
Nach mehreren Sabotagefällen an Anlagen des deutschen Stromnetzes hat die Polizei ihre Suche nach einem 48 Jahre alten Tatverdächtigen ausgeweitet und Fotos des Mannes veröffentlicht. Die öffentliche Fahndung nach Sabotage am Stromnetz betrifft Ermittlungen zu Vorfällen in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise zum Aufenthaltsort des Gesuchten sowie um Informationen, die zur Aufklärung der einzelnen Fälle beitragen können.
Die Veröffentlichung der Bilder erfolgte am Samstag durch das Polizeipräsidium des Landes Brandenburg. Der Mann wird im Zusammenhang mit Angriffen und versuchten Angriffen auf Umspannwerke und Hochspannungsleitungen gesucht. Eine gerichtliche Feststellung, dass er für die Vorfälle verantwortlich ist, gibt es bislang nicht.
Mit der öffentlichen Fahndung fragt die Polizei ausdrücklich danach, wer den abgebildeten Mann kennt, Angaben zu seinem Aufenthaltsort machen kann oder weitere sachdienliche Hinweise zu den Sabotagefällen besitzt. Zuvor hatten Ermittler bereits in mehreren Bundesländern nach Spuren gesucht.
Am Freitag waren Polizeikräfte aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg unter anderem in Gevelsberg im Einsatz. Dort wurde ein Wohnhaus durchsucht, in dem der mutmaßliche Verfasser von Bekennerschreiben gemeldet ist. Die Polizei Köln führte die Maßnahmen. Gleichzeitig wurden weitere Einrichtungen der kritischen Infrastruktur überprüft, die in den Schreiben genannt worden sein sollen.
Die Polizei hatte zudem ein Hinweisportal eingerichtet, über das Informationen sowie Bild und Videomaterial an die Ermittler übermittelt werden können.
Ausgangspunkt der Ermittlungen in Brandenburg war ein Vorfall bei Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße. Dort war der Polizei am 1. September gegen 8 Uhr eine mutmaßliche Beschädigung an einer Hochspannungsleitung bei einem Umspannwerk gemeldet worden. Einsatzkräfte entdeckten mehrere unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen. Einige davon hatten nach Polizeiangaben nicht ausgelöst. Auswirkungen auf die Bevölkerung wurden nicht festgestellt.
In den folgenden Tagen wurde den Ermittlungsbehörden ein Bekennerschreiben bekannt. Die Polizei Brandenburg erklärte zunächst ausdrücklich, dass dessen Authentizität geprüft werde und zu diesem Zeitpunkt weder bestätigt noch ausgeschlossen werden könne.
Später rückte ein 48-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen in den Mittelpunkt der Ermittlungen. NRW-Innenminister Herbert Reul erklärte, in den inzwischen bekannten Schreiben seien Informationen enthalten gewesen, die zuvor nicht öffentlich gemacht worden seien. Daraus ergibt sich nach Einschätzung der Ermittler ein konkreter Ansatz für die weiteren Untersuchungen. Die Verantwortung des Mannes für einzelne Taten ist damit jedoch nicht bewiesen.
Nach Angaben der Behörden beziehen sich die Ermittlungen unter anderem auf Vorgänge an Stromanlagen in Brandenburg sowie in Rheidt, Dormagen und Weisweiler in Nordrhein-Westfalen. Die Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden der beteiligten Länder arbeiten dabei zusammen.
In Brandenburg laufen Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts der Störung öffentlicher Betriebe, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel und der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Dabei handelt es sich um die rechtliche Grundlage der laufenden Ermittlungsverfahren und nicht um eine Verurteilung des gesuchten Mannes.
Am Samstag wurden außerdem neue Details aus Sachsen bekannt. In Ostsachsen entdeckten Ermittler insgesamt zwölf selbst hergestellte Sprengvorrichtungen im Bereich von Hochspannungstrassen. Acht befanden sich südlich des Umspannwerks Bärwalde nahe Lippen, vier weitere östlich des Umspannwerks Graustein nahe Schleife.
Spezialisten des Landeskriminalamtes Sachsen entschärften die Vorrichtungen. Nach Angaben der beteiligten Sicherheitsbehörden sollten sie Kurzschlüsse an den Hochspannungsleitungen auslösen und dadurch die Strominfrastruktur beschädigen. Tatsächliche Schäden oder Beeinträchtigungen der Stromversorgung wurden dort nicht festgestellt. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nach Behördenangaben nicht.
Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, das Landeskriminalamt Sachsen und die Polizeidirektion Görlitz ermitteln wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Verbindung mit versuchter Störung öffentlicher Betriebe und versuchter verfassungsfeindlicher Sabotage.
Ob der 48-jährige Tatverdächtige auch für die Funde in Sachsen verantwortlich ist, war zunächst nicht abschließend geklärt. Die Behörden prüfen Verbindungen zwischen den Vorgängen in Sachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.
Die Serie betrifft Anlagen, die für die Übertragung und Verteilung elektrischer Energie eine zentrale Rolle spielen. Bei einzelnen Vorfällen kam es zu technischen Störungen. Ein großflächiger Zusammenbruch der Stromversorgung wurde jedoch nicht gemeldet.
Bei einem Vorfall im nordrhein-westfälischen Bergheim wurden durch einen gezielt ausgelösten Kurzschluss mehrere Kraftwerksblöcke vorübergehend vom Netz getrennt. Auch dort fanden Ermittler Vorrichtungen im Umfeld der Strominfrastruktur.
Die Sabotage an Umspannwerken hat damit Ermittlungen über mehrere Landesgrenzen hinweg ausgelöst. Gleichzeitig untersuchen die Behörden weiterhin, welche Vorfälle tatsächlich miteinander verbunden sind und ob neben dem gesuchten Mann weitere Personen beteiligt gewesen sein könnten.
Politische Aussagen über ein mögliches Motiv gehen bislang über den gesicherten Tatnachweis hinaus. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und NRW-Innenminister Reul haben die Vorgänge im Zusammenhang mit möglichem Klimaextremismus eingeordnet. Auch andere Hintergründe wurden von Sicherheitsbehörden zunächst nicht ausgeschlossen. Welche Motivation den einzelnen Taten tatsächlich zugrunde lag und wer sie ausführte, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Mit der Veröffentlichung der Fahndungsbilder erhält die Suche nun eine neue Stufe. Polizei veröffentlicht Fahndungsfotos bedeutet in diesem Fall, dass ausdrücklich die Mithilfe der Öffentlichkeit zur Lokalisierung des 48-Jährigen gesucht wird. Hinweise sollen unmittelbar an die zuständigen Polizeibehörden weitergegeben werden. Die Ermittlungen zu den einzelnen Sabotagefällen dauern an.
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