Neue CCHF-Forschung zeigt, wie sich das Risiko in Europa verändert

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Krim-Kongo-Fieber und Hyalomma-Zecken rücken in Europa stärker in den Fokus der Infektionsforschung. Zwei im August 2026 veröffentlichte Untersuchungen liefern neue Erkenntnisse über die Verbreitung des Virus und seine Rolle bei Nutztieren. Gleichzeitig zeigen aktuelle Fälle in Spanien, dass das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber, kurz CCHF, längst nicht nur ein Gesundheitsproblem in Afrika, Asien oder dem Nahen Osten ist.

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Für Deutschland ergibt sich daraus allerdings keine akute neue Gefahrenlage. Hyalomma-Zecken werden hier seit Jahren vereinzelt gefunden, eine dauerhaft etablierte Population ist bislang nicht belegt. Auch das CCHF-Virus wurde in Deutschland bislang weder in diesen Zecken noch bei Wild- oder Nutztieren nachgewiesen. Die Entwicklungen in Südosteuropa und auf der Iberischen Halbinsel erklären dennoch, weshalb deutsche Forschungsinstitute ihre Diagnostik, Überwachung und Forschung zu dem Erreger ausbauen.

Neue Studie untersucht Zecken aus Kosovo

Eine Anfang August veröffentlichte Untersuchung hat Zecken aus mehreren Gebieten im Osten Kosovos ausgewertet, die traditionell nicht zu den bekannten CCHF-Hotspots des Landes gezählt wurden. Die Proben stammen allerdings nicht aus dem Jahr 2026. Insgesamt 745 Zecken waren zwischen 2017 und 2019 in den Regionen Prishtina, Gjilan und Kamenica gesammelt worden.

Bei sieben Proben fanden die Forschenden entsprechende virale RNA. Sechs der positiven Zecken gehörten zur Art Rhipicephalus bursa. Bei diesen Funden handelte es sich nach der genetischen Einordnung um eine AP92-ähnliche Linie, die inzwischen als Aigai-Virus von dem klassischen CCHF-Virus abgegrenzt wird. Diese Virusgruppe ist ebenfalls eng mit Zecken verbunden und kann Menschen infizieren, wurde bislang aber deutlich seltener mit schweren Erkrankungen in Verbindung gebracht.

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Besondere Bedeutung hat deshalb der siebte Fund. In einer Hyalomma-marginatum-Zecke von einem Rind aus dem Dorf Bresalc wurde RNA einer für Menschen relevanten CCHF-Linie nachgewiesen. Auf demselben landwirtschaftlichen Betrieb war 2018 ein Landwirt an CCHF erkrankt. Der Mann überlebte. Der zeitliche und räumliche Zusammenhang stützt die Annahme einer lokalen Viruszirkulation. Dass genau die untersuchte Zecke die Infektion des Mannes verursacht hatte, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Die Studie liefert damit keinen Hinweis auf einen neuen CCHF-Ausbruch in Kosovo im Jahr 2026. Sie zeigt vielmehr anhand älterer Proben, dass das Virus bereits außerhalb der zuvor bekannten Endemiegebiete vorkam und Überwachungssysteme nicht nur auf historische Hotspots beschränkt werden sollten.

Deutsche Virologen arbeiten seit Jahren mit Kosovo zusammen

Kosovo gehört seit Jahrzehnten zu den europäischen Regionen, in denen CCHF vorkommt. Besonders betroffen waren in der Vergangenheit zentrale und südwestliche Landesteile. Bei einem größeren Ausbruch im Jahr 2013 wurden 26 Erkrankungen registriert, elf Betroffene starben.

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg arbeitet bereits seit 2008 mit der Medizinischen Fakultät der Universität Prishtina und dem nationalen Institut für öffentliche Gesundheit zusammen. Seit 2013 wurde die Kooperation im Rahmen eines vom Auswärtigen Amt unterstützten Biosicherheitsprogramms intensiviert.

Zu den gemeinsamen Arbeiten gehören die Weiterentwicklung diagnostischer Verfahren, Zeckenmonitoring sowie Schulungen von Labor- und Klinikpersonal. Dabei geht es auch um den sicheren Umgang mit möglicherweise infektiösem Patientenmaterial. Gerade bei CCHF ist das relevant, weil sich medizinisches Personal durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten erkrankter Menschen infizieren kann.

Die Kooperation verbindet damit Humanmedizin, Veterinärmedizin und Virologie. Das entspricht dem sogenannten One-Health-Ansatz, bei dem die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt gemeinsam betrachtet wird. Bei CCHF ist dieser Ansatz besonders naheliegend, weil Nutztiere selbst meist keine schweren Krankheitssymptome entwickeln, das Virus aber zeitweise im Blut tragen und dadurch Zecken oder Menschen exponieren können.

S4-Forschung mit einem Virusisolat aus Kosovo

Eine zweite aktuelle Untersuchung aus Deutschland beschäftigt sich genau mit dieser Rolle von Nutztieren. Forschende des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems veröffentlichten am 24. August Ergebnisse eines kontrollierten Experiments mit Schafen. Für die Studie wurde der Virusstamm Kosovo Hoti verwendet.

Sechs Schafe wurden experimentell infiziert und über 21 Tage untersucht. Die Tiere entwickelten vorübergehend Fieber und eine Virämie, bei der Virus im Blut nachweisbar war. In der frühen Phase fanden sich besonders hohe Mengen viraler RNA unter anderem in Leber, Milz, Hoden und Lymphgewebe. Später ging die Virusmenge deutlich zurück. Antikörper waren nach etwa einer Woche nachweisbar.

Die Arbeit wurde mit infektiösem CCHF-Virus unter Bedingungen der höchsten biologischen Sicherheitsstufe BSL4 durchgeführt. Das Friedrich-Loeffler-Institut verfügt dafür über einen speziellen S4-Zoonosen-Komplex, in dem auch Versuche mit größeren Tieren möglich sind.

Die Ergebnisse sind vor allem für das Verständnis der Übertragungswege relevant. Schafe und andere Wiederkäuer können eine Infektion weitgehend unauffällig durchlaufen. Während einer vorübergehenden Virämie können sie dennoch eine Rolle im Infektionszyklus zwischen Wirbeltieren und Zecken spielen. Kontakt mit Blut infizierter Tiere kann zudem für Menschen ein Risiko darstellen, beispielsweise bei Schlachtungen oder anderen Tätigkeiten mit engem Kontakt zu Tierkörpern.

Vier lokale CCHF-Fälle in Spanien im Jahr 2026

Dass CCHF innerhalb Europas nicht nur theoretisch vorkommt, zeigen die aktuellen Meldedaten aus Spanien. Bis einschließlich 26. August wurden dort 2026 vier lokal erworbene Erkrankungen registriert. Drei Fälle traten in der Provinz Salamanca auf, einer in Ciudad Real. Bei allen vier Fällen wurde ein Zeckenstich als Übertragungsweg angegeben. Eine der erkrankten Personen starb.

Spanien ist inzwischen eines der europäischen Länder mit nachgewiesener lokaler Viruszirkulation. Hyalomma-Zecken sind dort weit verbreitet und das Virus wurde auch in Tierpopulationen festgestellt. Lokal erworbene Erkrankungen sind deshalb keine rein importierten Einzelfälle mehr.

Auch die Verbreitung von Hyalomma marginatum in Europa wird engmaschiger erfasst. Eine 2026 aktualisierte europäische Verbreitungskarte weist gegenüber der vorherigen Erhebung zusätzliche Regionen aus, in denen die Art als vorhanden oder neu eingeschleppt erfasst wurde. Neue Nachweise bedeuten allerdings nicht automatisch, dass dort auch das CCHF-Virus zirkuliert.

Für Deutschland gibt es bislang keinen lokalen CCHF-Nachweis

Hyalomma-Zecken unterscheiden sich deutlich von den in Deutschland häufigen heimischen Zeckenarten. Sie stammen vor allem aus wärmeren Regionen und können unter anderem durch Zugvögel als Larven oder Nymphen nach Mitteleuropa gelangen. Einzelne erwachsene Exemplare von Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes sind in Deutschland seit Jahren dokumentiert.

Bislang gibt es jedoch keinen Nachweis, dass sich das CCHF-Virus dauerhaft in Deutschland etabliert hat. Auch eine stabile heimische Population von Hyalomma marginatum ist nicht belegt. Das Risiko ist deshalb nicht mit Ländern wie Kosovo oder Spanien gleichzusetzen.

Die langfristige Entwicklung hängt unter anderem davon ab, ob die für Hyalomma geeigneten klimatischen und ökologischen Bedingungen in weiteren Teilen Europas häufiger auftreten. Auch Tierbewegungen und Zugvögel beeinflussen die Verbreitung der Zecken. Aus dem Auftreten einzelner Hyalomma-Zecken lässt sich jedoch keine bevorstehende CCHF-Ausbreitung ableiten.

Für die europäische Vorsorge sind deshalb vor allem Überwachung, schnelle Labordiagnostik und medizinische Aufmerksamkeit entscheidend. CCHF kann zunächst mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Bauchbeschwerden oder Erbrechen beginnen. Schwere Verläufe können mit Blutungen und Organversagen einhergehen. Die Mehrheit der Infektionen verläuft allerdings asymptomatisch oder mild. Unter schwer erkrankten und hospitalisierten Patienten liegt die Sterblichkeit deutlich höher.

Die neuen Arbeiten aus Kosovo und dem deutschen Hochsicherheitslabor zeigen vor allem, warum die Krankheit grenzüberschreitend untersucht wird. Die entscheidende Herausforderung besteht darin, Veränderungen bei Zecken, Nutztieren und menschlichen Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, ohne einzelne Zeckenfunde mit einer unmittelbar bevorstehenden Ausbreitung der Krankheit gleichzusetzen.

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