
Mit dem Herbst beginnt für viele Wanzenarten die Suche nach einem geschützten Platz für die kalte Jahreszeit. Anfang Oktober sind die schildförmigen Insekten deshalb wieder häufiger an Hauswänden, Fenstern und Balkontüren zu beobachten. Manche gelangen durch offene Fenster, Spalten oder andere Öffnungen ins Gebäude. Besonders auffällig ist dabei die Marmorierte Baumwanze, eine ursprünglich aus Ostasien stammende Art, die sich inzwischen in Deutschland weit verbreitet hat.
Wer derzeit Stinkwanzen in der Wohnung entdeckt, hat es allerdings nicht automatisch mit der Marmorierten Baumwanze zu tun. In Deutschland leben rund 900 verschiedene Wanzenarten. Auch heimische Arten wie die Grüne Stinkwanze und die Graue Gartenwanze können im Herbst an oder in Gebäuden auftauchen. Für Menschen sind diese Tiere in der Regel ungefährlich.
Der auffällige Einflug in Gebäude gehört zum natürlichen Jahreszyklus vieler Arten. In Mitteleuropa überwintern zahlreiche Wanzen als erwachsene Tiere. Wenn die Temperaturen sinken und die Tage kürzer werden, suchen sie trockene und geschützte Verstecke.
In der Natur können das Ritzen in Baumrinde, Laub oder andere geschützte Bereiche sein. Gebäude bieten ähnliche Bedingungen. Fensterrahmen, Rollladenkästen, Fassadenspalten, Dachböden oder andere Hohlräume können deshalb als Winterquartier dienen.
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass insbesondere nach warmen Jahren im Herbst viele Tiere aus Gärten in Häuser gelangen können. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass 2026 bundesweit außergewöhnlich hohe Bestände erreicht wurden. Eine flächendeckende aktuelle Zählung, die eine solche Aussage belegen würde, liegt nicht vor.
Besondere Aufmerksamkeit erhält die Marmorierte Baumwanze mit dem wissenschaftlichen Namen Halyomorpha halys. Sie stammt ursprünglich aus Ostasien und wurde 2011 erstmals in Deutschland nachgewiesen. Seitdem hat sie sich deutlich ausgebreitet.
Die Europäische und Mediterrane Pflanzenschutzorganisation EPPO führt die Art für Deutschland inzwischen mit dem Status „weit verbreitet“. Damit hat sich die Situation gegenüber den ersten Jahren nach ihrem Auftreten erheblich verändert.
Erwachsene Marmorierte Baumwanzen werden etwa 12 bis 17 Millimeter groß und sind braun bis grau marmoriert. Auffällig sind unter anderem helle Bereiche an den Fühlern und eine helle und dunkle Zeichnung am seitlichen Hinterleib. Eine Verwechslung mit der heimischen Grauen Gartenwanze ist möglich.
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft beschreibt Häuser ausdrücklich als typische geschützte Orte für die Überwinterung. In Deutschland entwickelt die Art meist eine Generation pro Jahr.
Der Name Stinkwanze verweist auf eine der auffälligsten Eigenschaften der Tiere. Wanzen besitzen Drüsen, aus denen sie bei Gefahr ein intensiv riechendes Abwehrsekret abgeben können. Deshalb sollten sie möglichst nicht zerdrückt oder unnötig gereizt werden.
Die häufig in Wohnungen auftauchenden pflanzensaugenden Arten sind keine Parasiten des Menschen. Das Umweltbundesamt nennt für die Grüne Stinkwanze und weitere häufige Arten keine Gesundheitsgefahr für Menschen. Auch eine Wanze an der Zimmerwand ist deshalb nicht mit einem Befall durch Bettwanzen gleichzusetzen.
Wer einzelne Tiere entfernen möchte, kann sie vorsichtig mit einem Glas und einem Stück Papier oder Pappe aufnehmen und nach draußen setzen. Vom Einsatz von Insektiziden gegen einzelne eingedrungene Wanzen rät das Umweltbundesamt ab.
Während die Tiere in Wohnungen vor allem lästig sind, besitzt die Marmorierte Baumwanze in Landwirtschaft und Gartenbau eine andere Bedeutung. Sie kann an einer großen Zahl von Pflanzen saugen. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft nennt mehr als 300 Wirtspflanzen.
Dazu gehören unter anderem Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Haselnüsse, Tomaten, Paprika und Bohnen. Durch die Saugtätigkeit können Verfärbungen, Einsenkungen und Verformungen entstehen. Befallenes Obst oder Gemüse kann dadurch an Vermarktungsqualität verlieren.
Die Ausbreitung der Art ist deshalb nicht nur ein Thema für Haushalte. Fachstellen beobachten sie auch als Pflanzenschädling. In Deutschland gilt sie inzwischen als etabliert, und ihr Vorkommen beschränkt sich nicht mehr auf einzelne südliche Regionen.
Temperatur und Witterung beeinflussen Entwicklung und Vermehrung der Marmorierten Baumwanze. Untersuchungen aus Mitteleuropa zeigen, dass wärmere klimatische Bedingungen die geeigneten Lebensräume erweitern und in besonders günstigen Regionen auch zusätzliche Generationen ermöglichen können.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede warme Saison zwangsläufig zu einem massenhaften Auftreten führt. Bestandsentwicklung, Überwinterungserfolg, Nahrungsangebot und regionale Bedingungen wirken zusammen.
Für den aktuellen Einflug in Wohnungen ist vor allem der Jahreszeitenwechsel entscheidend. Die Tiere suchen jetzt ein geschütztes Winterquartier. Dass die Marmorierte Baumwanze mittlerweile vielerorts vorkommt, erhöht zugleich die Wahrscheinlichkeit, ihr im Herbst auch an Hausfassaden und in Innenräumen zu begegnen.






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