Warum Zoe Saldaña ihre Nina-Simone-Rolle heute ablehnt

Lecker aufs Land heute im SWR: Folge 104 aus dem Landkreis Rottweil
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Zoe Saldaña gehört heute zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen Hollywoods. Doch eine Rolle aus ihrer Vergangenheit beurteilt die Oscarpreisträgerin inzwischen ausgesprochen kritisch. Saldaña hat mehrfach erklärt, dass sie die Sängerin, Pianistin und Bürgerrechtsaktivistin Nina Simone nicht hätte spielen sollen. Die Aussage wird derzeit erneut aufgegriffen, ist allerdings nicht neu. Ihre öffentliche Abkehr von der damaligen Entscheidung begann bereits mehrere Jahre nach dem Kinostart des Biopics „Nina“.

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Der Film von Regisseurin und Drehbuchautorin Cynthia Mort kam im April 2016 in die US-Kinos. Saldaña spielte darin Nina Simone, David Oyelowo übernahm die Rolle von Clifton Henderson. Die Produktion konzentrierte sich vor allem auf eine spätere Phase im Leben der einflussreichen Musikerin und auf ihre Beziehung zu Henderson.

Saldaña entschuldigte sich bereits 2020

Besonders deutlich äußerte sich Saldaña im August 2020 in einem Gespräch mit dem Autor und Produzenten Steven Canals. Damals sagte sie, sie hätte Nina Simone niemals spielen sollen. Rückblickend habe sie ihre damalige Stellung in Hollywood nutzen müssen, um sich für eine andere Besetzung einzusetzen.

Saldaña erklärte zugleich, dass sie ihre Entscheidung zunächst anders bewertet habe. Als Schwarze Frau habe sie damals geglaubt, grundsätzlich die Berechtigung zu haben, Simone darzustellen. Später sei ihr bewusst geworden, dass Simones persönliche Geschichte und ihre besondere Bedeutung eine wesentlich genauere Repräsentation verlangt hätten.

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Im Juli 2023 bekräftigte Saldaña diese Haltung in einem Interview mit CBS News. Dort sagte sie erneut, sie hätte die Rolle nicht annehmen dürfen. Sie verband ihre Selbstkritik mit einer breiteren Frage der Darstellung von Frauen of Color und erklärte, dass ihre Sicht auf die damalige Kontroverse sich verändert habe.

Warum die Besetzung von Nina Simone so umstritten war

Die Kritik hatte bereits lange vor dem Kinostart begonnen. Saldañas Besetzung wurde 2012 bekannt. Für die Darstellung Simones verwendete die Produktion unter anderem dunkleres Make-up und eine Nasenprothese. Genau diese äußerliche Veränderung entwickelte sich zu einem zentralen Punkt der Debatte.

Nina Simone war nicht nur eine international bekannte Sängerin und Pianistin. Ihre Hautfarbe und ihr Aussehen spielten auch in ihrer eigenen Lebensgeschichte und in ihrer Auseinandersetzung mit Rassismus und Schönheitsidealen eine Rolle. Kritiker hielten es deshalb für problematisch, eine deutlich hellhäutigere Schauspielerin zu besetzen und deren Erscheinungsbild anschließend künstlich zu verändern.

Auch Simones Tochter Lisa Simone Kelly hatte bereits vor der Veröffentlichung Zweifel an der Wahl geäußert. Sie machte jedoch später deutlich, dass sie persönliche Angriffe auf Saldaña nicht unterstützte. Saldaña sei Teil einer größeren Produktion gewesen und nicht allein für deren Entscheidungen verantwortlich. Zugleich hielt Kelly sie vom Erscheinungsbild her nicht für die passende Wahl für ihre Mutter.

Das damalige offizielle Social-Media-Konto des Nina-Simone-Nachlasses reagierte wesentlich schärfer auf Saldañas Beteiligung. Damit war allerdings nicht jede öffentliche Äußerung aus Simones Familie gleichzusetzen. Gerade die Position ihrer Tochter fiel differenzierter aus.

Von Verteidigung zu deutlicher Selbstkritik

Saldaña hatte ihre Besetzung zunächst verteidigt. Sie verwies dabei unter anderem auf ihre eigene Identität als Schwarze Frau und wehrte sich gegen die Vorstellung, es gebe nur eine bestimmte Form schwarzer Identität.

Diese Haltung änderte sich später deutlich. In ihren Äußerungen von 2020 und 2023 stellte Saldaña nicht mehr die Frage in den Mittelpunkt, ob sie grundsätzlich eine Schwarze historische Persönlichkeit spielen dürfe. Stattdessen sprach sie darüber, ob sie gerade Nina Simone hätte verkörpern sollen.

Im CBS-Interview wurde sichtbar, wie persönlich sie die Auseinandersetzung inzwischen bewertet. Saldaña erklärte, sie sei mit Simones Musik aufgewachsen und empfinde weiterhin große Bewunderung für die Musikerin. Gleichzeitig habe die Erfahrung ihre eigene Beziehung zu deren Musik verändert.

Der Film blieb auch bei Kritikern erfolglos

Nicht nur die Besetzung sorgte für Diskussionen. Auch der fertige Film wurde überwiegend negativ bewertet. Bei Rotten Tomatoes lag die positive Kritikerwertung zuletzt bei zwei Prozent auf Grundlage von 41 erfassten Rezensionen.

Regie und Drehbuch stammten von Cynthia Mort. Neben Saldaña und Oyelowo gehörten unter anderem Mike Epps und Ronald Guttman zur Besetzung. Saldaña war zudem als Executive Producer beteiligt.

Der Fall „Nina“ entwickelte sich damit über den einzelnen Film hinaus zu einem Beispiel für eine bis heute geführte Debatte in der Filmbranche: Wie genau müssen Herkunft, Hautfarbe und persönliche Erfahrungen übereinstimmen, wenn reale historische Persönlichkeiten dargestellt werden, und wer entscheidet über diese Besetzungen?

Saldañas Karriere steht heute an einem anderen Punkt

Seit „Nina“ hat sich Saldañas Stellung in Hollywood erheblich verändert. Für ihre Rolle als Rita in „Emilia Pérez“ erhielt sie 2025 den Oscar als beste Nebendarstellerin. Im August 2026 zeichnete das Filmfestival von Locarno sie zudem mit einem Special Honorary Pardo aus.

Gerade dieser Abstand macht ihre Aussagen über „Nina“ bemerkenswert. Saldaña spricht inzwischen aus einer wesentlich stärkeren Position innerhalb der Filmbranche als zu Beginn des Projekts. Ihre zentrale Einschätzung hat sie dabei über mehrere Jahre hinweg beibehalten: Die Rolle der Nina Simone hätte ihrer heutigen Auffassung nach von einer anderen Schauspielerin übernommen werden sollen.

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