
Die Siemens-Energy-Aktie ist am Donnerstag, 22. Oktober 2026, deutlich unter Druck geraten. Zum Xetra-Handelsschluss lag das Papier des Münchner Energietechnikkonzerns bei 121,10 Euro und damit 9,38 Prozent unter dem Vortagesschluss. Während auch der DAX nachgab, fiel der Verlust bei Siemens Energy erheblich stärker aus. Sorgen über die Wirtschaftlichkeit großer KI-Rechenzentren und eine skeptische Einschätzung der britischen Bank Barclays belasten seit Tagen die Stimmung gegenüber Energietechnikunternehmen.
Der Kursrückgang verschärfte sich im Verlauf des Donnerstags deutlich. Zwischenzeitlich fiel die Aktie auf 120,82 Euro und erreichte damit den niedrigsten Stand seit rund sechs Monaten. Bereits am 15. Oktober war das Papier zeitweise auf 124,46 Euro gesunken, hatte sich anschließend allerdings wieder erholt.
Nach den Daten von EOD Historical Data, die WELT in einem automatisierten Börsenbericht veröffentlichte, stand die Aktie am Donnerstag um 17:46 Uhr bei 121,10 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch bei 133,64 Euro entsprach das einem Verlust von 12,54 Euro beziehungsweise 9,38 Prozent. Der DAX gab im selben Zeitraum um 1,04 Prozent nach. Am Mittwoch hatte Siemens Energy dagegen noch 2,55 Prozent gewonnen.
Der Rückgang ist auch im längerfristigen Vergleich erheblich. Vom 52-Wochen-Hoch bei 191,66 Euro hat sich die Aktie auf Basis des genannten Donnerstagsschlusskurses um rund 37 Prozent entfernt. Im laufenden Oktober musste Siemens Energy bereits mehrere Handelstage mit deutlichen Abschlägen hinnehmen.
Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor ist die Frage, wie stark Energietechnikhersteller künftig vom weltweiten Ausbau künstlicher Intelligenz profitieren können. Betreiber großer Rechenzentren benötigen erhebliche Mengen Strom und investieren entsprechend in Erzeugungsanlagen sowie Netzinfrastruktur. Siemens Energy liefert dafür unter anderem Gasturbinen und Netztechnik.
Die britische Investmentbank Barclays äußerte sich am Dienstag skeptisch über die künftige Preissetzungsmacht der Ausrüster. Analyst George Featherstone verwies auf einen von Bloomberg beschriebenen Vertrag zwischen dem KI-Unternehmen Anthropic und dem Cloud-Anbieter Nscale. Aus seiner Sicht deutet die Preisgestaltung darauf hin, dass die Zulieferindustrie ihre Preise und Gewinnmargen nicht unbegrenzt steigern kann.
Die Einschätzung betrifft nicht ausschließlich Siemens Energy. Auch Unternehmen wie Siemens, ABB und Schneider Electric stehen wegen ihrer Verbindungen zum Rechenzentrumsgeschäft im Blickpunkt. Die Barclays-Studie beschreibt mögliche Risiken für das künftige Wachstum, belegt aber keinen konkreten Auftragsrückgang bei Siemens Energy.
Neben den branchenspezifischen Fragen belastet ein schwierigeres internationales Börsenumfeld die Aktienmärkte. Am Donnerstag gerieten weltweit zahlreiche Technologieunternehmen unter Druck. Nach Angaben von Reuters spielten dabei nachlassender Optimismus hinsichtlich des KI-Wachstums und geopolitische Spannungen eine Rolle.
Für Investitionen in Rechenzentren sind außerdem die Finanzierungskosten von Bedeutung. Höhere Zinsen können große Infrastrukturprojekte verteuern und die erwarteten Renditen verringern. Anleger beschäftigen sich deshalb verstärkt mit der Frage, ob die milliardenschweren Investitionen großer Technologiekonzerne dauerhaft wirtschaftlich bleiben.
Für Siemens Energy ergibt sich daraus eine besondere Abhängigkeit der Börsenbewertung von zukünftigen Erwartungen. Eine schwächere Investitionsdynamik könnte die Nachfrage nach zusätzlicher Energieinfrastruktur beeinflussen. Ein entsprechender Rückgang des Auftragsgeschäfts ist durch den aktuellen Kursverlust allerdings nicht belegt.
Die jüngsten Geschäftszahlen des Konzerns zeichnen bislang ein anderes Bild als die Kursentwicklung. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Siemens Energy nach eigenen Angaben einen Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand erreichte 162 Milliarden Euro.
Der Umsatz stieg auf vergleichbarer Basis um 18,5 Prozent auf rund 11,4 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Sondereffekten erhöhte sich von 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf rund 1,62 Milliarden Euro. Auch die Windkrafttochter Siemens Gamesa erzielte erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis.
Siemens Energy bestätigte Anfang August seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 und stellte eine Gewinnmarge vor Sondereffekten am oberen Ende der erwarteten Spanne in Aussicht. Eine neue Gewinnwarnung als Erklärung für den Kursrückgang am Donnerstag lag zunächst nicht vor.
Weitere Informationen über die Geschäftsentwicklung sind für den 11. November 2026 angekündigt. Dann will Siemens Energy die Ergebnisse des vierten Quartals und des abgeschlossenen Geschäftsjahres vorstellen.
Zu den wesentlichen Größen zählen der Auftragseingang, die Entwicklung der Profitabilität und die Nachfrage nach Gas- und Netztechnik. Auch die Entwicklung bei Siemens Gamesa bleibt von Bedeutung. Die kommenden Unternehmenszahlen können zeigen, ob sich die zuletzt geäußerten Bedenken hinsichtlich der Nachfrage und Margen bereits in den Geschäftszahlen niederschlagen.
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