Stahlwerk in Geisweid: Großdemo gegen geplanten Produktionsstopp

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

In Siegen-Geisweid formiert sich Widerstand gegen die geplante Einstellung der Stahlproduktion bei den Deutschen Edelstahlwerken. Für Montagabend, 26. Oktober 2026, hat die IG Metall zu einer Demonstration aufgerufen. Die Polizei rechnet gemeinsam mit den Veranstaltern mit rund 2.500 Teilnehmern. Hintergrund ist die Entscheidung des Mutterkonzerns Swiss Steel Group, die Stahlerzeugung am Standort voraussichtlich ab Mitte 2028 auszusetzen. Hunderte Arbeitsplätze könnten davon betroffen sein.

Anzeige

IG Metall ruft zu Demonstration in Geisweid auf

Der Demonstrationszug soll um 17.45 Uhr am Bürgerhaus Geisweid beginnen. Für 18.30 Uhr ist eine Kundgebung auf dem Marktplatz vorgesehen. Die Gewerkschaft hat neben den Beschäftigten auch deren Familien und die Bevölkerung zur Teilnahme aufgerufen. Mit dem Protest will sie auf die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Unternehmenspläne aufmerksam machen.

Andree Jorgella, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Siegen, kündigte Widerstand gegen das geplante Ende der Stahlproduktion an. Für die Gewerkschaft ist der Standort nicht nur wegen seiner Arbeitsplätze von Bedeutung, sondern auch aufgrund seiner langen industriellen Geschichte. Bereits 1993 gab es einen umfangreichen Arbeitskampf um den Erhalt des Werks. Damals konnte die vollständige Schließung verhindert werden.

Bis zu 400 Arbeitsplätze in Geisweid betroffen

Das Stahlwerk Geisweid gehört zu den Deutschen Edelstahlwerken, einer Tochtergesellschaft der Schweizer Swiss Steel Group. Der Konzern hatte am 13. Oktober seine Pläne zur Neuordnung der deutschen Produktionsstandorte vorgestellt.

Anzeige

Demnach soll die Stahlerzeugung künftig am Standort Witten konzentriert werden. Das Stahlwerk in Geisweid soll seine Produktion voraussichtlich ab Mitte 2028 aussetzen. Das angeschlossene Walzwerk soll dagegen weiterbetrieben und künftig mit Stahl aus Witten versorgt werden.

Die Angaben über die betroffenen Beschäftigten unterscheiden sich. Nach Unternehmensangaben arbeiten rund 220 Menschen unmittelbar in der betroffenen Stahlerzeugung. Die IG Metall sieht dagegen bis zu 400 Arbeitsplätze in Geisweid betroffen. Zudem befürchtet sie langfristige Auswirkungen auf das Walzwerk und weitere angeschlossene Bereiche. Eine entsprechende Stilllegung des Walzwerks ist vom Unternehmen allerdings nicht angekündigt worden.

Swiss Steel begründet Umbau mit schwacher Nachfrage und hohen Kosten

Die geplanten Einschnitte sind Teil des Restrukturierungsprogramms DEW 2030. Swiss Steel begründet die Maßnahmen mit einem dauerhaft geschrumpften europäischen Markt für Spezialstahl. Besonders die schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau belaste das Unternehmen.

Hinzu kommen nach Darstellung des Konzerns hohe Energiekosten und zunehmender Wettbewerb durch Stahlimporte. Bereits in den vergangenen Jahren habe DEW Kosten gesenkt und Personal abgebaut. Trotzdem sei die Rückkehr in die operative Gewinnzone nicht gelungen.

Mit der Konzentration auf weniger Produktionsanlagen will Swiss Steel die Auslastung erhöhen und die Kosten je produzierter Tonne senken. In Witten sind dafür Investitionen in den Elektrolichtbogenofen und die Gießanlage vorgesehen. Der Standort produziert unter anderem Spezialstähle für die Luftfahrtindustrie und weitere industrielle Anwendungen.

Auch Werke in Hagen und Krefeld stehen vor Veränderungen

Die Umstrukturierung betrifft nicht allein Geisweid. Swiss Steel will auch die Werke in Hagen und Krefeld verkaufen. Sollte sich kein Käufer finden, plant das Unternehmen die Einstellung des Betriebs an diesen Standorten.

In Hagen arbeiten rund 300 Menschen, in Krefeld etwa 450. Zusammen mit den in Siegen betroffenen Beschäftigten stehen damit konzernweit mehr als 1.000 Arbeitsplätze im Mittelpunkt der Restrukturierung. Allerdings bedeutet die Zahl nicht, dass bereits entsprechend viele Kündigungen beschlossen wurden. Für Hagen und Krefeld strebt das Unternehmen zunächst eine Fortführung durch neue Eigentümer an.

Verhandlungen über Arbeitsplätze und Sozialplan vorgesehen

Der Umbau der Deutschen Edelstahlwerke soll sich nach den bisherigen Planungen über ungefähr zwei Jahre erstrecken. Das Management will mit den Betriebsräten über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandeln. Nach Möglichkeit sollen Beschäftigte andere Aufgaben innerhalb des Unternehmens übernehmen können. Betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden.

Wie viele Arbeitsplätze in Geisweid tatsächlich wegfallen werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Das Unternehmen hat eine spätere Wiederaufnahme der Stahlproduktion bei veränderten Marktbedingungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Einen verbindlichen Termin oder konkrete Voraussetzungen dafür gibt es bislang nicht.

Demonstration führt zu umfangreichen Straßensperrungen

Die Stadt Siegen rechnet wegen des Protestzugs am Montagabend mit erheblichen Verkehrsbehinderungen. Zwischen etwa 17.30 und 19.30 Uhr sind Vollsperrungen unter anderem auf der Geisweider Straße, der Sohlbacher Straße, der Rijnsburger Straße und der Marktstraße vorgesehen.

Auch der öffentliche Nahverkehr ist betroffen. Mehrere Buslinien werden zeitweise umgeleitet oder fahren einzelne Haltestellen nicht an. Die Polizei empfiehlt, den Bereich um den Klafelder Markt und die Geisweider Straße während der Demonstration möglichst weiträumig zu umfahren.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu