
Erneute schwere Regenfälle haben am Donnerstag mehrere Regionen Japans getroffen und zu Evakuierungsanordnungen, Überschwemmungen und Verkehrsbehinderungen geführt. Besonders betroffen war erneut die Stadt Himi in der zentraljapanischen Präfektur Toyama. Dort rief die Stadtverwaltung am Morgen sämtliche 40.480 Einwohner dazu auf, gefährdete Bereiche zu verlassen. Am frühen Nachmittag konnte die Anordnung wieder aufgehoben werden.
Himi war bereits Ende August von außergewöhnlich schweren Regenfällen getroffen worden. Straßen und Häuser standen unter Wasser, zahlreiche Erdrutsche blockierten Verkehrswege. Die Böden waren deshalb weiterhin stark durchnässt. Schon vergleichsweise geringe zusätzliche Niederschlagsmengen konnten die Gefahr neuer Hangrutsche deutlich erhöhen. Die Stadt hatte bereits am Mittwoch davor gewarnt, dass sich die Lage am Donnerstag erneut verschärfen könnte.
Die Evakuierungsanordnung für Himi wurde am Donnerstag gegen 7.56 Uhr Ortszeit ausgesprochen. Sie betraf 17.149 Haushalte mit insgesamt 40.480 Menschen. Eine solche Evakuierungsanordnung entspricht im japanischen fünfstufigen Katastrophenschutzsystem der Warnstufe 4. Bewohner gefährdeter Gebiete sollen sich bei dieser Stufe grundsätzlich in Sicherheit bringen.
Parallel dazu galt für Himi eine meteorologische Warnung wegen erhöhter Erdrutschgefahr. Japanische Behörden unterscheiden dabei zwischen den von Kommunen ausgesprochenen Evakuierungsstufen und meteorologischen Gefahrenwarnungen. Deshalb wurden für Himi gleichzeitig eine kommunale Evakuierungsanordnung der Stufe 4 und meteorologische Warnungen mit teilweise anderer Einstufung veröffentlicht.
Am Morgen wurden zahlreiche Notunterkünfte geöffnet. Gegen 9 Uhr standen nach örtlichen Angaben 18 reguläre Evakuierungszentren sowie weitere freiwillige Schutzstellen zur Verfügung.
Nachdem sich die Niederschläge abgeschwächt hatten, hob die Präfektur Toyama nach Angaben ihres offiziellen Informationskanals um 13.15 Uhr sämtliche Evakuierungsinformationen für Himi wieder auf. Die zunächst rund 40.000 Menschen betreffende Anordnung galt damit am Nachmittag nicht mehr.
In Himi fielen am Donnerstag erneut erhebliche Regenmengen. Bis 10.20 Uhr wurden innerhalb einer Stunde 49,5 Millimeter Niederschlag gemessen. Eine andere Messperiode am Vormittag ergab 29 Millimeter innerhalb einer Stunde. Die unterschiedlichen Werte beziehen sich auf verschiedene Zeitfenster der laufenden Messungen.
Für Toyama wurden zunächst örtlich bis zu 50 Millimeter Regen pro Stunde erwartet. Bis Freitagmorgen waren in Teilen der Präfektur innerhalb von 24 Stunden bis zu 120 Millimeter möglich. Besonders vor Erdrutschen wurde bis in die Nacht gewarnt. Zusätzlich bestand am Donnerstag zeitweise Gefahr durch überlaufende Flüsse und Überschwemmungen tiefer gelegener Gebiete.
Die Stadt war bereits am 27. August außergewöhnlich stark getroffen worden. Nach dem bis Mittwoch bekannten Schadensstand waren 539 Wohngebäude über oder unter Bodenniveau überflutet worden. Sieben Gebäude waren vollständig oder teilweise zerstört.
Auch mehrere Tage später waren Folgen dieses Unwetters noch nicht beseitigt. Nach Angaben vom Donnerstag waren zwei Gebiete mit 19 Haushalten und 26 Menschen weiterhin von regulären Straßenverbindungen abgeschnitten. Bereits zuvor hatte die Präfektur Lebensmittel und andere Güter mit Drohnen in isolierte Ortsteile bringen lassen.
Der neue Starkregen erschwerte die laufenden Aufräumarbeiten erheblich. Straßen, die nach den Überschwemmungen der Vorwoche bereits wieder frei geworden waren, standen am Donnerstagmorgen teilweise erneut unter Wasser. Die Stadt setzte deshalb unter anderem die Annahme von Katastrophenmüll aus. Vor vielen beschädigten Häusern lagen noch Möbel und andere durch das vorherige Hochwasser unbrauchbar gewordene Gegenstände.
Auch die Infrastruktur war weiterhin beeinträchtigt. Japan Post meldete am Donnerstag Verzögerungen bei Briefen und Paketen in Teilen von Himi sowie die vorübergehende Schließung eines Postamts.
Im Bahnverkehr führte das Unwetter ebenfalls zu Einschränkungen. JR West warnte für mehrere Strecken in der Hokuriku-Region vor Zugausfällen. Die Schnellzüge Noto Kagaribi zwischen Kanazawa und der Noto-Halbinsel wurden wegen der starken Regenfälle für den gesamten Donnerstag gestrichen. Auch für die Takayama- und Ōito-Linie bestanden Einschränkungen beziehungsweise Ausfallrisiken.
Die Unwetterlage beschränkte sich nicht auf Toyama. Besonders ernst war die Situation im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu. In Teilen der Präfektur Aomori galt am Donnerstag zeitweise die höchste Warnstufe 5.
In der Stadt Aomori trat der Setoko-Fluss über die Ufer. Daraufhin wurde für 456 Haushalte mit 892 Bewohnern die sogenannte Emergency Safety Assurance der Stufe 5 ausgegeben. Diese Warnstufe bedeutet, dass eine Katastrophe bereits eingetreten sein kann oder unmittelbar bevorsteht und Menschen dort Schutz suchen sollen, wo dies noch möglich ist.
Auch in Goshogawara wurde wegen der Gefahr eines Deichbruchs am Iizume-Fluss Warnstufe 5 ausgerufen. Dort waren 393 Haushalte mit 620 Einwohnern betroffen. Zusammengenommen bezogen sich die höchsten Warnungen in Aomori damit auf mehr als 1.500 Menschen.
Die Regenmengen waren dort außergewöhnlich hoch. An der Wetterstation Sukayu in der Stadt Aomori wurden innerhalb einer Stunde 63 Millimeter gemessen, ein neuer Stationsrekord. In Ajigasawa summierte sich der Niederschlag innerhalb von 48 Stunden bis Donnerstagmorgen auf 260 Millimeter. Auch dieser Wert erreichte nach den verfügbaren Messdaten ein Rekordniveau.
In Mutsu wurde zudem ein Mann verletzt, nachdem sein Fahrzeug im Zusammenhang mit dem Unwetter umgestürzt war. In Aomori wurden außerdem überflutete Wohnhäuser gemeldet. Weitere bestätigte Todesfälle oder Vermisste im Zusammenhang mit der Wetterlage vom Donnerstag waren zunächst nicht bekannt.
Während sich die Regenfälle in Teilen Nordjapans im Laufe des Donnerstagvormittags abschwächten, verlagerte sich die Gefahrenzone weiter nach Süden. Ursache war eine aktive Front, die feuchte Luft über weite Teile des Landes führte.
Für die südjapanischen Präfekturen Miyazaki und Kagoshima warnte die Wetterbehörde vor der möglichen Entstehung sogenannter linearer Regenbänder. Solche langgestreckten Gewitterzonen können über Stunden hinweg immer wieder dieselben Gebiete treffen und dort sehr große Regenmengen verursachen. Für Teile von Shikoku und Süd-Kyushu wurden bis Freitagmorgen bis zu 200 Millimeter Niederschlag erwartet.
Für Himi blieb trotz der aufgehobenen Evakuierungsanordnung besondere Vorsicht erforderlich. Die Stadt hatte bereits vor dem erneuten Starkregen darauf hingewiesen, dass die Böden nach den Niederschlägen Ende August stark aufgeweicht seien. Die Wiederherstellung beschädigter Straßen und anderer öffentlicher Einrichtungen wird noch Wochen dauern. Die Präfektur Toyama kündigte an, ab dem 7. September zusätzliche Bauingenieure nach Himi zu schicken, um Schäden an öffentlichen Verkehrswegen und anderen Anlagen zu erfassen.
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