
Der Rüstungskonzern Rheinmetall muss seine Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026 erneut nach unten korrigieren. Obwohl Umsatz und operativer Gewinn im dritten Quartal deutlich gestiegen sind, rechnet das Düsseldorfer Unternehmen für das Gesamtjahr mit geringeren Erlösen und einer niedrigeren Gewinnmarge als bislang geplant. Ausschlaggebend sind Verzögerungen bei einem großen Bundeswehrprojekt sowie im Munitionsgeschäft. Nach der Bekanntgabe am Mittwochabend, 4. November 2026, geriet auch die Rheinmetall-Aktie im nachbörslichen Handel unter Druck.
Rheinmetall senkt Jahresprognose und Renditeziel wegen mehrerer zeitlicher Verschiebungen im Rüstungsgeschäft. Für 2026 erwartet der DAX-Konzern jetzt einen Umsatz von rund 13,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen mit 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gerechnet. Die neue Erwartung liegt damit zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro unter der bisherigen Planung.
Auch bei der Profitabilität wird Rheinmetall vorsichtiger. Die operative Ergebnismarge soll nur noch etwa 18,5 Prozent erreichen, nachdem bisher rund 19 Prozent vorgesehen waren. Als Grund nennt das Unternehmen eine veränderte Zusammensetzung der erwarteten Jahresumsätze. Die Anpassung wurde am Mittwoch um 17:38 Uhr in einer Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht.
Ein wesentlicher Grund für die gesenkte Prognose ist das Bundeswehrprojekt Arminius. Dabei geht es um die geplante Beschaffung von gepanzerten Boxer-Radfahrzeugen. Rheinmetall rechnet inzwischen nicht mehr damit, dass der entsprechende Auftrag noch 2026 vergeben wird. Damit verschieben sich auch eingeplante Anzahlungen und Umsatzbeiträge in das kommende Geschäftsjahr. Ein neuer verbindlicher Termin für die Beauftragung wurde nicht genannt.
Hinzu kommen Verzögerungen bei der Abnahme von Artilleriemunition. Nach Angaben des Konzerns können bestimmte Lieferlose nicht mehr wie vorgesehen im laufenden Jahr umsatzwirksam werden. Auch diese Erlöse sollen deshalb erst 2027 anfallen. Darüber hinaus erwartet Rheinmetall im vierten Quartal geringere Umsätze aus neuen Geschäftsaktivitäten, insbesondere aus der Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen Destinus.
Die Prognosesenkung beruht somit wesentlich auf verschobenen Vertragsabschlüssen und Abnahmen. Eine vollständige Streichung der betroffenen Aufträge hat Rheinmetall nicht mitgeteilt.
Die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal fiel dagegen deutlich besser aus als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Zwischen Juli und September 2026 erzielte Rheinmetall einen Umsatz von 3,149 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 32 Prozent gegenüber den 2,308 Milliarden Euro des Vorjahresquartals.
Noch stärker wuchs das operative Ergebnis. Es erhöhte sich um 62 Prozent von 342 Millionen auf 553 Millionen Euro. Die operative Marge verbesserte sich zugleich von 14,8 auf 17,5 Prozent. Der Auftragseingang erreichte rund 2,89 Milliarden Euro.
Auch beim operativen freien Cashflow verringerte sich der Mittelabfluss. Er lag im dritten Quartal bei minus 82 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch minus 168 Millionen Euro verbucht worden waren.
Die Veröffentlichung der neuen Jahresprognose erfolgte nach dem regulären Xetra-Handelsschluss. Dort hatte die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch bei 1.003,40 Euro geschlossen, mit einem Tagesminus von 0,14 Prozent. Die anschließende Reaktion auf die Unternehmensmitteilung zeigte sich deshalb zunächst im nachbörslichen Handel.
Rheinmetall-Aktie, 4. November 2026, 22:00 Uhr MEZ: Tradegate-Kurs 949,10 €, Veränderung laut Tradegate −5,58 %. Quelle: Tradegate Exchange, Kursstand vom 4. November 2026 um 22:00 Uhr MEZ.
Die deutlichen Verluste im Abendhandel folgten auf die Bekanntgabe der niedrigeren Jahresziele. Wie die Aktie im regulären Xetra-Handel am Donnerstag reagieren wird, war am frühen Morgen des 5. November noch offen.
Die neue Prognose verdeutlicht, wie stark der wirtschaftliche Verlauf großer Rüstungsunternehmen vom Zeitpunkt einzelner Beschaffungsentscheidungen abhängt. Umfangreiche Projekte für europäische Streitkräfte können langfristig erhebliche Umsätze ermöglichen. Verzögern sich Vertragsabschlüsse oder die Abnahme gelieferter Produkte, wirkt sich das unmittelbar auf die jeweilige Jahresbilanz aus.
Trotz der niedrigeren Erwartungen bleibt Rheinmetall auf Wachstumskurs. Im Geschäftsjahr 2025 hatte der Konzern rund 9,94 Milliarden Euro umgesetzt. Selbst mit dem jetzt angepeilten Jahresumsatz von 13,2 Milliarden Euro würde das Unternehmen seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um ungefähr ein Drittel steigern.
Für die kommenden Monate kommt es vor allem darauf an, wann das Arminius-Projekt tatsächlich beauftragt wird und wie schnell sich die verschobenen Munitionsumsätze realisieren lassen. Rheinmetall erwartet weiterhin einen positiven operativen freien Cashflow für das Gesamtjahr 2026. Das ursprünglich mit den geplanten Arminius-Anzahlungen verbundene Ziel einer Cash-Conversion-Rate von mehr als 40 Prozent wird in der neuen Prognose dagegen nicht mehr bestätigt.
Weitere Einzelheiten zur Geschäftsentwicklung sollen mit der vollständigen Quartalsmitteilung am Donnerstag, 5. November, um 7:30 Uhr veröffentlicht werden. Für 14 Uhr ist eine Telefonkonferenz mit Investoren vorgesehen. Damit rücken neben den aktuellen Ergebnissen vor allem der zeitliche Ablauf der verschobenen Aufträge und die Geschäftsperspektiven für 2027 in den Mittelpunkt.
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