Xing-Gründer Hinrichs fordert Telekom mit Simsalasim heraus

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Xing-Gründer und frühere Telekom-Aufsichtsrat Lars Hinrichs bereitet mit Simsalasim den Einstieg in den Mobilfunkmarkt vor. Das Unternehmen setzt auf eine digitale eSIM, internationale Nutzung und eine eigene App. Auch künstliche Intelligenz spielt bei der Entwicklung eine Rolle. Simsalasim hat bereits ein Spracherkennungsmodell für die App trainieren lassen. Gleichzeitig besitzt die deutsche Gesellschaft inzwischen eigene Mobilfunkkennungen und einen Rufnummernblock. Ein regulärer Marktstart mit veröffentlichten Tarifbedingungen steht jedoch noch aus. Die Unternehmensseite kündigt den Dienst weiterhin lediglich als bald verfügbar an.

Neue Aufmerksamkeit bekommt das Projekt durch einen Bericht der „Bild“ vom Sonntag. Demnach soll Simsalasim einen Tarif für zehn Euro im Monat vorbereiten, der unbegrenzte mobile Daten in rund 100 Ländern umfassen soll. In etwa 50 Ländern seien dem Bericht zufolge außerdem Telefonate und SMS vorgesehen. Vollständige Tarifbedingungen, Geschwindigkeiten oder mögliche Nutzungsgrenzen wurden bislang nicht öffentlich vorgelegt. Auch die Simsalasim-Webseite nennt derzeit weder den Preis noch die Zahl der Länder.

Simsalasim hat wichtige Voraussetzungen bereits geschaffen

Hinter dem Projekt steht nicht nur eine angekündigte Marke. Die Simsalasim Germany GmbH ist in Berlin registriert. Das Unternehmen nennt Lars Hinrichs als Geschäftsführer und CEO. Zum Unternehmensgegenstand gehören Software für Telekommunikationsinfrastruktur, Mobilfunk und Festnetz sowie die Vermarktung von Netzwerkdienstleistungen.

Auch bei der Bundesnetzagentur ist Simsalasim bereits sichtbar. Der Gesellschaft wurde der deutsche Mobilfunk-Rufnummernblock 015-333 zugeteilt. Zudem führt die Behörde Simsalasim als Inhaber der internationalen Mobilfunkkennung 262-26. Solche Zuteilungen sind technische Voraussetzungen für einen eigenständigeren Auftritt im Mobilfunkmarkt. Sie bedeuten allerdings nicht, dass das Unternehmen ein eigenes bundesweites Funknetz mit Mobilfunkmasten betreibt. Welches oder welche Netze Simsalasim in Deutschland tatsächlich nutzen wird, war zunächst nicht bekannt.

Die eigene Unternehmensdarstellung beschreibt Simsalasim als globale Telekommunikationsfirma. Angeboten werden soll eine eSIM, die den Zugang zu Mobilfunknetzen über Ländergrenzen hinweg vereinfachen soll. Einen konkreten Starttermin nennt die öffentlich zugängliche Website bislang nicht. Dort heißt es lediglich, das Angebot werde demnächst starten.

KI soll Teil der Simsalasim-App werden

Simsalasim setzt bei der Entwicklung seiner App auch auf künstliche Intelligenz. Im Juni 2026 sammelte das Unternehmen Sprachaufnahmen von Teilnehmern einer Aktion. Nach den veröffentlichten Datenschutzinformationen sollten diese Aufnahmen zur Entwicklung, zum Training und zur Verbesserung eines Spracherkennungsmodells für die Simsalasim-App eingesetzt werden.

Genannt werden dabei ausdrücklich Spracherkennung, sogenanntes Keyword Spotting sowie akustische Modelle für die deutsche Sprache und verschiedene Dialekte. Simsalasim erklärte, die Aufnahmen würden ausschließlich für KI-Training verwendet und nicht zur Identifikation einzelner Personen oder zum Aufbau biometrischer Stimmprofile genutzt. Wie zentral diese Sprachfunktionen im fertigen Mobilfunktarif sein werden, ist bislang nicht öffentlich beschrieben.

Der bislang beschriebene KI-Einsatz betrifft damit vor allem Sprachfunktionen innerhalb der App. Ob künstliche Intelligenz darüber hinaus auch bei Netzsteuerung, Tariflogik oder anderen Kernfunktionen des Mobilfunkangebots eingesetzt wird, ist derzeit offen.

Hinrichs kennt die Deutsche Telekom aus dem Aufsichtsrat

Besondere Aufmerksamkeit erhält das Projekt auch wegen der Vergangenheit seines Gründers. Lars Hinrichs gründete 2003 das Karrierenetzwerk OpenBC, aus dem später Xing hervorging. Viele Jahre später wechselte er in den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom.

Nach dem Geschäftsbericht des Bonner Konzerns gehörte Hinrichs dem Kontrollgremium vom 1. Oktober 2013 bis zum 9. April 2025 an. Bereits seit Dezember 2024 wurde dort zugleich sein Mandat im Board der amerikanischen Simsalasim Inc. ausgewiesen. Damit überschnitten sich die beiden Funktionen für mehrere Monate.

Hinrichs selbst bezeichnete seine mehr als elfjährige Tätigkeit bei der Telekom nach seinem Ausscheiden als große Ehre und verwies unter anderem auf den Ausbau von 5G, die Integration von KI und die internationale Expansion des Konzerns.

Nun tritt er mit einem eigenen Telekommunikationsprojekt in einen Markt ein, in dem die Deutsche Telekom neben Vodafone, Telefónica und 1&1 zu den prägenden Anbietern in Deutschland gehört.

Millionenfinanzierung für die US-Gesellschaft

Simsalasim verfügt außerdem über eine amerikanische Gesellschaft. Eine bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichte Form-D-Mitteilung weist für Simsalasim Inc. im April 2025 den Verkauf von Wertpapieren im Umfang von 5,552 Millionen US-Dollar an insgesamt elf Investoren aus. Lars Hinrichs wird in der Einreichung als Director genannt.

Diese Finanzierung, die deutschen Gesellschaftsstrukturen und die bereits zugeteilten Mobilfunkkennungen zeigen, dass das Projekt deutlich über eine bloße Markenankündigung hinausgeht. Ob Simsalasim jedoch tatsächlich einen global nutzbaren Unlimited-Tarif zum kolportierten Preis von zehn Euro anbieten wird, ist weiterhin offen. Veröffentlichte Vertragsbedingungen lagen bis Sonntagabend nicht vor.

Entscheidend sind Preisgrenzen, Geschwindigkeit und Partnernetze

Gerade bei einem weltweit ausgerichteten Mobilfunktarif werden die bislang fehlenden Details wesentlich sein. Dazu gehören mögliche Datenlimits, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Regeln für längere Aufenthalte im Ausland, Hotspot-Nutzung sowie die Frage, über welche Partnernetze sich Kunden in den einzelnen Ländern verbinden.

Die Simsalasim eSIM soll nach der bisherigen Unternehmensdarstellung globale Konnektivität vereinfachen. Ob daraus tatsächlich ein unmittelbarer Preiskampf mit Telekom, Vodafone, Telefónica und anderen Anbietern entsteht, hängt damit vor allem von den endgültigen Konditionen ab. Fest steht bereits, dass Hinrichs mit einer eigenen Gesellschaft, regulatorischen Kennungen, Finanzierung und einer auf internationale Nutzung ausgerichteten eSIM-Infrastruktur in den Telekommunikationsmarkt zurückkehrt.

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