheblicher Unterschied zwischen dem bereinigten und dem ausgewiesenen operativen Ergebnis. Positiv entwickelte sich dagegen der freie Cashflow. Er stieg von 25,8 Millionen Euro auf 53,1 Millionen Euro.
Das stärkste Wachstum verzeichnete RENK erneut im Geschäftsbereich Vehicle Mobility Solutions. Dort werden unter anderem Antriebssysteme und Getriebe für militärische Landfahrzeuge entwickelt und produziert.
Der Auftragseingang dieser Sparte erhöhte sich um 46,2 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 12,3 Prozent auf 650,2 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um 23,4 Prozent auf 129,3 Millionen Euro. Die entsprechende Gewinnmarge erreichte 19,9 Prozent.
Zu den größeren Bestellungen des dritten Quartals gehörte eine Auftragserweiterung mit KNDS Deutschland für Getriebe der Leopard-2-Panzerfamilie im Umfang von rund 130 Millionen Euro. Die Lieferungen sind für die Jahre 2029 bis 2032 vorgesehen.
Hinzu kam ein Folgeauftrag des finnischen Rüstungsunternehmens Patria über rund 30 Millionen Euro für Getriebe der TRACKX-Fahrzeugfamilie. Die Auslieferung soll 2027 beginnen.
Die Aufträge verdeutlichen die internationale Ausrichtung des Konzerns. Insbesondere europäische Beschaffungsprogramme für militärische Fahrzeuge tragen zur Nachfrage nach den Antriebssystemen bei.
Während das Geschäft mit militärischen Landfahrzeugen wächst, bleibt die Lage in anderen Bereichen schwieriger. In der Sparte Marine & Industry ging der Umsatz um 6,3 Prozent auf 250,9 Millionen Euro zurück. Das bereinigte EBIT sank um 17,3 Prozent auf 25,8 Millionen Euro.
RENK verwies insbesondere auf die schwache Nachfrage aus industriellen Anwendungen. Das Marinegeschäft entwickelte sich beim Auftragseingang günstiger. Dazu trugen unter anderem Bestellungen aus der Türkei für militärische Schiffsprogramme bei.
Auch die Gleitlagersparte Slide Bearings verzeichnete keine nennenswerten Umsatzzuwächse. Bei einem nahezu unveränderten Umsatz von 91,7 Millionen Euro ging das bereinigte operative Ergebnis um 15,5 Prozent auf 12,5 Millionen Euro zurück.
Damit bleibt das Wachstum des Konzerns stark auf das Verteidigungsgeschäft konzentriert. Die unterschiedlichen Entwicklungen der Geschäftsbereiche spiegeln sich auch in der Profitabilität wider.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet RENK nun einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBIT zwischen 240 und 255 Millionen Euro.
Im August hatte das Unternehmen noch einen Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Zahlen sind jedoch nicht unmittelbar vergleichbar.
Hintergrund ist der geplante Verkauf der Gleitlagersparte an die österreichische Miba AG. RENK hatte im Oktober einen verbindlichen Verkaufsvertrag abgeschlossen. Der Geschäftsbereich wird ab dem vierten Quartal nach den einschlägigen Rechnungslegungsregeln als nicht fortgeführte Aktivität ausgewiesen.
Die aktualisierte Prognose berücksichtigt deshalb ausschließlich die verbleibenden Bereiche Vehicle Mobility Solutions sowie Marine & Industry. Die grundlegenden Prognoseannahmen hat RENK nach eigenen Angaben nicht verändert.
Parallel dazu treibt das Unternehmen seine internationale Expansion voran. Am 2. November wurde die Übernahme des britischen Antriebsspezialisten David Brown Defence abgeschlossen. Damit erweitert RENK insbesondere seine Position bei Antriebstechnologien für militärische Schiffe und U-Boote.
An der Börse überwogen am Donnerstag zunächst die Kursverluste. Nach Kursdaten von FinanzNachrichten.de lag die RENK-Aktie am 5. November 2026 um 11:39 Uhr auf Xetra bei 34,42 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs des Vortages von 37,12 Euro entsprach das einem Rückgang um 7,27 Prozent. Die Kursangabe stellt eine Momentaufnahme während des laufenden Handels dar.
Die Geschäftszahlen zeichnen dabei ein gemischtes Bild. Während Bestellungen, bereinigtes EBIT und operative Marge zulegten, ging das ausgewiesene Ergebnis deutlich zurück. Hinzu kommt, dass der gesamte Auftragsbestand von 7,6 Milliarden Euro nicht ausschließlich aus fest gebuchten Aufträgen besteht.
Nach der Quartalsmitteilung entfielen rund 2,94 Milliarden Euro auf den festen Auftragsbestand. Weitere rund 1,08 Milliarden Euro waren Rahmenaufträgen zugeordnet. Hinzu kam ein sogenannter Soft Order Backlog von rund 3,58 Milliarden Euro. Diese Positionen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Verbindlichkeit und dürfen nicht mit bereits realisierten Umsätzen gleichgesetzt werden.
Für das Unternehmen bleibt damit der Ausbau seiner Produktionskapazitäten eine zentrale Aufgabe. RENK investiert unter anderem an den Standorten Augsburg und Rheine, um größere Auftragsvolumina bearbeiten zu können.
Am 8. Dezember 2026 will der Vorstand bei einer Strategieveranstaltung in London weitere Einzelheiten zur künftigen Ausrichtung vorstellen. Entscheidend für die weitere Geschäftsentwicklung wird sein, in welchem Umfang sich der hohe Auftragsbestand in zusätzliche Auslieferungen, Umsatz und tatsächlich ausgewiesene Gewinne umsetzen lässt.
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