Neues Shamonda-like-Virus bei Rindern breitet sich in Mitteleuropa aus

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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In Rinderbeständen mehrerer europäischer Länder ist im Sommer 2026 ein bislang nicht abschließend charakterisiertes Orthobunyavirus aufgetaucht. Nachweise gibt es in Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Inzwischen hat das Schweizer Institut für Virologie und Immunologie den Erreger auch bei Rindern aus Liechtenstein festgestellt. Das vorläufig als Shamonda-like-Virus bei Rindern bezeichnete Virus gehört zur Simbu-Serogruppe und wird nach bisherigen Erkenntnissen vor allem durch blutsaugende Gnitzen übertragen.

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Bei erwachsenen Rindern wurden vor allem Fieber, Durchfall, Appetitverlust und teilweise erhebliche Einbußen bei der Milchleistung beobachtet. Die akuten Beschwerden verlaufen nach bisherigen Beobachtungen meist vorübergehend. Größere Aufmerksamkeit richtet sich inzwischen auf trächtige Tiere, weil das Virus in der Schweiz auch in Proben abortierter Föten nachgewiesen wurde. Ob es die Aborte tatsächlich verursacht hat und welche Folgen Infektionen während der Trächtigkeit insgesamt haben können, ist noch nicht abschließend geklärt.

Friedrich-Loeffler-Institut identifiziert Erreger in Deutschland

Das Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte den deutschen Nachweis am 3. August 2026. Ausgangspunkt waren Erkrankungen in süddeutschen Rinderhaltungen, insbesondere in Baden-Württemberg. Proben aus vier betroffenen Beständen gelangten über das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg zum FLI. Tests auf das Schmallenberg-Virus, das Blauzungenvirus und den Erreger der Epizootischen Hämorrhagie waren zuvor negativ geblieben.

Die anschließende Genomsequenzierung zeigte bei allen drei Abschnitten des Virusgenoms die größte Ähnlichkeit mit bekannten Shamonda-Viren. Auf Aminosäureebene betrug die Übereinstimmung nach Angaben des FLI je nach Genomsegment zwischen 95 und 99 Prozent. Die endgültige taxonomische Zuordnung steht jedoch noch aus. Deshalb ist die vorläufige Bezeichnung Shamonda-like präziser als die Darstellung, es handele sich bereits eindeutig um einen vollständig bestimmten neuen Shamonda-Virustyp.

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Nachweise auch in der Schweiz und Frankreich

In der Schweiz gelang dem Institut für Virologie und Immunologie am 31. Juli erstmals ein entsprechender Nachweis. Die vollständige Sequenzierung mehrerer Proben aus unterschiedlichen Kantonen bestätigte anschließend, dass die gefundenen Viren nahezu identisch mit dem in Deutschland untersuchten Erreger sind. Am 13. August meldete das IVI außerdem den ersten Nachweis bei Rindern aus Liechtenstein. Das Institut wertete dies als Hinweis auf eine weitere Ausbreitung nach Osten.

Auch Frankreich hat das Auftreten inzwischen offiziell bestätigt. Das Landwirtschaftsministerium erklärte am 13. August, der Erreger sei Ende Juli in Milchviehbetrieben mehrerer Départements nachgewiesen worden. Bereits zuvor waren in Ostfrankreich, unter anderem im Doubs, Jura, Ain, in Savoie und Haute-Savoie sowie in Isère, vergleichbare Krankheitsgeschehen aufgefallen. Bei Untersuchungen der École Nationale Vétérinaire de Toulouse wurden Proben aus drei Betrieben in den Savoyer Départements genomisch analysiert.

Eine belastbare Gesamtzahl betroffener Betriebe lässt sich aus den derzeit veröffentlichten amtlichen Angaben nicht ableiten. Das FLI nennt vier deutsche Bestände, aus denen die zunächst untersuchten Proben stammten, nicht jedoch eine bundesweite Fallzahl. Das französische Ministerium spricht von Betrieben in mehreren Départements, ohne deren Gesamtzahl zu beziffern. Auch das Schweizer IVI berichtet von verschiedenen Herden und Kantonen, veröffentlicht bislang aber keine Gesamtzahl aller positiven Betriebe.

Fieber, Durchfall und sinkende Milchleistung

Das klinische Bild ist in den betroffenen Regionen ähnlich. Erkrankte Rinder können für ein bis zwei Tage Fieber von mehr als 40 Grad entwickeln. Hinzu kommen Appetitlosigkeit, Durchfall und teilweise ein deutlicher Rückgang der Milchproduktion. Das Schweizer IVI berichtet, dass Krankheitsgeschehen in betroffenen Betrieben insgesamt häufig etwa 14 bis 21 Tage andauern.

Das französische Landwirtschaftsministerium bewertet die Auswirkungen auf die bisher betroffenen Betriebe derzeit als gering. Die meisten akuten Symptome seien vorübergehend. Damit unterscheidet sich das aktuelle Geschehen deutlich von schweren regulierten Rinderseuchen wie der Lumpy-Skin-Krankheit. Für das Shamonda-Virus gibt es derzeit weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine Behandlung, die das Virus selbst beseitigen könnte. Erkrankte Tiere können symptomatisch versorgt werden.

Virusnachweis in abortierten Rinderföten

Besondere Bedeutung hat die Frage, was eine Infektion während der Trächtigkeit bewirken kann. Viren der Simbu-Gruppe können die Plazenta passieren. Vom verwandten Schmallenberg-Virus ist bekannt, dass Infektionen in bestimmten Phasen der Trächtigkeit Aborte, Totgeburten und schwere Fehlbildungen verursachen können. Das FLI hatte Anfang August ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich solche Folgen für den neu gefundenen Erreger noch nicht abschätzen ließen.

Inzwischen liegen neue Befunde aus der Schweiz vor. Das IVI teilte mit, dass seit dem 6. August Shamonda-like-Virus in mehreren Proben von abortierten Föten aus unterschiedlichen Rinderherden nachgewiesen wurde. Damit ist belegt, dass der Erreger von der Kuh auf den Fötus gelangen kann. Noch nicht abschließend belegt ist dagegen, dass das Virus in diesen Fällen die Aborte verursacht hat. Das Institut untersucht deshalb auch andere mögliche Abortursachen und die Zusammenhänge zwischen Infektion und Trächtigkeitsverlust.

Für Menschen derzeit kein relevantes Infektionsrisiko

Für Menschen ergibt sich nach derzeitigem Kenntnisstand kein relevantes Infektionsrisiko. Das Friedrich-Loeffler-Institut weist darauf hin, dass Viren der Simbu-Serogruppe in der Regel nicht als Zoonoseerreger gelten. Weil der jetzt auftretende Erreger noch nicht vollständig charakterisiert ist, soll ein mögliches zoonotisches Potenzial vorsorglich weiter untersucht werden.

Das französische Landwirtschaftsministerium formuliert seine Einschätzung noch eindeutiger. Nach dessen Angaben ist das Virus nicht auf Menschen übertragbar und stellt kein Problem für die öffentliche Gesundheit dar. Das gelte auch im Zusammenhang mit dem Verzehr von Milch oder Fleisch.

Tierhalter sollen Auffälligkeiten rasch abklären lassen

Rinderhalter sollten ihre Tiere derzeit besonders auf Fieber, Durchfall, Appetitverlust und einen ungewöhnlichen Rückgang der Milchleistung beobachten. Das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen empfiehlt, bei solchen Symptomen sowie bei Aborten oder anderen Auffälligkeiten umgehend einen Tierarzt einzuschalten. Für eine Virusdiagnostik ist eine möglichst frühe Probenentnahme wichtig, weil der Erreger bei erwachsenen Tieren offenbar nur kurze Zeit zuverlässig im Blut nachweisbar ist.

Zusätzlich wird empfohlen, den Kontakt der Tiere mit Gnitzen soweit praktikabel zu verringern. Frankreich nennt unter anderem die Beseitigung möglicher Brutplätze wie stehender Wasseransammlungen und Maßnahmen gegen Insekten bei Tiertransporten. In Bayern wurde ein Monitoring eingerichtet. Dort sollen Tiere mit typischen akuten Symptomen untersucht werden. Aborte, Totgeburten und auffällig entwickelte Föten sollten ebenfalls diagnostisch abgeklärt werden. Da die Gnitzen in Deutschland gewöhnlich bis in den Herbst hinein aktiv sind, rechnet das FLI mit weiteren Übertragungen innerhalb empfänglicher Wiederkäuerbestände.

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