
Die Spritpreise in Deutschland bleiben Ende September auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Zwar sind Benzin und Diesel von ihren Mitte September erreichten Allzeitrekorden etwas zurückgekommen. Eine deutliche Entspannung an den Zapfsäulen ist bislang aber ausgeblieben. Gleichzeitig verteuert sich Rohöl wieder. Am Montag legte die für Europa wichtige Sorte Brent zeitweise um mehr als zwei Prozent zu.
Nach der jüngsten ADAC-Auswertung kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt 2,267 Euro. Das waren 3,3 Cent weniger als eine Woche zuvor. Diesel lag bei durchschnittlich 2,428 Euro je Liter und damit 0,6 Cent über dem Wert der Vorwoche. Grundlage des Vergleichs sind die Preise vom Dienstag, 22. September.
Damit liegen die Preise zwar nicht mehr auf ihrem absoluten Höchststand, bewegen sich aber weiterhin in dessen Nähe. Am 17. September waren sowohl Super E10 als auch Diesel so teuer wie nie zuvor seit Beginn der entsprechenden ADAC-Aufzeichnungen. E10 kostete damals im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,308 Euro je Liter, Diesel 2,471 Euro.
Die Entwicklung im September war besonders deutlich. Noch am 9. September hatte der ADAC für Super E10 durchschnittlich 2,259 Euro und für Diesel 2,321 Euro je Liter ausgewiesen. Eine Woche später kostete E10 bereits 2,300 Euro, während Diesel auf 2,422 Euro stieg.
Am 17. September folgten die neuen Rekordmarken. Damit wurde auch der bisherige Dieselrekord vom 7. April 2026 übertroffen. Damals hatte der Liter im Tagesdurchschnitt 2,446 Euro gekostet. Bei Super E10 lag bereits der August mit durchschnittlich 2,145 Euro je Liter auf einem neuen Rekordniveau für einen ganzen Monat.
Der ADAC sieht die Entwicklung nicht allein durch den Rohölpreis erklärt. Neben den Kosten für Rohöl spielen der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar, Preise für fertige Kraftstoffprodukte, Raffineriekosten, Vertrieb, Wettbewerb und Steuern eine Rolle. Der Verkehrsclub hatte bereits vor der jüngsten Rekordphase darauf hingewiesen, dass das Preisniveau an den Tankstellen aus seiner Sicht nur teilweise mit Ölpreis und Wechselkurs zu erklären sei.
Eine schnelle Entlastung wird zusätzlich dadurch erschwert, dass Rohöl zum Wochenstart wieder teurer geworden ist. Brent-Futures lagen am Montagmorgen zeitweise bei 106,92 US-Dollar je Barrel und damit rund 2,5 Prozent im Plus. Zuvor hatte Brent zeitweise sogar mehr als drei Prozent zugelegt.
Auslöser waren erneut Sorgen über den Nahen Osten und die Versorgung über wichtige Transportwege. Die Märkte reagierten unter anderem darauf, dass eine politische Einigung zwischen den USA und Iran über eine Beendigung des Konflikts und eine Wiederöffnung der Straße von Hormus zunächst nicht zustande kam. Die Meerenge gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Öl und Gas weltweit.
Noch am 22. September hatte Brent laut ADAC bei 98,62 Dollar je Barrel gelegen. Der damalige deutliche Rückgang gegenüber der Vorwoche war an den deutschen Tankstellen nach Einschätzung des Clubs nur teilweise angekommen.
Hinzu kommen Schäden an wichtiger Ölinfrastruktur in Saudi-Arabien. Die rund 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline des Landes wurde nach einem Drohnenangriff am 11. September zeitweise außer Betrieb genommen. Saudi-Arabien erklärte damals, die Drohnen seien aus dem Irak gekommen. Die Leitung transportiert Rohöl von den Fördergebieten im Osten zum Hafen Yanbu am Roten Meer und ermöglicht damit Exporte unter Umgehung der Straße von Hormus.
Vor dem Angriff wurden über die Verbindung nach Angaben aus dem Ölhandel rund vier Millionen Barrel täglich transportiert. Das entspricht etwa vier Prozent des weltweiten Ölangebots. Die zeitweise Stilllegung löste deshalb erhebliche Sorgen über weitere Lieferausfälle aus.
Seit dem 22. September läuft die Pipeline wieder mit eingeschränkter Leistung. Reuters zufolge wurden bei dem Angriff drei Pumpstationen beschädigt. Eine vollständige Wiederherstellung der maximalen Kapazität könnte mehrere Wochen dauern. Die teilweise Wiederinbetriebnahme hatte den Ölmarkt zunächst entlastet.
Der Angriff auf die Pipeline ist dabei nicht mit den Huthi-Angriffen gleichzusetzen. Saudi-Arabien führte die Attacke auf aus dem Irak gestartete Drohnen zurück. Eine belastbare Grundlage dafür, den Pipelineangriff unmittelbar den Huthi zuzuschreiben, liegt nicht vor.
Unabhängig davon haben die mit Iran verbündeten Huthi im Jemen ihre Angriffe und Drohungen gegen Saudi-Arabien zuletzt verschärft. Am 24. September erklärte die saudisch geführte Koalition, sechs ballistische Raketen abgefangen zu haben, die von den Huthi abgefeuert worden seien. Betroffen waren demnach unter anderem Ziele in Richtung Taif und der Region Yanbu am Roten Meer. Brent stieg an diesem Tag zeitweise um rund vier Prozent und schloss bei 106,60 Dollar je Barrel.
Am Wochenende meldete die saudische Koalition weitere abgefangene Raketen und Drohnen. Die Huthi hatten zudem mit weiteren Angriffen auf militärische, strategische und wirtschaftliche Ziele in Saudi-Arabien gedroht. Einzelne konkrete Erfolgsbehauptungen der Konfliktparteien lassen sich nicht durchgehend unabhängig überprüfen.
Damit treffen mehrere Risiken gleichzeitig aufeinander: Die Ost-West-Pipeline ist nach den Schäden noch nicht wieder vollständig leistungsfähig, die Lage rund um den Bab al-Mandab bleibt angespannt und auch der Verkehr durch die Straße von Hormus ist weiterhin ein entscheidender Faktor für den Ölmarkt.
Für Autofahrer bedeutet die Lage zunächst vor allem hohe und schwankende Preise. Selbst sinkende Rohölnotierungen schlagen nicht zwingend sofort und vollständig auf die Zapfsäulen durch. Zudem ändern sich Kraftstoffpreise innerhalb eines Tages erheblich.
Der ADAC empfiehlt derzeit, möglichst kurz vor 12 Uhr zu tanken. Nach seinen Auswertungen liegen die Preise dann im Tagesverlauf häufig besonders niedrig. Um 12 Uhr steigen sie nach dem derzeitigen Preissystem deutlich und sinken anschließend wieder schrittweise. Über Preisvergleichsdienste lassen sich die Unterschiede zwischen einzelnen Tankstellen zusätzlich nutzen.
Noch deutlicher können die Unterschiede auf Autobahnen ausfallen. Eine ADAC-Untersuchung aus dem Sommer ergab dort durchschnittliche Mehrkosten von rund 33 Cent je Liter gegenüber Tankstellen abseits der Autobahn. Bei einzelnen Stationen waren die Abstände noch größer.
Wie sich die Spritpreise in den kommenden Tagen entwickeln, hängt damit nicht nur vom Rohölkurs ab. Entscheidend sind auch die weitere Versorgung mit Rohöl und Kraftstoffen, die Lage an den wichtigen Schifffahrtswegen im Nahen Osten, Raffinerie- und Großhandelspreise sowie der Euro-Dollar-Kurs. Der erneute Anstieg von Brent am Montag erhöht zumindest kurzfristig den Kostendruck wieder.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu