
Ritchie Blackmore Deep Purple: Nach 33 Jahren haben der frühere Gitarrist und seine alte Band wieder gemeinsam auf einer Bühne gestanden. Beim Konzert von Deep Purple am Mittwochabend, 12. August 2026, im Northwell at Jones Beach Theater in Wantagh auf Long Island im US-Bundesstaat New York kam der 81-Jährige für Smoke on the Water hinzu. Blackmore spielte den Deep-Purple-Klassiker gemeinsam mit der heutigen Besetzung der Gruppe. Es war sein erster Auftritt mit Deep Purple seit dem 17. November 1993, als er in Helsinki sein letztes Konzert als reguläres Bandmitglied gespielt hatte.
Blackmores Auftritt war auf einen einzigen Titel beschränkt. Deep Purple hatten zuvor ihr reguläres Programm gespielt. Gegen Ende der Show kam der frühere Gitarrist auf die Bühne und übernahm bei Smoke on the Water die Gitarre. Konzertaufzeichnungen und Videos vom Abend bestätigen, dass Blackmore dabei zusammen mit dem heutigen Deep-Purple-Gitarristen Simon McBride sowie Ian Gillan, Roger Glover, Ian Paice und Don Airey spielte. Der Titel bildete den besonderen Abschluss des Auftritts in Wantagh.
Völlig unangekündigt war die Begegnung für aufmerksame Fans allerdings nicht mehr. Blackmore hatte am 11. August bei einer Instagram-Live-Unterhaltung mit seiner Ehefrau und Blackmores-Night-Sängerin Candice Night selbst verraten, dass er wahrscheinlich für eine Zugabe zu Deep Purple stoßen werde. Er sagte dabei scherzhaft, es handele sich um ein Geheimnis, das niemand erfahren solle. Nach seiner Darstellung hatte er Sänger Ian Gillan zuvor gefragt, ob er für einen einzelnen Song mitspielen könne. Gillan habe den Vorschlag anschließend der Band unterbreitet, die zugestimmt habe.
Nach Smoke on the Water wandte sich Ian Gillan auf der Bühne an das Publikum. Er erzählte, er habe wenige Tage zuvor eine Nachricht von einem Mann aus der Gegend bekommen, der gefragt habe, ob er mit der Band spielen dürfe. Anschließend würdigte Gillan Blackmore als Gründungsmitglied und bedeutende Figur der Bandgeschichte und erklärte, es sei ihm eine große Freude gewesen, ihn wieder auf der Bühne zu haben.
Auch die sichtbare Begegnung der Musiker verlief deutlich gelöster als viele gemeinsame Auftritte aus der Endphase der frühen 1990er-Jahre. Auf Konzertvideos sind lächelnde Musiker und freundliche Gesten zwischen Gillan und Blackmore zu sehen. Aus dem Publikum waren während des gemeinsamen Auftritts Jubel und Zurufe zu hören. Einzelne Reaktionen von Konzertbesuchern in sozialen Netzwerken beschrieben den Moment anschließend als unerwartet, sind allerdings persönliche Eindrücke und keine Aussage der Band. Eine belastbare Aussage darüber, wie sämtliche Besucher den Gastauftritt aufgenommen haben, lässt sich daraus nicht ableiten.
Blackmore machte bereits vor dem Konzert deutlich, dass die Initiative für die Begegnung von ihm ausgegangen sei. In seinem öffentlichen Gespräch vom 11. August erklärte er, er habe Gillan vorgeschlagen, für eine Zugabe und nur einen Titel auf die Bühne zu kommen. Er wolle sich nicht in die aktuelle Band einmischen und habe seinen Vorschlag ausdrücklich ohne Druck gemacht. Nach Blackmores Darstellung habe Gillan die Idee begrüßt.
Der Gitarrist bereitete sich trotz der Kürze des Auftritts eigens darauf vor. Er erklärte, sein Roadie sei bereits am Veranstaltungsort gewesen, um seinen Verstärker vorzubereiten. Zudem habe er neue Saiten auf seine Fender Stratocaster gezogen. Über den heutigen Deep-Purple-Gitarristen Simon McBride äußerte er sich anerkennend und bezeichnete ihn als sehr guten Gitarristen. Blackmore betonte zugleich, dass er nur einen Titel spielen wolle. Von einer Rückkehr als festes Bandmitglied war zu keinem Zeitpunkt die Rede.
Die heutige Besetzung von Deep Purple besteht aus Sänger Ian Gillan, Bassist Roger Glover, Schlagzeuger Ian Paice, Keyboarder Don Airey und Gitarrist Simon McBride. Paice gehört bereits seit der Gründung 1968 zur Band. Gillan und Glover kamen 1969 hinzu. Airey ersetzte 2002 den langjährigen Keyboarder Jon Lord. McBride ist seit 2022 festes Mitglied.
Nach Blackmores endgültigem Abschied 1993 hatte zunächst Joe Satriani kurzfristig die Gitarrenposition übernommen und die laufende Tour mit der Band beendet. 1994 entschied sich Deep Purple für Steve Morse als dauerhaften Nachfolger. Morse blieb mehr als ein Vierteljahrhundert Mitglied und schied 2022 aus persönlichen beziehungsweise familiären Gründen aus. Anschließend wurde der nordirische Gitarrist Simon McBride, der Deep Purple bereits bei Konzerten vertreten hatte, offiziell zum festen Bandmitglied.
Blackmores Abschied im Jahr 1993 war das Ergebnis länger anhaltender Spannungen innerhalb der Band. Besonders sein Verhältnis zu Ian Gillan war schwierig. Nach der erfolgreichen Wiedervereinigung der klassischen Besetzung in den 1980er-Jahren verschärften sich musikalische und persönliche Differenzen erneut. Gillan verließ Deep Purple 1989, kehrte jedoch 1992 für die Arbeit am Album The Battle Rages On zurück. Die Zusammenarbeit mit Blackmore blieb konfliktbeladen.
Blackmore erklärte später selbst, bereits kurz nach Beginn der Tour 1993 angekündigt zu haben, dass er die Band verlassen werde. Als einen Auslöser seiner zunehmenden Unzufriedenheit nannte er unter anderem den Umgang mit dem damaligen Song Anya. Zugleich bestanden die seit Jahren bekannten Konflikte mit Gillan fort. Beim Konzert in Birmingham am 9. November 1993 kam es zusätzlich zu Ärger über die Position eines Kameramanns. Blackmore erschien verspätet auf der Bühne und warf während der Show Wasser in Richtung einer Kamera. Acht Tage später spielte er am 17. November in Helsinki sein letztes Konzert mit Deep Purple.
Der Streit zwischen Blackmore und Gillan lässt sich deshalb nicht auf einen einzelnen Vorfall reduzieren. Beide äußerten sich über Jahrzehnte kritisch übereinander, betonten zugleich aber immer wieder den musikalischen Respekt. Frühere Aussagen beider Musiker zeigen vor allem eine schwierige persönliche und künstlerische Zusammenarbeit. Die freundliche Begegnung von Wantagh ändert die historischen Konflikte nicht, zeigt aber, dass ein gemeinsamer Auftritt inzwischen wieder möglich war.
Blackmore war bereits 1975 erstmals bei Deep Purple ausgestiegen und hatte anschließend Rainbow aufgebaut. Dort arbeitete er unter anderem mit Sänger Ronnie James Dio und schuf eine Verbindung aus Hard Rock und klassischen beziehungsweise barock beeinflussten Elementen. 1984 kehrte Blackmore zur wiedervereinigten klassischen Deep-Purple-Besetzung zurück. Nach seinem zweiten Ausstieg 1993 aktivierte er zunächst erneut Rainbow und orientierte sich später musikalisch grundlegend neu.
Seit 1997 bildet Blackmore gemeinsam mit Candice Night den Kern von Blackmores Night. Das Projekt verbindet Folk, Renaissance-Musik, akustische Instrumentierung und Rockelemente. Das Debütalbum Shadow of the Moon erschien 1997 und markierte eine deutliche Abkehr von Blackmores früherem Hard-Rock-Schwerpunkt. Ganz verabschiedet hatte er sich von diesem Stil dennoch nicht. Ab 2016 trat er zeitweise wieder mit einer neu formierten Version von Rainbow auf. Deshalb ist Blackmores Aussage vor dem Jones-Beach-Konzert, er habe seit rund 25 Jahren keinen Rock mehr gespielt, nicht wörtlich als vollständige Beschreibung seiner Konzerttätigkeit zu verstehen.
Hinweise auf eine dauerhafte Rückkehr Blackmores zu Deep Purple gibt es bislang nicht. Der 81-Jährige hatte im Vorfeld ausdrücklich von einem einzelnen Song gesprochen. Deep Purple führt seine laufende Tour weiterhin in der regulären Besetzung mit Simon McBride. Auf der offiziellen Tourplanung folgen nach Wantagh weitere Konzerte in Nordamerika, ohne dass Blackmore dort als Gast angekündigt wird.
Damit sollte der Auftritt derzeit als einmalige Gastbegegnung verstanden werden. Ob Blackmore und Deep Purple irgendwann erneut gemeinsam auftreten, ist offen. Eine entsprechende Ankündigung der Band oder Blackmores lag am Donnerstag, 13. August 2026, zunächst nicht vor.
Dass für die Begegnung ausgerechnet Smoke on the Water gewählt wurde, besitzt eine besondere historische Bedeutung. Der Song stammt vom 1972 veröffentlichten Album Machine Head und basiert auf Ereignissen in Montreux am Genfersee. Während eines Konzerts von Frank Zappa and the Mothers of Invention im Casino von Montreux brach ein Feuer aus. Der Rauch über dem See inspirierte Deep Purple zum Text. Blackmore entwickelte das charakteristische Gitarrenriff, während die Komposition der damaligen klassischen Besetzung Blackmore, Gillan, Glover, Jon Lord und Paice zugeschrieben wird.
Das Stück entwickelte sich zu einem der bekanntesten Titel der Rockgeschichte und zu einem musikalischen Markenzeichen von Deep Purple. Die Single wurde später in die Grammy Hall of Fame aufgenommen. Die klassische Mark-II-Besetzung von Deep Purple mit Blackmore, Gillan, Glover, Lord und Paice gehört zu den Formationen, die Anfang der 1970er-Jahre den Übergang vom Bluesrock zum härteren Hard Rock maßgeblich prägten. Deep Purple selbst wurden 2016 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Für Blackmore schließt sich mit dem Auftritt auf Long Island damit ein außergewöhnlicher Kreis. 33 Jahre nach seinem letzten Konzert als Deep-Purple-Mitglied stand er noch einmal neben Ian Gillan, Roger Glover und Ian Paice auf einer Bühne. Doch der historische Moment bleibt bislang genau das, was angekündigt und bestätigt wurde: ein gemeinsames Smoke on the Water und keine bestätigte Wiedervereinigung der Band.






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