
Nur knapp vier Monate nach der Übernahme des britischen Traditionsblatts „The Telegraph“ beginnt Axel Springer mit einer umfassenden Neuordnung des Verlags. Dabei sollen zahlreiche Arbeitsplätze wegfallen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters könnten rund 15 Prozent der Belegschaft betroffen sein. Eine endgültige Zahl hat das Unternehmen bislang nicht bestätigt.
Die Telegraph Media Group hat am Freitag, 23. Oktober 2026, ein formelles Konsultationsverfahren zum geplanten Personalabbau eingeleitet. Darüber informierten Geschäftsführerin Carolin Hulshoff Pol und Chefredakteur Chris Evans die Beschäftigten.
Der Stellenabbau beim Telegraph soll sich nicht auf die Redaktion beschränken. Nach Angaben einer mit den Plänen vertrauten Person, auf die sich Reuters beruft, könnten Arbeitsplätze in sämtlichen Unternehmensbereichen betroffen sein. Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtete unter Berufung auf interne Quellen von bis zu 100 Stellen. Besonders die Kultur- und Sportredaktionen sollen betroffen sein.
Wie viele Beschäftigte tatsächlich gehen müssen, steht noch nicht fest. Eine verbindliche Gesamtzahl wurde zunächst nicht veröffentlicht.
Für das Jahr 2024 weisen die veröffentlichten Geschäftsunterlagen der Telegraph-Gruppe durchschnittlich 1.229 Beschäftigte aus, darunter 792 in Redaktion und Produktion. Andere damalige Angaben gingen von rund 900 Mitarbeitern aus. Welche Personalbasis der Schätzung von 15 Prozent zugrunde liegt, blieb offen.
Der Personalabbau ist Teil einer umfassenderen Neuausrichtung. Die neue Geschäftsführerin Carolin Hulshoff Pol will aus dem britischen Zeitungshaus ein international tätiges Medien- und Informationsunternehmen entwickeln, das verstärkt künstliche Intelligenz und digitale Technologien einsetzt.
Dazu sollen die Organisationsstrukturen vereinfacht und Entscheidungsprozesse beschleunigt werden. Geplant ist unter anderem, bislang getrennte redaktionelle Bereiche enger zusammenzuführen. Die Teams für Kommentar und Analyse sowie für Reportagen und Lifestyle sollen zusammengelegt werden.
Gleichzeitig will das Unternehmen zusätzliche Einnahmequellen erschließen. Dazu gehören Video- und Audioangebote, Veranstaltungen, digitale Rätselangebote, Lizenzgeschäfte und Dienstleistungen für Geschäftskunden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem internationalen Wachstum. Besonders in den Bereichen Außenpolitik, Verteidigung und Wirtschaft soll der Telegraph zusätzliche Leser außerhalb Großbritanniens erreichen.
Ob der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz unmittelbar mit dem geplanten Personalabbau zusammenhängt, wurde nicht konkret erläutert.
Axel Springer hatte die Übernahme der Telegraph Media Group am 6. März 2026 angekündigt. Der vereinbarte Kaufpreis lag bei 575 Millionen britischen Pfund. Nach den erforderlichen behördlichen Genehmigungen wurde die Transaktion am 30. Juni abgeschlossen.
Damit endete eine mehrjährige Phase ungeklärter Eigentumsverhältnisse. Zuvor war der Verkauf des traditionsreichen britischen Zeitungshauses durch rechtliche und politische Schwierigkeiten verzögert worden.
Springer-Chef Mathias Döpfner hatte nach der Einigung umfangreiche Investitionen, eine beschleunigte Digitalisierung und eine stärkere Präsenz auf dem amerikanischen Markt angekündigt. Sein Ziel ist es, den Telegraph zu einer führenden bürgerlich-konservativen Medienmarke im englischsprachigen Raum auszubauen.
Der „Daily Telegraph“ erscheint seit 1855 und gehört zu den traditionsreichsten überregionalen Tageszeitungen Großbritanniens. Zur Telegraph Media Group gehören außerdem der „Sunday Telegraph“ und verschiedene digitale Angebote.
Mit der Übernahme hat Axel Springer sein internationales Mediengeschäft erweitert. Der Berliner Konzern besitzt unter anderem die deutschen Medienmarken „Bild“ und „Welt“ sowie die Nachrichtenangebote „Politico“ und „Business Insider“.
Für den Telegraph bedeutet der Eigentümerwechsel nun sowohl eine strategische Neuausrichtung als auch Einschnitte beim Personal. Während Axel Springer international wachsen und zusätzliche digitale Angebote entwickeln will, wird die bisherige Organisation verkleinert. In welchem Umfang Arbeitsplätze dauerhaft entfallen, ist noch nicht abschließend geklärt.
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