
Der frühere Trainer von RB Leipzig, Marco Rose, hat sich kritisch über die letzten Monate seiner Amtszeit bei dem Fußball-Bundesligisten geäußert. Der 50-Jährige beklagt mangelnde Unterstützung und fordert einen geduldigeren Umgang mit seinem früheren Verein und dessen aktuellem Cheftrainer Martín Demichelis. Die Aussagen fallen in eine Phase, in der Leipzig sportlich zwischen deutlichen Heimsiegen und Niederlagen auf fremden Plätzen schwankt. Die Vereinsführung hat Demichelis allerdings erst vor wenigen Tagen öffentlich den Rücken gestärkt.
In einem Gespräch mit RTL/Sky Sport blickte Rose auf seine Zeit beim Bundesligisten zurück. Besonders die letzten Monate vor seiner Entlassung im März 2025 hätten ihn belastet. Er habe damals versucht, die sportliche Entwicklung zu verbessern, dabei aber zunehmend seine gewohnte Leichtigkeit verloren.
„Die letzten Monate in Leipzig haben mit mir schon auch was gemacht“, erklärte Rose. Aus seiner Sicht benötige ein Trainer gerade in schwierigen Phasen die uneingeschränkte Unterstützung seines Vereins. Stattdessen würden sportliche Entwicklungen häufig frühzeitig infrage gestellt, obwohl Mannschaften Zeit benötigten und Verletzungen oder andere Umstände die Ergebnisse beeinflussen könnten.
Seine Kritik verbindet Rose mit einer grundsätzlichen Forderung nach mehr Geduld im Profifußball. Zugleich räumte er ein, dass Trainer eine privilegierte Tätigkeit ausübten und mit erheblichem Leistungsdruck umgehen müssten.
Mit Blick auf die aktuelle Situation in Leipzig äußerte Rose die Befürchtung, dass die öffentliche Bewertung von Martín Demichelis bereits ausgesprochen negativ ausfalle. Er habe angesichts der Diskussionen das Gefühl, „dass der Daumen gesenkt ist“.
Damit beschrieb Rose seine persönliche Wahrnehmung der Trainerdebatte. Eine bereits getroffene Entscheidung der Leipziger Verantwortlichen behauptete er nicht.
Der frühere RB-Coach sprach sich für einen respektvolleren Umgang mit Trainern aus. Dabei bezog er sich nicht ausschließlich auf Leipzig. Auch die Diskussionen um René Wagner beim 1. FC Köln führte Rose als Beispiel für den Druck auf Bundesligatrainer an.
Eine unmittelbare öffentliche Reaktion von RB Leipzig oder Demichelis auf Roses aktuelle Aussagen lag zunächst nicht vor. Die Vereinsführung hatte ihre Haltung zur Trainerfrage jedoch bereits wenige Tage zuvor deutlich gemacht.
Marco Rose hatte RB Leipzig im September 2022 übernommen. Unter seiner Leitung gewann der Verein 2023 den DFB-Pokal und anschließend den deutschen Supercup. Zudem qualifizierte sich Leipzig während seiner Amtszeit zweimal für die Champions League.
Am 30. März 2025 beendete der Klub die Zusammenarbeit mit dem gebürtigen Leipziger. Vorausgegangen war eine sportlich schwierige Phase, zuletzt mit einer 0:1-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach. Auch mehrere Mitglieder seines Trainerteams wurden freigestellt.
Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer erklärte damals, der Verein habe lange an Rose und dessen Mitarbeiter geglaubt. Die Verantwortlichen hätten gemeinsam versucht, eine sportliche Wende herbeizuführen. Weil die Ergebnisse und die Entwicklung der Mannschaft nicht den Erwartungen entsprochen hätten, sei für die verbleibenden Saisonspiele ein neuer Impuls erforderlich gewesen.
Am folgenden Tag erläuterte Schäfer die Entscheidung ausführlicher. Neben den Ergebnissen seien auch die Spielweise, die Haltung auf dem Platz und der Umgang mit schwierigen Situationen ausschlaggebend gewesen.
RB Leipzig bedankte sich ausdrücklich bei Rose für seine Arbeit und die gemeinsam erreichten Erfolge. Als Interimstrainer übernahm anschließend Zsolt Löw die Mannschaft.
Nach Rose und dem Interimstrainer Zsolt Löw hatte Ole Werner die Leipziger Mannschaft zur Saison 2025/26 übernommen. Unter seiner Führung erreichte RB Leipzig den dritten Tabellenplatz und qualifizierte sich für die Champions League.
Trotz dieses Ergebnisses trennte sich der Verein am 17. Juni 2026 von Werner. Sportgeschäftsführer Schäfer begründete die Entscheidung mit dem Wunsch nach einer veränderten sportlichen Herangehensweise und einer Weiterentwicklung der Mannschaft.
Am 22. Juni stellte Leipzig Martín Demichelis als neuen Cheftrainer vor. Der frühere argentinische Nationalspieler erhielt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028 und nahm seine Arbeit zur Vorbereitung auf die Saison 2026/27 auf.
Demichelis hatte zuvor unter anderem River Plate in Argentinien, den mexikanischen Klub CF Monterrey und RCD Mallorca trainiert. Bei seiner Verpflichtung hob Schäfer dessen internationale Erfahrungen und seine Vorstellung von intensivem Fußball hervor.
Nach sieben Bundesliga-Spieltagen der Saison 2026/27 steht RB Leipzig mit zwölf Punkten auf Tabellenplatz fünf. Die Mannschaft hat vier Spiele gewonnen und drei verloren. Besonders auffällig ist die unterschiedliche Bilanz in Heim- und Auswärtsspielen.
Während Leipzig seine bisherigen vier Bundesligapartien im eigenen Stadion gewann, blieben die drei Auswärtsspiele ohne Punktgewinn. Auch in der Champions League verlief der Saisonstart wechselhaft. Aus drei Begegnungen holte die Mannschaft einen Sieg und kassierte zwei Niederlagen.
Zu den jüngsten Rückschlägen gehörte das 1:4 bei Real Madrid am 21. Oktober. Drei Tage später gewann Leipzig sein Bundesliga-Heimspiel gegen die SV Elversberg dagegen deutlich mit 4:0.
Auch im DFB-Pokal erreichte Demichelis mit seiner Mannschaft die nächste Runde. Am Dienstag, 27. Oktober, setzte sich Leipzig beim Drittligisten Rot-Weiss Essen mit 2:1 durch. Die beiden Leipziger Tore erzielte der eingewechselte Christoph Baumgartner.
Der knappe Erfolg bedeutete den Einzug ins Achtelfinale, verdeutlichte aber zugleich die Schwierigkeiten der Mannschaft bei Auswärtsspielen. Leipzig musste einen Rückstand aufholen und spielte über längere Zeit in Unterzahl.
Demichelis lobte nach der Begegnung insbesondere die Einsatzbereitschaft seiner Spieler. Baumgartner bezeichnete er als wichtigen Führungsspieler, dessen Belastung nach längerer Verletzungspause weiterhin vorsichtig gesteuert werden müsse.
Ungeachtet der sportlichen Schwankungen hatte sich RB Leipzigs Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer am 24. Oktober ausdrücklich hinter Demichelis gestellt.
Im Gespräch mit Sky betonte Schäfer, dass der Verein weiterhin von seinem Trainer überzeugt sei. Andernfalls würden die Verantwortlichen entsprechend handeln.
Dabei unterschied der Sportchef zwischen den bisherigen Auftritten im eigenen Stadion und auf fremden Plätzen. Die Heimleistungen seien überzeugend gewesen, auswärts habe Leipzig die eigenen Vorstellungen dagegen bislang nicht ausreichend umgesetzt.
Schäfer forderte Verbesserungen, stellte aber gleichzeitig klar, dass die Verantwortlichen gemeinsam mit Trainer und Mannschaft an den bestehenden Problemen arbeiten wollten. Die bisherigen Auswärtsleistungen entsprächen nicht dem Anspruch des Vereins.
Bereits am 11. September hatte Schäfer in einer offiziellen Mitteilung auf Diskussionen über die sportliche Entwicklung reagiert. Damals verwies er auf Veränderungen im Kader, Verletzungen und die notwendige Eingewöhnungszeit der Mannschaft. Zugleich erklärte er, dass die Beschäftigten und das Trainerteam das Vertrauen des Vereins besäßen.
Marco Rose ist seit Juli 2026 Cheftrainer des englischen Erstligisten AFC Bournemouth. Nach einer längeren Pause vom Trainerberuf hat er dort eine neue Aufgabe übernommen.
In dem Gespräch mit RTL/Sky Sport erklärte Rose, dass ihm die Zeit ohne Traineramt geholfen habe, die zurückliegenden Erfahrungen einzuordnen.
Zuletzt feierte Bournemouth mehrere Erfolge. Am 25. Oktober gewann Roses Mannschaft mit 3:0 bei Manchester United. Es war der vierte Pflichtspielsieg in Folge. In der Premier League steht Bournemouth nach acht Spieltagen mit neun Punkten auf dem 13. Tabellenplatz.
Roses aktuelle Äußerungen machen deutlich, dass er den Umgang mit Trainern im Spitzenfußball weiterhin kritisch betrachtet. Seine eigene Leipziger Amtszeit und die Situation von Demichelis verbindet er mit der Forderung nach Unterstützung auch während sportlich schwieriger Phasen.
Bei RB Leipzig besteht unterdessen eine klare öffentliche Position: Die Vereinsführung hält an Demichelis fest, erwartet aber eine Verbesserung der Auswärtsleistungen. Nach dem Pokalerfolg in Essen richtet sich der Blick auf die nächste Bundesliga-Aufgabe beim FC Schalke 04 am 31. Oktober.
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