Neuauszählung in Spandau verändert Berliner Wahlergebnis

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Eine Neuauszählung in Berlin-Spandau hat das Ergebnis der Abgeordnetenhauswahl in einem Wahlkreis verändert und könnte zugleich die Größe des gesamten Landesparlaments beeinflussen. Im Wahlkreis Spandau 1 liegt nach der Korrektur nicht die CDU-Kandidatin Bettina Meißner vorn, sondern der AfD-Kandidat Tommy Tabor. Nach Angaben des Berliner Landeswahlleiters kommt Tabor auf 5.184 Stimmen, Meißner auf 5.150. Damit beträgt der Vorsprung 34 Stimmen.

Schnellmeldung wich von der Niederschrift ab

Im zunächst veröffentlichten vorläufigen Ergebnis hatte Meißner noch mit 80 Stimmen Vorsprung vor Tabor gelegen. Anlass für die erneute Auszählung war eine Abweichung zwischen der telefonisch übermittelten Schnellmeldung und der Niederschrift des zuständigen Wahlvorstands. In dieser Niederschrift war nach Angaben von Landeswahlleiter Stephan Bröchler bereits das Ergebnis festgehalten, nach dem Tabor vorne liegt. Warum die telefonisch gemeldeten Zahlen davon abwichen, war zunächst nicht geklärt.

Damit wechselt das Direktmandat im Wahlkreis Spandau 1 von der CDU zur AfD. Die Neuauszählung Berlin-Spandau betrifft allerdings nicht nur die Frage, welcher Bewerber den Wahlkreis gewonnen hat. Wegen des Berliner Wahlsystems kann die Korrektur auch die Gesamtzahl der Mandate und damit mehrere zunächst als gewählt geltende Kandidaten betreffen.

Tabor war nach dem vorläufigen Wahlergebnis bereits über die Landesliste der AfD für den Einzug ins Abgeordnetenhaus vorgesehen. Das zusätzliche Direktmandat bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die AfD allein dadurch einen zusätzlichen Sitz im Parlament erhält. Bei Meißner ist ebenfalls noch nicht abschließend geklärt, ob sie dem neuen Abgeordnetenhaus nicht angehören wird oder über die CDU-Bezirksliste ein Mandat erhält.

Abgeordnetenhaus könnte fünf Sitze kleiner werden

Entscheidend für die weitergehenden Folgen ist die Berechnung der Überhang- und Ausgleichsmandate. Auf Grundlage des vorläufigen Ergebnisses vom 21. September war das neue Berliner Abgeordnetenhaus auf 158 Sitze angewachsen. Dabei waren sieben Überhangmandate und 21 Ausgleichsmandate berücksichtigt worden. Durch den Verlust eines CDU-Direktmandats verändert sich diese Berechnungsgrundlage.

Nach dem derzeitigen Stand rechnet der Landeswahlleiter deshalb nur noch mit 153 Mitgliedern des neuen Abgeordnetenhauses. Das wären fünf Sitze weniger als nach der ersten vorläufigen Mandatsberechnung. Welche Parteien konkret wie viele Mandate verlieren, war am Freitagmittag noch nicht abschließend berechnet. Bröchler zufolge muss die Sitzverteilung nach den korrigierten Ergebnissen neu bestimmt werden.

Auch das Zweitstimmenergebnis hat sich durch die erneute Auszählung in Spandau geringfügig verändert. Nach Angaben des Landeswahlleiters fällt der Zweitstimmenanteil der CDU dadurch etwas niedriger aus. Zusammen mit dem weggefallenen Direktmandat kann dies die Zahl der Überhangmandate der CDU und in der Folge die notwendigen Ausgleichsmandate beeinflussen.

Vorläufiges Ergebnis hatte 158 Abgeordnete ergeben

Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 war die Linke nach dem vorläufigen Ergebnis mit 25,7 Prozent stärkste Partei geworden. Die CDU erreichte 18,8 Prozent, die AfD 16,3 Prozent, die Grünen 14,3 Prozent und die SPD 12,1 Prozent. BSW und FDP blieben unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent. Die zunächst errechneten 158 Mandate verteilten sich auf Linke, CDU, AfD, Grüne und SPD.

Das Berliner Landeswahlamt weist ausdrücklich darauf hin, dass die bisher veröffentlichten Mandate und Namen der Gewählten auf dem vorläufigen Wahlergebnis beruhen. Die endgültige Ermittlung und Benachrichtigung der gewählten Abgeordneten erfolgt erst auf Grundlage des amtlichen Endergebnisses.

Endgültige Sitzverteilung erst am 12. Oktober

In Spandau befasst sich der Bezirkswahlausschuss am Freitag, 2. Oktober, mit der Feststellung des Ergebnisses im Bezirk. Auch die übrigen Bezirkswahlausschüsse überprüfen und bestätigen ihre Ergebnisse. Erst wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, kann die landesweite Mandatsverteilung endgültig berechnet werden.

Die abschließende Entscheidung trifft der Berliner Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026. Bis dahin ist die derzeit genannte Verkleinerung des Abgeordnetenhauses auf 153 Sitze ein vorläufiger Berechnungsstand. Sicher ist bereits, dass Tommy Tabor nach der korrigierten Auszählung im Wahlkreis Spandau 1 vor Bettina Meißner liegt. Welche konkreten Kandidaten durch die Neuberechnung zusätzlich einziehen oder ihren zunächst angenommenen Sitz verlieren, war am Freitagmittag noch offen.

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