
Karl-Heinz Rummenigge hat erstmals ausführlich erklärt, warum er der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Max Eberl beim FC Bayern München nicht zugestimmt hat. Das Aufsichtsratsmitglied bestätigte seine Enthaltung in einem Interview mit der „Abendzeitung“. Seine Kritik richtet sich dabei ausdrücklich gegen den Ablauf vor der Entscheidung. Gleichzeitig nennt Rummenigge Zahlen zur Kaderplanung, die zeigen, dass die Münchner bei mehreren geplanten Spielerverkäufen hinter ihren finanziellen Erwartungen zurückblieben.
Bereits SPORT1 hatte Mitte September berichtet, dass die Entscheidung über Max Eberl im Aufsichtsrat nicht einstimmig gefallen sei und Karl-Heinz Rummenigge sich enthalten habe. Inzwischen ist dieser Teil der Darstellung keine interne Information mehr: Rummenigge hat seine Enthaltung persönlich bestätigt. Auch Absolut Fussball griff seine Aussagen am Samstag, 26. September, auf.
Im Interview mit der „Abendzeitung“ erklärte Rummenigge, er habe sogar über eine Gegenstimme nachgedacht. Wörtlich sagte er: „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich bei der Verlängerung mit Max mit ‚Nein‘ stimmen soll.“ Während der Sitzung habe er sich schließlich für eine Enthaltung entschieden.
Damit ist bestätigt, dass Eberls Verlängerung im Kontrollgremium nicht von allen Mitgliedern ausdrücklich unterstützt wurde. Eine grundsätzliche Ablehnung Eberls durch Rummenigge lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Als wesentlichen Grund nennt Rummenigge das Verfahren vor der Entscheidung. Ihn habe irritiert, dass öffentlich der Eindruck entstanden sei, der Präsidialausschuss habe die Verlängerung bereits entschieden und der gesamte Aufsichtsrat müsse diese Entscheidung lediglich noch nachvollziehen.
Nach Rummenigges Darstellung kann der Präsidialausschuss eine Empfehlung abgeben. Die Entscheidung selbst liege jedoch beim gesamten Aufsichtsrat. Er habe seine Entscheidung deshalb unabhängig von einer solchen Empfehlung treffen wollen.
Noch deutlicher äußerte sich der frühere Vorstandsvorsitzende zur Kommunikation nach außen. Problematisch sei für ihn gewesen, dass eine Empfehlung öffentlich bekannt geworden sei und dadurch der Eindruck einer bereits abgeschlossenen Entscheidung entstanden sei. Wer dafür verantwortlich gewesen sei, wisse er nach eigener Aussage nicht. Seine Kritik habe er den Beteiligten intern mitgeteilt.
Damit richtet sich der klar belegte Teil seiner Kritik vor allem gegen das Verfahren und die Kommunikation rund um die Abstimmung, nicht ausdrücklich gegen Eberl persönlich.
Der FC Bayern hatte die Vertragsverlängerung am 25. August 2026 nach einer turnusmäßigen Sitzung des Aufsichtsrats offiziell bekannt gegeben. Eberls Vertrag läuft nun bis zum 30. Juni 2029. Gleichzeitig wurde auch Vorstandschef Jan-Christian Dreesen bis zu diesem Datum gebunden.
Eberl war am 1. März 2024 als Sportvorstand nach München zurückgekehrt. Sein ursprünglicher Vertrag hatte bis zum 30. Juni 2027 gegolten. Die Entscheidung vom August verlängerte die Zusammenarbeit somit vorzeitig um zwei weitere Jahre.
Aufsichtsratschef Herbert Hainer begründete die Entscheidung bei der Bekanntgabe mit dem Wunsch nach Kontinuität und Stabilität. Eberl selbst bezeichnete das Vertrauen des Aufsichtsrats als wichtiges Signal und kündigte an, den eingeschlagenen sportlichen Weg fortzusetzen.
Interessant sind Rummenigges Aussagen zur wirtschaftlichen Seite des vergangenen Transfersommers. Im selben Interview erklärte er, der FC Bayern habe ursprünglich João Palhinha, Sacha Boey, Bryan Zaragoza und Alexander Nübel verkaufen wollen.
Nach Rummenigges Angaben habe der Verein aus diesem Paket Einnahmen zwischen 60 und 70 Millionen Euro erwartet. Tatsächlich seien daraus lediglich rund 20 Millionen Euro geworden. Zusätzliche Einnahmen hätten Verkäufe jüngerer Spieler wie Noel Aseko, Arijon Ibrahimović und Jonah Kusi-Asare gebracht. Dafür hob Rummenigge ausdrücklich die Arbeit von Sportdirektor Christoph Freund und Nachwuchsleiter Jochen Sauer hervor.
Eine direkte Aussage, wonach Rummenigge Eberl persönlich für die Differenz zwischen den erwarteten und tatsächlich erzielten Einnahmen verantwortlich macht, ist in dem Interview jedoch nicht enthalten. Eine solche Interpretation geht über den belegten Wortlaut hinaus.
Auch die einzelnen Personalien unterscheiden sich. João Palhinha verließ den FC Bayern am 26. August dauerhaft und wechselte zu Benfica Lissabon. Der Verein bestätigte den Transfer einen Tag nach der Aufsichtsratssitzung. Eine Ablösesumme nannte der FC Bayern in seiner Mitteilung nicht.
Bryan Zaragoza wurde bis zum Saisonende an Espanyol Barcelona verliehen. Sacha Boey konnte dagegen nicht wie ursprünglich vorgesehen abgegeben werden. Im September bestätigte Eberl schließlich, dass der Rechtsverteidiger zunächst in München bleiben werde. Über seine Situation solle gegebenenfalls im Winter erneut gesprochen werden.
Dass der FC Bayern im Sommer grundsätzlich mit Abgängen von Palhinha, Boey und Zaragoza plante, hatte Eberl bereits zuvor selbst öffentlich erklärt. Die Münchner wollten die Spieler abgeben, mussten dabei aber zugleich ihre laufenden Verträge berücksichtigen.
Die Aussagen Rummenigges zeichnen deshalb ein differenzierteres Bild als eine offene Konfrontation zwischen zwei Bayern-Verantwortlichen. Die Enthaltung ist bestätigt. Ebenso bestätigt ist seine Kritik am Ablauf vor der Abstimmung und seine Unzufriedenheit mit den finanziellen Ergebnissen eines Teils der Transferplanung.
Gleichzeitig sprach Rummenigge dem Vorstand grundsätzlich das Vertrauen aus. Er bezeichnete die Führung insgesamt als fähig und betonte, dass der Vorstand operativ arbeiten können müsse. Der Aufsichtsrat dürfe nicht zu viele Entscheidungen an sich ziehen.
Auch Uli Hoeneß hatte zuletzt erklärt, Eberl habe sich innerhalb des Vereins positiv entwickelt und informiere zentrale Verantwortliche inzwischen besser. Zuvor habe ihm die interne Zusammenarbeit nicht immer gefallen.
Für den FC Bayern ist die Diskussion nicht nur eine Frage der internen Entscheidungsstrukturen. Verkäufe von Spielern, die sportlich keine zentrale Rolle mehr spielen, schaffen finanziellen Spielraum und reduzieren Gehaltskosten. Bleiben erwartete Einnahmen aus, verändert das die Möglichkeiten bei weiteren Transfers und bei der langfristigen Kaderplanung.
Rummenigges Zahlen machen deutlich, dass die Münchner im Sommer 2026 bei einem Teil ihrer ursprünglich vorgesehenen Verkäufe deutlich weniger erlöst haben als geplant. Gleichzeitig erzielte der Verein zusätzliche Einnahmen mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchsbereich. Gerade diesen Bereich sollen Christoph Freund und Jochen Sauer nach Rummenigges Angaben künftig mit umfassender Verantwortung führen.
Eberls Position als Sportvorstand ist vertraglich dennoch langfristig geklärt. Sein Vertrag läuft bis Sommer 2029. Die öffentlich gewordene Enthaltung Rummenigges dokumentiert allerdings, dass die Entscheidung im Aufsichtsrat nicht von allen Mitgliedern gleichermaßen getragen wurde.
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