
Die Fernsehmoderatorin und Autorin Ruth Moschner hat sich am Montag nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt öffentlich zum Ergebnis geäußert. In einer Instagram-Story gratulierte sie der Partei zum Wahlsieg, machte zugleich aber deutlich, dass sie sich einen anderen Ausgang gewünscht habe. Eine politische Annäherung verband sie damit nicht. Moschner verwies selbst auf den sarkastischen Ton ihrer Äußerungen und stellte anschließend erneut ihr Engagement für Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt heraus.
Moschners Reaktion erhält auch deshalb Aufmerksamkeit, weil sie sich bereits in den Wochen vor der Wahl mehrfach kritisch über die AfD geäußert hatte. Erst am Donnerstag vor dem Urnengang war sie zu Gast bei „Maybrit Illner“ im ZDF und diskutierte dort über die politische Lage in Sachsen-Anhalt, die sogenannte Brandmauer und den Umgang mit der AfD.
Nach eigener Darstellung hätte Moschner einen anderen Wahlausgang bevorzugt. Weil die AfD die Wahl gewonnen habe, gratulierte sie der Partei dennoch. In ihrer Story erklärte sie zugleich, sie sei neugierig darauf, wie AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zentrale Vorhaben seiner Partei umsetzen wolle. Moschner stellte insbesondere die Finanzierbarkeit und praktische Realisierbarkeit von Teilen des Wahlprogramms infrage.
Auf Reaktionen zu ihrer Gratulation ging Moschner ebenfalls ein. Sie betonte, ihr seien „Anstand und Respekt“ wichtig. Gleichzeitig kündigte sie an, ihr öffentliches Engagement für demokratische Werte fortzusetzen. Sie bedankte sich bei Menschen, die sich im Vorfeld der Wahl für Demokratie eingesetzt hätten, und verwies auf Menschenrechte und Gerechtigkeit als Werte, für die sie weiterhin eintreten wolle.
Damit unterscheidet Moschner zwischen der Anerkennung eines Wahlergebnisses und ihrer politischen Bewertung der siegreichen Partei. Bereits vor der Abstimmung hatte sie keinen Zweifel daran gelassen, dass sie wesentliche Positionen der AfD ablehnt.
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September wurde die AfD deutlich stärkste Kraft. Nach dem vorläufigen Ergebnis lag ihr Zweitstimmenanteil bei 43,8 Prozent. Die CDU kam auf 17,2 Prozent, die SPD auf 9,3 Prozent, die Grünen auf 8,9 Prozent, die Linke auf 8,6 Prozent und das BSW auf 5,3 Prozent. Die FDP erreichte 2,6 Prozent und verfehlte damit den Wiedereinzug in den Landtag.
Im neuen Parlament entfallen 39 der insgesamt 83 Sitze auf die AfD. Für eine absolute Mehrheit wären 42 Mandate erforderlich. Die Partei kann damit nicht allein regieren. AfD-Spitzenkandidat Siegmund wertete das Ergebnis als Regierungsauftrag. Die CDU hält dagegen an ihrer Ablehnung einer Koalition mit der AfD fest.
Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Das Innenministerium des Landes begründet dies unter anderem mit Positionen, die sich nach Einschätzung der Behörde gegen die Menschenwürde und das Demokratieprinzip richten. Die AfD geht gegen die Einstufung juristisch vor.
Moschner hatte ihre Haltung bereits am 3. September in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ deutlich gemacht. Das ZDF führte sie dort nicht nur als Moderatorin und Autorin, sondern auch als Vorständin des Vereins teilensWert e.V. Die Sendung beschäftigte sich unmittelbar vor der Landtagswahl mit der Stärke der AfD und der Frage, ob andere Parteien an ihrer bisherigen Abgrenzung festhalten sollten.
Moschner argumentierte in der Diskussion, dass viele Menschen die AfD aus Erwartungen an bezahlbare Mieten, bessere Renten, höhere Löhne oder eine bessere Infrastruktur wählten. Nach ihrer Einschätzung passten diese Erwartungen jedoch nicht zu wesentlichen wirtschafts- und sozialpolitischen Positionen der Partei. Sie bezeichnete die AfD dabei als „Partei für Reiche“.
Die Diskussion verlief kontrovers. Die Journalistin Nena Brockhaus plädierte dafür, die bisherige Abgrenzung gegenüber der AfD zu überdenken und stärker mit der Partei zu sprechen. Der CDU-Politiker Dennis Radtke sowie der frühere niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil von der SPD widersprachen dieser Position und hielten an einer klaren Abgrenzung fest.
Moschners Beteiligung an politischen Debatten geht über einzelne Fernsehauftritte hinaus. Sie gehört dem ehrenamtlichen Vorstand von teilensWert e.V. an. Nach Angaben des Vereins wurde sie im April 2026 erneut für eine zweijährige Amtsperiode in den Vorstand gewählt. Zu den Zielen von teilensWert gehört es, faktenbasierte Beiträge in sozialen Netzwerken sichtbarer zu machen und der Verbreitung von Desinformation, Populismus und demokratiefeindlichen Inhalten entgegenzuwirken.
Daneben engagiert sich Moschner gegen Hass im Internet. Im Lobbyregister des Deutschen Bundestages ist dokumentiert, dass der Verein innn.it sie bei ihrer Petition gegen anonymen Internet-Hass und bei Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern unterstützt. Dabei geht es unter anderem um eine wirksamere Strafverfolgung und eine stärkere Verantwortlichkeit digitaler Plattformen.
Ihre Äußerungen vom 7. September setzen damit eine länger sichtbare politische Positionierung fort. Die Gratulation an die AfD verband Moschner mit der Anerkennung des Wahlausgangs, nicht mit einer Aufgabe ihrer bisherigen Kritik. Zugleich hat sich der politische Rahmen durch das Ergebnis in Sachsen-Anhalt verändert: Aus der Debatte über einen möglichen AfD-Wahlsieg ist die konkrete Frage geworden, welche Mehrheiten im neuen Landtag entstehen können und wer künftig die Landesregierung führt.
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