RWI sieht stärkeren Aufschwung, doch private Nachfrage bleibt schwach

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich nach Einschätzung des RWI deutlich aufgehellt. Die neue RWI Konjunkturprognose nennt für 2026 ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Für 2027 rechnet das Institut mit 1,1 Prozent, für 2028 nur noch mit 0,5 Prozent. Im Juni hatte das RWI für 2026 und 2027 jeweils lediglich 0,8 Prozent erwartet. Die neue Prognose bedeutet damit eine Anhebung um 0,5 beziehungsweise 0,3 Prozentpunkte.

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RWI hebt Prognose nach starkem ersten Halbjahr an

Auslöser für die Korrektur ist vor allem die überraschend kräftige Entwicklung in der ersten Jahreshälfte. Das Bruttoinlandsprodukt legte nach den inzwischen revidierten Daten im ersten Quartal um 0,4 Prozent und im zweiten Quartal um weitere 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Das Statistische Bundesamt bestätigte für das zweite Quartal das Plus von 0,3 Prozent und verwies ebenfalls auf die gute Exportentwicklung als wichtigen Wachstumstreiber.

Besonders deutlich zog der Außenhandel an. Nach Angaben des RWI stiegen die Exporte im ersten Quartal um 2,4 Prozent und im zweiten Quartal um 2,0 Prozent. Ein großer Teil der Nachfrage kam aus anderen EU Staaten. Auch die Ausfuhren in die USA erholten sich nach einer Beruhigung des Handelsstreits. Das Institut warnt jedoch davor, die Entwicklung als dauerhafte Trendwende zu verstehen. Ein Teil des Exportanstiegs dürfte auf Nachholeffekte nach den Zollturbulenzen zurückgehen. Für das zweite Halbjahr erwartet das RWI deshalb eine schwächere Exportdynamik.

Staatsausgaben stützen, private Nachfrage bleibt schwach

Neben den Exporten tragen höhere staatliche Ausgaben zur Erholung bei. Erweiterte Verschuldungsspielräume und Mittel aus Sondervermögen schlagen sich zunehmend im öffentlichen Konsum und in öffentlichen Investitionen nieder. Bei Unternehmen und privaten Haushalten ist die Belebung dagegen bislang deutlich weniger ausgeprägt. Die privaten Ausrüstungsinvestitionen gingen im zweiten Quartal erneut zurück. Hohe Energiepreise, bürokratische Belastungen und die nach Einschätzung des RWI schwache internationale Wettbewerbsfähigkeit begrenzen die Aussichten auf einen kräftigen Investitionsaufschwung.

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Auch der private Konsum bleibt verhalten. Das RWI führt dies unter anderem auf die unsichere Arbeitsmarktlage und die damit verbundene Einkommensunsicherheit zurück. Hinzu kommen temporäre Belastungen durch Trockenheit und niedrige Pegelstände auf Rhein und anderen Flüssen. Diese erschwerten im Sommer die Binnenschifffahrt und erhöhten insbesondere für Chemie, Stahl und Bauwirtschaft die Transportkosten.

Arbeitsmarkt bleibt unter Druck

Auf dem Arbeitsmarkt ist der Aufschwung bislang kaum angekommen. Seit Jahresbeginn sank die Zahl der Erwerbstätigen nach RWI Angaben um rund 100.000. Im Jahresdurchschnitt erwartet das Institut für 2026 etwa 45,686 Millionen Erwerbstätige, knapp 200.000 weniger als 2025. Für 2027 wird nur ein leichter Anstieg auf 45,697 Millionen erwartet, 2028 sollen es 45,825 Millionen sein.

Die Zahl der Arbeitslosen veranschlagt das RWI für 2026 auf knapp 2,994 Millionen und für 2027 auf 2,916 Millionen. In der vom Institut verwendeten nationalen Abgrenzung liegt die Arbeitslosenquote 2026 bei 6,4 Prozent, 2027 bei 6,6 Prozent und 2028 bei 6,2 Prozent. Als Belastungen nennt das RWI neben der schwachen Arbeitsnachfrage der Unternehmen zunehmend auch die demografische Entwicklung.

Inflation bleibt zunächst erhöht

Bei den Verbraucherpreisen erwartet das RWI 2026 eine Inflationsrate von 2,7 Prozent. Für 2027 werden 2,6 Prozent prognostiziert, für 2028 rund 2,0 Prozent. Damit fällt die neue Einschätzung günstiger aus als noch im Juni, als das Institut für 2026 eine Teuerungsrate von 3,1 Prozent und für 2027 von 2,9 Prozent erwartet hatte.

Der Preisdruck ist damit aber nicht vollständig verschwunden. Das RWI rechnet damit, dass sich die Folgen des Energiepreisschocks mit Verzögerung in anderen Bereichen niederschlagen. Für 2027 prognostiziert es eine Kerninflation von 3,4 Prozent, also deutlich mehr als die erwartete Gesamtinflation von 2,6 Prozent. Die Entwicklung hängt nach Einschätzung des Instituts weiterhin stark von Energiepreisen und geopolitischen Risiken ab.

Andere Institute liegen inzwischen ähnlich

Mit seiner neuen Prognose rückt das Essener Institut näher an andere aktuelle Schätzungen heran. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft erwartet für Deutschland 2026 ebenfalls 1,3 Prozent Wachstum, für 2027 aber nur 1,0 Prozent und für 2028 0,5 Prozent. Das DIW Berlin prognostiziert 1,2 Prozent für 2026, 1,0 Prozent für 2027 und 0,7 Prozent für 2028. Damit sehen mehrere große Wirtschaftsforschungsinstitute die deutsche Konjunktur inzwischen deutlich günstiger als noch im Frühsommer.

Deutlich vorsichtiger ist bislang noch die Frühjahrsprojektion der Bundesregierung. Sie stammt vom April und geht für 2026 von 0,5 Prozent sowie für 2027 von 0,9 Prozent Wachstum aus. Auch die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Institute hatte Anfang April lediglich 0,6 Prozent für 2026 und 0,9 Prozent für 2027 erwartet. Die starke erste Jahreshälfte hat das Bild seither verändert.

Trotz der höheren Jahresprognosen bleibt Deutschland im internationalen Vergleich ohne außergewöhnliche Wachstumsdynamik. Im zweiten Quartal legte das deutsche BIP um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu. In der Europäischen Union waren es 0,5 Prozent, im Euroraum 0,4 Prozent. Spanien erreichte 0,7 Prozent.

Risiken für die Erholung bleiben

Das RWI sieht die größten Risiken in einer erneuten Eskalation am Persischen Golf, dauerhaft hohen Energiepreisen und steigenden Kapitalmarktzinsen. Höhere Finanzierungskosten könnten Investitionen und Konsum bremsen. Hinzu kommen die strukturellen Probleme, auf die das Institut trotz der besseren Konjunkturdaten weiter verweist: hohe Kosten, Bürokratie und eine geschwächte Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen.

Die Prognose zeichnet damit ein zweigeteiltes Bild. Die deutsche Wirtschaft wächst 2026 voraussichtlich deutlich stärker als noch vor wenigen Monaten angenommen. Getragen wird die Verbesserung vor allem von Exporten und öffentlichen Ausgaben. Ob daraus ein länger anhaltender Aufschwung entsteht, hängt nach Einschätzung des RWI aber stärker davon ab, ob private Investitionen und Konsum ebenfalls anziehen.

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