Siemens Healthineers plant Neuausrichtung mit neuem Sparprogramm

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Umbau bei Siemens Healthineers nimmt nach den am 5. November 2026 vorgelegten Jahreszahlen konkrete Formen an. Der Medizintechnikkonzern will sein Diagnostikgeschäft verselbstständigen, die geplante Loslösung vom Siemens-Konzern vorantreiben und seine Kostenbasis verkleinern. Ein neues Produktivitätsprogramm soll zusätzliche Belastungen von mehr als 300 Millionen Euro ausgleichen. Auch Arbeitsplätze könnten betroffen sein.

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Neues Sparprogramm soll ab 2028 Wirkung zeigen

Mit dem Programm „Transform4Future“ bereitet Siemens Healthineers weitere Einsparungen vor. Finanzvorstand Jochen Schmitz bezifferte die erwarteten strukturellen Mehrkosten aus der Neuaufstellung auf mehr als 300 Millionen Euro. Dazu gehören Kosten, die nach der Herauslösung des Diagnostikgeschäfts im verbleibenden Unternehmen entstehen, zusätzliche Aufwendungen durch die größere Unabhängigkeit von Siemens sowie Folgen der Neuausrichtung im Ultraschallgeschäft.

Die Maßnahmen sollen im Geschäftsjahr 2027 ausgearbeitet werden und ab 2028 erste positive Ergebniseffekte bringen. Bis 2030 will der Konzern die zusätzlichen strukturellen Belastungen vollständig ausgleichen. Vorgesehen sind unter anderem schlankere Unternehmensstrukturen, effizientere Abläufe und ein stärkerer Einsatz künstlicher Intelligenz.

Bereits zuvor hatte Siemens Healthineers ein Programm zur Abfederung zusätzlicher Zollbelastungen eingeleitet. Dieses soll bis 2028 Kosteneinsparungen von 200 Millionen Euro ermöglichen. Weitere 200 Millionen Euro sollen durch Preisanpassungen erwirtschaftet werden.

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Veränderungen könnten auch Arbeitsplätze betreffen

Das neue Produktivitätsprogramm dürfte Auswirkungen auf die Beschäftigung haben. Schmitz erklärte bei der Bilanzpressekonferenz, dass Arbeitsplätze mit hoher Wahrscheinlichkeit betroffen sein würden. Unter anderem sollen Aufgaben in übergreifenden Bereichen wie Service, Marketing und Controlling überprüft werden.

Konkrete Zahlen zu einem möglichen Stellenabbau nannte der Finanzvorstand nicht. Die einzelnen Maßnahmen sollen zunächst entwickelt und anschließend mit den Arbeitnehmervertretungen besprochen werden. Dabei verwies Schmitz auch auf Möglichkeiten, altersbedingte Personalabgänge durch veränderte Arbeitsabläufe und neue Technologien aufzufangen.

Siemens Healthineers beschäftigte zum Ende des Geschäftsjahres 2026 weltweit rund 75.000 Menschen.

Diagnostikgeschäft soll zu Olyrian Diagnostics werden

Ein wesentlicher Bestandteil der Neuaufstellung ist die geplante Verselbstständigung der Labordiagnostik. Siemens Healthineers hat dafür den Ausgliederungsprozess eingeleitet. Die Sparte soll künftig unter dem Namen Olyrian Diagnostics auftreten und bis Mitte 2028 organisatorisch eigenständig aufgestellt werden.

Das Geschäft umfasst unter anderem Laborautomatisierung, diagnostische Testsysteme und Untersuchungen direkt am Behandlungsort. Nach Unternehmensangaben werden jährlich mehr als 16 Milliarden Tests hergestellt.

Die Diagnostiksparte steht wirtschaftlich unter Druck. Im vierten Quartal 2026 ging ihr Umsatz auf vergleichbarer Basis um 4,2 Prozent zurück. Die bereinigte operative Gewinnmarge lag bei 5,4 Prozent. Belastend wirkt insbesondere die Entwicklung des chinesischen Marktes. Mittelfristig strebt das Unternehmen wieder eine Marge im mittleren Zehnerprozentbereich an.

Während des Übergangs bleibt die Sparte Teil von Siemens Healthineers. Ein Verkauf ist damit noch nicht vollzogen. Für Kunden sollen Verträge, Produkte und Ansprechpartner zunächst unverändert bleiben.

Siemens soll künftig nur noch Minderheitsaktionär sein

Parallel zum Umbau des Medizintechnikgeschäfts bereitet Siemens die Abgabe seiner bisherigen Mehrheitsposition vor. Der Technologiekonzern hält bislang rund 67 Prozent der Aktien von Siemens Healthineers. Geplant ist, einen Anteil von rund 30 Prozentpunkten direkt auf die Aktionäre der Siemens AG zu übertragen.

Über die Abspaltung sollen die Hauptversammlungen beider Unternehmen im Februar 2027 entscheiden. Nach der Umsetzung würde Siemens nur noch eine Minderheitsbeteiligung halten.

Auch der Unternehmensname soll sich ändern. Aus Siemens Healthineers soll künftig Healthineers werden. Die Umstellung soll 2027 beginnen und über einen Zeitraum von drei Jahren erfolgen. Die Namensänderung benötigt ebenfalls die Zustimmung der Aktionäre.

Für die Übergangsphase wurde eine Vereinbarung mit Siemens geschlossen. Nach Angaben von Finanzvorstand Schmitz sollen dafür insgesamt 300 Millionen Euro in drei jährlichen Raten gezahlt werden.

Umbau bringt zusätzliche Sonderkosten

Neben den erwarteten strukturellen Mehrkosten rechnet Siemens Healthineers für das Geschäftsjahr 2027 mit bereinigungsfähigen Sonderbelastungen von rund 600 Millionen Euro. Sie hängen unter anderem mit der Trennung von Siemens, der Ausgliederung der Diagnostik, der Neuordnung der IT und der Veränderung des Ultraschallgeschäfts zusammen.

Diese Sonderbelastungen sind von den mehr als 300 Millionen Euro an strukturellen Mehrkosten zu unterscheiden, denen das neue Produktivitätsprogramm entgegenwirken soll.

Jahreszahlen und Ausblick für 2027

Im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2026 erzielte Siemens Healthineers einen Umsatz von rund 23,6 Milliarden Euro. Das vergleichbare Umsatzwachstum lag bei 4,0 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei rund 3,8 Milliarden Euro, die entsprechende Marge bei 16,2 Prozent.

Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet der Konzern ein vergleichbares Umsatzwachstum zwischen 4,0 und 5,0 Prozent. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie prognostiziert Siemens Healthineers eine Spanne zwischen 2,20 und 2,40 Euro. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr lag dieser Wert bei 2,42 Euro.

Der Ausblick berücksichtigt unter anderem die Folgen der Neuausrichtung des Ultraschallgeschäfts, steigende Kosten in den Lieferketten sowie eine vorsichtigere Einschätzung der Geschäftsentwicklung in China.

Auch der Aufsichtsrat wird neu aufgestellt

Die Veränderungen reichen bis in die Unternehmensführung. Siemens-Chef Roland Busch soll sein Mandat im Aufsichtsrat von Siemens Healthineers vorzeitig niederlegen. Drei weitere Mandate laufen regulär mit der Hauptversammlung 2027 aus.

Für die Neubesetzung sind Melanie Kreis, Finanzvorständin der DHL Group, Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité, der US-Mediziner Jonathan Lewin und die international erfahrene Gesundheitsmanagerin Pascale Witz vorgesehen. Aufsichtsratschef Ralf Thomas und Peter Koerte sollen zur Wiederwahl vorgeschlagen werden.

Zugleich übernimmt Finanzvorstand Jochen Schmitz innerhalb des Vorstands zusätzlich die Verantwortung für das Diagnostikgeschäft. Konzernchef Bernd Montag bleibt an der Spitze von Siemens Healthineers.

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