
Ein schwerer Gefahrgutunfall hat am Freitagmorgen, 6. November 2026, in Krefeld zu weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen geführt. Ein mit Salpetersäure beladener Tanklastwagen ist an der Berliner Straße im Bereich der Anschlussstelle Krefeld-Zentrum zur Autobahn 57 umgestürzt. Dabei trat die stark ätzende Chemikalie aus. Die Feuerwehr rückte mit rund 200 Einsatzkräften an und warnte die Bevölkerung vor möglichen Gesundheitsgefahren. Die A57 und eine wichtige Bahnverbindung wurden gesperrt. Vier Schulen und zwei Kindertagesstätten bleiben geschlossen.
Gegen 3 Uhr wurde die Feuerwehr Krefeld zu dem Unfall alarmiert. Der Tanklastwagen war im Bereich der Autobahnauffahrt umgekippt und verlor anschließend einen Teil seiner Ladung. Der Fahrer wurde bei dem Unfall verletzt und zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Über die Schwere seiner Verletzungen lagen zunächst keine näheren Angaben vor.
Nach einer Mitteilung der Feuerwehr von 8:20 Uhr waren rund 200 Einsatzkräfte mit der Bewältigung des Unfalls beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt war es noch nicht gelungen, den Austritt der Salpetersäure vollständig zu stoppen. Spezialkräfte arbeiteten daran, die beschädigte Stelle abzudichten, die Flüssigkeit aufzufangen und die verbliebene Ladung aus dem Tank zu pumpen.
Nach Angaben der städtischen Gefahrenabwehr hatte der Lastwagen ursprünglich 23 Tonnen Salpetersäure geladen. Etwa zehn Tonnen sollen bis zum Morgen ausgelaufen sein. Die Chemikalie sammelte sich demnach in einer Senke nahe der Autobahnauffahrt. Die Einsatzkräfte bereiteten die Aufnahme der ausgelaufenen Flüssigkeit und das Abpumpen der Restladung vor.
Wegen der ausgetretenen Chemikalie löste die Stadt Krefeld eine amtliche Warnung aus. Über die Warn-App NINA wurde die höchste Warnstufe „Extreme Gefahr“ für den unmittelbaren Gefahrenbereich ausgegeben. Die Feuerwehr richtete einen Absperrbereich mit einem Radius von 1.000 Metern um die Unfallstelle ein.
Menschen innerhalb dieses Bereichs wurden aufgefordert, in geschlossenen Gebäuden zu bleiben und diese nicht zu verlassen. Fenster und Türen sollten geschlossen und Lüftungsanlagen sowie Klimaanlagen abgeschaltet werden. Auch das Betreten des abgesperrten Gebiets wurde untersagt.
Zusätzlich wurden Sirenen ausgelöst. Für das übrige Stadtgebiet gab die Stadt eine gesonderte Gefahreninformation heraus, die auf den laufenden Einsatz und die Verkehrsbehinderungen aufmerksam machte. Menschen außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs sollten das betroffene Gebiet großräumig meiden.
Die Feuerwehr erklärte in ihrer Mitteilung, außerhalb des abgesperrten Bereichs bestehe keine Gefahr. Innerhalb der Sperrzone blieben die Schutzmaßnahmen dagegen bestehen. Die Behörden appellierten außerdem, die Notrufnummern 110 und 112 ausschließlich bei tatsächlichen Notfällen zu wählen.
Am Morgen gab es erste Erkenntnisse zur Luftbelastung. Nach Angaben des Leiters der städtischen Gefahrenabwehr, Andreas Klos, lagen die bislang ermittelten Messwerte unterhalb der maßgeblichen Toleranzgrenzen. Das erklärte er gegenüber der Rheinischen Post, wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag um 8:44 Uhr meldete.
Eine Aufhebung der Sicherheitsmaßnahmen war damit zunächst nicht verbunden. Die Behörden forderten die Menschen weiterhin auf, den Bereich zu meiden und innerhalb der Absperrzone die Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Die Feuerwehr führte fortlaufend Luftmessungen durch, um die mögliche Ausbreitung der Schadstoffe zu überwachen. Eine abschließende Bewertung der Belastung und eine Entwarnung für den abgesperrten Bereich lagen zunächst nicht vor.
Der Unfall hatte erhebliche Auswirkungen auf den Straßenverkehr. Die Autobahn 57 wurde zwischen den Anschlussstellen Krefeld-Oppum und Krefeld-Gartenstadt in beiden Fahrtrichtungen vollständig gesperrt. Betroffen war damit eine wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen dem Niederrhein und dem Rheinland.
Auch die Berliner Straße war zwischen Glockenspitz und Linner Straße in beide Richtungen nicht befahrbar. Die Polizei und die Feuerwehr sperrten den Bereich für den Verkehr ab.
Bereits zum Beginn des morgendlichen Berufsverkehrs bildeten sich auf der A57 längere Staus. Nach Angaben des WDR staute sich der Verkehr gegen 7 Uhr in Richtung Köln auf mehreren Kilometern. Verkehrsteilnehmer wurden aufgefordert, die Unfallstelle weiträumig zu umfahren.
Eine verbindliche Uhrzeit für die Wiederfreigabe der betroffenen Straßen lag zunächst nicht vor. Die Arbeiten an dem beschädigten Tanklastwagen und der Umgang mit der ausgelaufenen Chemikalie machten umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich.
Nicht nur Autofahrer waren von dem Gefahrgutunfall betroffen. Auch der Bahnverkehr zwischen Duisburg und Krefeld wurde aufgrund einer behördlichen Anordnung eingestellt. Die Sperrung führte zu Zugausfällen und Verspätungen auf mehreren Regionalverkehrslinien.
Betroffen waren insbesondere die Linien RE 7, RE 10, RE 42, RB 33, RB 35 und RB 37. Auf einzelnen Verbindungen fielen Züge vollständig aus, andere konnten nur Teilstrecken bedienen.
Die Linie RE 42 endete beziehungsweise begann aus Richtung Münster in Rheinhausen. Auf der RB 33 war der Verkehr zwischen Viersen und Essen-Steele unterbrochen. Für betroffene Streckenabschnitte wurden teilweise Ersatzbusse eingesetzt.
In einer Fahrgastinformation war zunächst 9 Uhr als voraussichtliches Ende der Beeinträchtigung genannt worden. Ein gesicherter Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des regulären Zugverkehrs stand jedoch nicht fest. Fahrgäste mussten deshalb auch im weiteren Tagesverlauf mit Änderungen rechnen und sollten ihre Verbindungen vor Reisebeginn überprüfen.
Die Sicherheitsmaßnahmen wirkten sich auch auf den Schul- und Betreuungsbetrieb aus. Vier Schulen und zwei Kindertagesstätten im betroffenen Bereich sollten am Freitag vollständig geschlossen bleiben.
Nach Angaben der Stadt, die der WDR veröffentlichte, waren die Franz-Stollwerck-Schule, die Sollbrüggenschule, die Gesamtschule Uerdingen und das Berufskolleg Uerdingen betroffen. Auch die Kita St. Gertrudis und die städtische Kindertagesstätte an der Verberger Straße blieben geschlossen.
Darüber hinaus kam es zu Einschränkungen im städtischen Nahverkehr. Mehrere Straßenbahn- und Buslinien konnten ihre regulären Strecken nicht befahren. Teilweise wurden Umleitungen und Ersatzverbindungen eingerichtet.
Auch die städtische Müllabfuhr war beeinträchtigt. Nach Angaben der Stadt konnte der Betrieb wegen der Lage des Fuhrparks im betroffenen Bereich nicht regulär stattfinden.
Salpetersäure ist eine stark ätzende chemische Verbindung, die unter anderem bei der Herstellung von Düngemitteln und weiteren Industrieprodukten eingesetzt wird. Bei direktem Kontakt kann sie schwere Verätzungen verursachen. Auch Augen und Atemwege können durch die Chemikalie beziehungsweise entstehende Dämpfe erheblich geschädigt werden.
Bei dem Unfall in Krefeld bestand deshalb nicht nur die Aufgabe, den beschädigten Lastwagen zu sichern. Die Einsatzkräfte mussten zugleich verhindern, dass sich gefährliche Stoffe weiter in der Umgebung ausbreiten. Dafür waren spezialisierte Gefahrgutkräfte und entsprechende Schutzmaßnahmen erforderlich.
Die genaue Unfallursache war am Freitagmorgen noch ungeklärt. Auch die endgültige Menge der freigesetzten Salpetersäure stand zunächst nicht fest.
Wann die A57, die Berliner Straße und die betroffene Bahnverbindung wieder vollständig freigegeben werden können, hing vom weiteren Verlauf der Sicherungsarbeiten ab. Für die Bevölkerung im abgesperrten Bereich galten bis zu einer ausdrücklichen Entwarnung weiterhin die Anweisungen der Einsatzkräfte.
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