Einkaufen ohne Kassierer wird vom Test zum festen Handelsmodell

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

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Wer in Deutschland Lebensmittel einkauft, begegnet immer häufiger Kassen, an denen kein Mitarbeiter die Waren scannt. In großen Supermärkten und Discountern stehen Selbstbedienungsterminals inzwischen neben den klassischen Kassen. Parallel wächst eine zweite Form des automatisierten Einkaufens: kleine Lebensmittelmärkte, die zeitweise oder vollständig ohne Verkaufspersonal betrieben werden.

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Beide Entwicklungen haben deutlich an Geschwindigkeit gewonnen. Während Selbstbedienungskassen in Deutschland vor allem die bestehenden Supermärkte verändern, entstehen sogenannte Smart Stores häufig an kleineren Standorten. Im Mai 2026 wurde bundesweit bereits der 1.000. dieser automatisierten oder weitgehend automatisierten Läden eröffnet. Damit hat sich aus zahlreichen Pilotprojekten innerhalb weniger Jahre ein eigenständiges Handelssegment entwickelt.

Mehr als 38.000 Selbstbedienungskassen im Einsatz

Besonders deutlich ist das Wachstum bei den klassischen Self-Checkout-Kassen. Ende 2025 gab es in 10.366 Geschäften in Deutschland mehr als 38.650 stationäre SB-Kassen. Zwei Jahre zuvor lag die Zahl der damit ausgestatteten Geschäfte noch deutlich niedriger. Innerhalb dieses Zeitraums nahm sie um 143 Prozent zu.

Der Lebensmittelhandel stellt den größten Teil dieses Marktes. Mehr als 6.240 klassische Lebensmittelgeschäfte verfügten zuletzt über stationäre Selbstbedienungskassen, darunter knapp 2.300 Discounter. Insgesamt standen im Lebensmitteleinzelhandel fast 25.000 solcher Kassen.

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Hinzu kommen Systeme, bei denen Kunden ihre Einkäufe bereits während des Rundgangs durch den Markt mit einem Handscanner, einem Gerät am Einkaufswagen oder dem eigenen Smartphone erfassen. In mehr als 3.600 Geschäften war zuletzt mindestens eine solche mobile Variante verfügbar.

Die klassische Kasse verschwindet deshalb allerdings nicht. In den meisten größeren Märkten ergänzen Self-Checkout-Terminals weiterhin die bedienten Kassen. Sie ermöglichen es Händlern, den Kundenstrom flexibler zu verteilen und kleinere Einkäufe schneller abzuwickeln. Auch der Mangel an Personal hat die Einführung solcher Systeme beschleunigt.

Die Zahl der Smart Stores hat die Marke von 1.000 erreicht

Noch stärker automatisiert sind sogenannte Smart Stores. In Deutschland wurde am 28. Mai 2026 die Marke von 1.000 Standorten erreicht. Der Jubiläumsmarkt eröffnete im niedersächsischen Langen. Zum Vergleich: 2021 wurden bundesweit erst 24 solcher Geschäfte erfasst.

Smart Store ist allerdings kein einheitliches Konzept. Manche Geschäfte funktionieren mit einer einfachen Selbstbedienungskasse und einer Zugangskontrolle. Andere nutzen Apps, RFID-Technik, Warenautomaten oder Kamera- und Sensorsysteme. Auch Geschäfte mit zeitweise anwesendem Personal werden dazugezählt, sofern Kunden außerhalb der Servicezeiten autonom einkaufen können.

Für Deutschland sind vor allem kleinere Märkte mit Self-Scanning prägend. Aufwendige Grab-and-Go-Konzepte, bei denen Kameras und Sensoren automatisch erkennen sollen, welche Produkte ein Kunde mitnimmt, spielen bislang eine kleinere Rolle.

Die Entwicklung unterscheidet sich damit teilweise von den besonders technologieintensiven Konzepten, die zunächst vor allem in Metropolen in den USA, Großbritannien oder Asien Aufmerksamkeit erhielten. In Deutschland wird Automatisierung zunehmend eingesetzt, um kleinere Standorte wirtschaftlich betreiben zu können.

Auf dem Land wird der autonome Laden zum Nahversorger

Die am schnellsten wachsende Gruppe innerhalb der deutschen Smart Stores sind kleine Nahversorger in ländlichen Regionen. Bereits im Frühjahr 2026 existierten fast 400 solcher Standorte. Typisch sind Verkaufsflächen von etwa 100 bis 300 Quadratmetern und Sortimente mit ungefähr 1.000 bis 3.000 Artikeln.

Das Modell setzt dort an, wo sich ein klassischer Supermarkt wegen eines kleinen Einzugsgebiets nur schwer betreiben lässt. Lange Öffnungszeiten lassen sich mit deutlich weniger Personal organisieren, während Kunden weiterhin Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs im Ort kaufen können.

Wie das praktisch aussehen kann, zeigt ein im Juni eröffneter Nahkauf-Markt in Hofheim-Lorsbach. Der 119 Quadratmeter große Laden wird ohne Personal betrieben, ist rund um die Uhr zugänglich und führt rund 2.500 Artikel. Kunden öffnen die Tür mit einer Bank- oder Kreditkarte, scannen ihre Waren selbst und bezahlen bargeldlos.

Auch Tante Enso setzt auf kleinere Standorte im ländlichen Raum. Die Märkte arbeiten überwiegend hybrid. Zu bestimmten Zeiten sind Beschäftigte anwesend, außerhalb dieser Zeiten erhalten registrierte Kunden Zugang und bezahlen selbst. Das Unternehmen eröffnete 2026 weitere Filialen und darf außerdem 36 Tegut-Standorte übernehmen, die überwiegend in ländlichen Regionen Hessens, Thüringens und Nordbayerns liegen. Auch dort sollen die Öffnungszeiten schrittweise an das hybride Konzept angepasst werden. Das vorhandene Personal soll übernommen werden.

Rund um die Uhr bedeutet nicht überall sieben Tage pro Woche

Technisch könnten viele dieser Geschäfte permanent geöffnet bleiben. Rechtlich ist das jedoch nicht automatisch möglich. Für Ladenöffnungszeiten sind weitgehend die Bundesländer zuständig, und insbesondere beim Sonntag gelten unterschiedliche Vorschriften.

Einige Länder haben inzwischen Sonderregeln für vollständig automatisierte Kleinstsupermärkte geschaffen. Schleswig-Holstein änderte sein Ladenöffnungsrecht im Juni 2026. Personallose Kleinstsupermärkte dürfen dort unter bestimmten Voraussetzungen auch an Sonn- und Feiertagen öffnen. Die Regelung gilt für Verkaufsflächen bis 350 Quadratmeter in Gemeinden und Städten mit höchstens 2.500 Einwohnern.

Hessen erlaubt vollständig automatisierte Kleinstsupermärkte mit höchstens 120 Quadratmetern ebenfalls rund um die Uhr, wenn ausschließlich Waren des täglichen Ge- und Verbrauchs angeboten werden. Bayern hat für personallos betriebene Kleinstsupermärkte eine Grenze von 150 Quadratmetern festgelegt.

Damit hängt die tatsächliche 24/7-Nutzung weiterhin vom Standort ab. Die technische Möglichkeit eines automatisierten Geschäfts bedeutet nicht zwangsläufig, dass es in jedem Bundesland auch sonntags öffnen darf.

Kunden schätzen Flexibilität, sehen aber auch Nachteile

Die Akzeptanz autonomer Geschäfte ist vorhanden, aber nicht uneingeschränkt. In einer repräsentativen Befragung konnten sich 54 Prozent grundsätzlich vorstellen, künftig ein autonomes Ladenlokal gegenüber einem traditionellen Geschäft zu bevorzugen. 15 Prozent hatten ein solches Geschäft bereits genutzt.

Als Vorteile wurden vor allem flexible Einkaufszeiten, Zeitersparnis und ein effizienter Einkauf genannt. Gleichzeitig empfanden jeweils 68 Prozent die fehlende persönliche Ansprache und das Gefühl einer möglichen Überwachung als Nachteil.

Bemerkenswert ist dabei ein Gegensatz: Obwohl Smart Stores besonders stark als Lösung für den ländlichen Raum ausgebaut werden, ist die grundsätzliche Offenheit gegenüber solchen Geschäften in Städten höher. In städtischen Gebieten konnten sich 75 Prozent die Nutzung vorstellen, in sehr ländlichen Wohnlagen waren es 56 Prozent.

Automatisierung bringt auch neue Probleme an der Kasse

Für Händler entstehen mit dem Self-Checkout zudem neue Kontrollaufgaben. Falsch gescannte oder versehentlich nicht erfasste Waren können zu Verlusten führen. Hinzu kommen Fälle, in denen Systeme bewusst falsch genutzt werden. Die gesamten Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel erreichten 2025 einen Wert von 5,11 Milliarden Euro. Diese Summe umfasst allerdings sämtliche Verlustursachen im stationären Handel und kann nicht den Selbstbedienungskassen zugerechnet werden.

Entsprechend investieren Händler zunehmend in technische Kontrollen. Künstliche Intelligenz soll unter anderem bei Produkterkennung, Alterskontrollen und der Vermeidung von Fehlbuchungen helfen. Gleichzeitig planen viele Handelsunternehmen einen weiteren Ausbau von Self-Service-Angeboten.

Der Trend führt damit nicht einfach zum Supermarkt ohne Beschäftigte. In großen Lebensmittelmärkten dürfte vielmehr ein Nebeneinander unterschiedlicher Kassenformen bestehen bleiben. Am stärksten verändert die Automatisierung derzeit kleinere Standorte, an denen klassische Handelsmodelle wirtschaftlich schwieriger geworden sind. Gerade im ländlichen Raum entwickelt sich der Laden ohne dauerhaft besetzte Kasse deshalb von einem technischen Experiment zu einer zusätzlichen Form der Nahversorgung.

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