Windkraftpionier SOWITEC steckt im Insolvenzverfahren

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Symbolbild: Evan Wise

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Der Wind- und Solarprojektentwickler SOWITEC aus Sonnenbühl in Baden-Württemberg befindet sich im eröffneten Insolvenzverfahren. Betroffen sind die Dachgesellschaft SOWITEC group GmbH sowie drei Tochtergesellschaften. Der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt. Gleichzeitig läuft die Suche nach Käufern für umfangreiche Projektrechte in Deutschland und mehreren Ländern Lateinamerikas.

Die SOWITEC Insolvenz betrifft ein Unternehmen, das seit mehr als drei Jahrzehnten Projekte für erneuerbare Energien entwickelt. Nach Unternehmensangaben nahm Mitte der 1990er Jahre mit dem Windpark Himmelberg einer der frühen größeren Windparks Süddeutschlands den Betrieb auf. Später expandierte SOWITEC in zahlreiche internationale Märkte und entwickelte neben Windkraftprojekten auch Solaranlagen.

Amtsgericht Tübingen eröffnet vier Insolvenzverfahren

Die Geschäftsführung hatte Mitte Juli Insolvenzanträge beim Amtsgericht Tübingen gestellt. Betroffen waren die SOWITEC group GmbH, die SOWITEC international GmbH, die SOWITEC operation GmbH und die SOWITEC projekt GmbH.

Zum 1. September wurden die Insolvenzverfahren eröffnet. Das Amtsgericht Tübingen bestellte den Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Holger Leichtle zum Insolvenzverwalter. Bereits während des vorläufigen Verfahrens war der Geschäftsbetrieb weitergeführt worden.

Nicht sämtliche Gesellschaften des Firmenverbunds sind betroffen. Die SOWITEC development GmbH und die SOWITEC service GmbH befinden sich nicht im Insolvenzverfahren.

SOWITEC hatte zuletzt rund 80 Beschäftigte. Etwa 30 davon arbeiteten in Deutschland, vor allem am Standort Sonnenbühl-Willmandingen. Frühere Angaben über eine deutlich höhere Beschäftigtenzahl bezogen sich offenbar auf einen älteren beziehungsweise größeren Unternehmensumfang. Das internationale Geschäft war vor der Insolvenz bereits erheblich reduziert worden.

Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung als Insolvenzgründe

Die Insolvenzanträge wurden wegen Zahlungsunfähigkeit und insolvenzrechtlicher Überschuldung gestellt. Nach Angaben der Geschäftsführung war es zuvor nicht gelungen, eine Lösung für die Inanspruchnahme durch einen Lieferanten und aus Aval-Bürgschaften zu erreichen. Versuche, eine Stundung zu vereinbaren, blieben demnach ohne Erfolg.

Hinzu kamen erwartete Kundenzahlungen aus Südamerika, die nach Angaben aus dem Insolvenzverfahren nicht planmäßig eingingen. Bereits im Juli war von ausstehenden Zahlungen aus südamerikanischen Märkten die Rede.

Damit sind mehrere konkrete finanzielle Belastungen dokumentiert. Eine direkte Verursachung der Insolvenz durch chinesische Wettbewerber ist dagegen nicht belegt. Der wachsende internationale Wettbewerbsdruck durch chinesische Unternehmen ist für die europäische Windenergiebranche ein relevantes Thema, gehört aber nicht zu den in den Insolvenzanträgen konkret genannten unmittelbaren Auslösern.

Investorenprozess für Projektrechte mit rund 32 Gigawatt

Nach Eröffnung der Verfahren wurde ein strukturierter Verkaufsprozess gestartet. Dabei geht es vor allem um Projektrechte der SOWITEC operation GmbH sowie weiterer Unternehmen aus der Gruppe. Mit der Suche und Ansprache möglicher Investoren wurde das Beratungsunternehmen Capcora beauftragt.

Das angebotene Portfolio umfasst nach Angaben des Insolvenzverwalters Windprojektrechte mit einer möglichen Gesamtleistung von rund 32 Gigawatt. Die Projekte befinden sich in Deutschland, Argentinien, Brasilien, Kolumbien und Mexiko. Auf Deutschland entfallen rund 330 Megawatt.

Die Zahl von 32 Gigawatt bedeutet dabei nicht, dass SOWITEC Windparks dieser Größenordnung bereits gebaut oder in Betrieb hat. Verkauft werden Entwicklungs- und Projektrechte, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden können. Ob und wann einzelne Vorhaben tatsächlich gebaut werden, hängt unter anderem von Genehmigungen, Finanzierung, Netzanbindung und Investorenentscheidungen ab.

Während des Verkaufsprozesses soll der Geschäftsbetrieb der insolventen Gesellschaften fortgeführt werden. Der Insolvenzverwalter prüft zugleich die bestehenden Projekte und deren wirtschaftliche Verwertbarkeit.

Vom Windkraftpionier zum internationalen Projektentwickler

SOWITEC wurde Anfang der 1990er Jahre gegründet. Das Unternehmen bezeichnet den Windpark Himmelberg in Baden-Württemberg, der 1995 in Betrieb ging, als ersten großen Windpark Süddeutschlands. In den folgenden Jahren entwickelte die Gruppe mehr als 30 Windparks in Deutschland und weitete ihre Tätigkeit anschließend stark auf internationale Märkte aus.

Besonders in Lateinamerika baute SOWITEC sein Geschäft aus. Projekte entstanden unter anderem in Brasilien, Mexiko, Argentinien, Uruguay, Chile und Kolumbien. Das Geschäftsmodell bestand dabei nicht hauptsächlich darin, sämtliche Anlagen langfristig selbst zu betreiben. SOWITEC entwickelte Standorte, plante Anlagen, sicherte Genehmigungen und verkaufte Projektgesellschaften anschließend häufig an Investoren oder Energieunternehmen.

Dieses Modell macht Projektentwickler abhängig von erfolgreichen Genehmigungen, Finanzierungsmöglichkeiten, Verkaufserlösen und fristgerechten Zahlungen ihrer Geschäftspartner. Zugleich hat sich der internationale Wettbewerb bei Wind- und Solarprojekten verschärft. Europäische Hersteller und Projektunternehmen konkurrieren zunehmend mit asiatischen Anbietern, darunter finanzstarke chinesische Unternehmen.

Für SOWITEC entscheidet sich die weitere Entwicklung nun vor allem im laufenden Insolvenz- und Investorenprozess. Die Projekte werden weiter geprüft, während potenzielle Käufer für die umfangreichen Projektrechte gesucht werden. Der Geschäftsbetrieb der betroffenen Gesellschaften läuft währenddessen weiter.

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