
Der insolvente Augsburger Traditionsbetrieb J.N. Eberle & Cie. bekommt für wesentliche Teile seines Geschäfts einen neuen Eigentümer. Die hessische WIKUS-Sägenfabrik Wilhelm H. Kullmann GmbH & Co. KG übernimmt unter anderem die Bimetall-Fertigung und Teile des Sägebandgeschäfts. Der Kaufvertrag wurde am Freitag, 4. September 2026, unterzeichnet. Für einen großen Teil der bisherigen Belegschaft bedeutet die Neuordnung allerdings das Ende des Arbeitsplatzes: Rund 160 Stellen fallen weg.
74 Beschäftigte sollen im Zuge der Übernahme in eine neu gegründete Tochtergesellschaft der WIKUS-Gruppe wechseln. Damit bleibt ein Teil des industriellen Know-hows von Eberle erhalten. Die Produktionsbereiche Sägen und C-Stahl werden dagegen eingestellt. Für C-Stahl ist noch eine geordnete Ausproduktion vorgesehen, während der Sägenvertrieb fortgeführt werden soll.
Bei dem Geschäft handelt es sich nicht um einen vollständigen Verkauf des bisherigen Unternehmens, sondern um einen sogenannten Asset Deal. WIKUS übernimmt ausgewählte Produktionsanlagen, Vermögenswerte, Kompetenzen und Beschäftigte. Über den Kaufpreis und weitere wirtschaftliche Einzelheiten wurde Stillschweigen vereinbart.
WIKUS gehört nach eigenen Angaben zu den etablierten Herstellern von Sägebändern für die Metallbearbeitung und beschäftigt weltweit mehr als 750 Menschen. Der Hauptsitz des Familienunternehmens liegt im nordhessischen Spangenberg. Mit der Übernahme der Bimetall-Fertigung will WIKUS einen weiteren Produktionsschritt in die eigene Wertschöpfungskette integrieren. Bimetall ist ein zentraler Ausgangsstoff für die Herstellung von Sägebändern.
Die übernommene Bimetall-Sparte soll in einer eigenständigen Tochtergesellschaft weitergeführt werden. Produktion, Vertrieb und bestimmte Verwaltungsfunktionen sollen im Großraum Augsburg gebündelt werden. Zusätzliche Sägebandmengen sollen dagegen künftig am WIKUS-Stammsitz in Spangenberg produziert werden.
Die Fortführung eines Teils des Geschäfts verhindert nicht den erheblichen Stellenabbau bei Eberle. Rund 160 Beschäftigten soll gekündigt werden. Interessenausgleich und Sozialplan wurden bereits abgeschlossen. Vor der Insolvenz hatte das Unternehmen rund 250 Mitarbeiter.
Der Insolvenzverwalter begründet die starke Verkleinerung mit der Geschäftsentwicklung und der notwendigen Anpassung der Kostenstruktur. Bereits Anfang Mai hatte das Amtsgericht Augsburg die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Das Insolvenzverfahren wurde am 26. August eröffnet.
Während des Verfahrens lief der Geschäftsbetrieb weiter. Parallel wurde nach Investoren gesucht. Nach Angaben des Insolvenzverwalters gab es zunächst mehrere unverbindliche Angebote, später lagen drei verbindliche Offerten vor. Am Ende erhielt WIKUS den Zuschlag.
Eberle gehört zu den traditionsreichen Industrieunternehmen Augsburgs. Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1836 zurück. Das Unternehmen produziert beziehungsweise produzierte unter anderem Präzisionsbandstahl, Bimetall und Produkte für Sägebänder und verfügt über internationale Kundenbeziehungen.
Die IG Metall Augsburg reagierte bereits vor Bekanntgabe des Käufers mit deutlicher Kritik auf den angekündigten Stellenabbau. Nach ihrer Darstellung sind die Probleme nicht allein auf schwierige Marktbedingungen zurückzuführen. Die Gewerkschaft wirft der früheren Unternehmensführung vor, nicht rechtzeitig tragfähige Zukunftsperspektiven entwickelt und nicht angemessen auf die Herausforderungen der vergangenen Jahre reagiert zu haben.
Diese Bewertung ist eine Position der IG Metall. Eine unabhängige Bestätigung dafür, dass konkrete Versäumnisse der früheren Führung ursächlich für die Insolvenz oder den Stellenabbau waren, lag zunächst nicht vor. Der Insolvenzverwalter verweist seinerseits auf die Geschäftsentwicklung und die erforderliche Anpassung der Kostenbasis.
Die Gewerkschaft betont zugleich den Einsatz der Belegschaft während der vergangenen Monate. Beschäftigte hätten trotz des laufenden Insolvenzverfahrens daran mitgewirkt, den Betrieb aufrechtzuerhalten und eine Zukunftslösung zu ermöglichen.
Für die Beschäftigten, deren Stellen entfallen, sollen Unterstützungsangebote greifen. Betriebsrat und IG Metall verständigten sich im Rahmen des Insolvenzverfahrens unter anderem auf Bewerbertrainings und Maßnahmen zur beruflichen Neuorientierung.
Auch Kontakte zu anderen Unternehmen in der Region sollen vermittelt werden. Hintergrund ist, dass viele der betroffenen Beschäftigten über langjährige Erfahrung in industrieller Produktion und Metallverarbeitung verfügen. Für die Auszubildenden zeichnen sich nach Angaben der Gewerkschaft Möglichkeiten ab, ihre Ausbildung bei anderen Augsburger Unternehmen fortzuführen.
Die IG Metall fordert darüber hinaus Unterstützung durch Politik und Arbeitsmarktakteure. Sie sieht den Verlust von rund 160 Industriearbeitsplätzen nicht nur als Einschnitt für die unmittelbar Betroffenen, sondern auch als Verlust von Fachwissen und industrieller Kompetenz am Standort Augsburg.
Mit dem Einstieg von WIKUS ist zumindest für einen Teil des bisherigen Eberle-Geschäfts eine Fortführung gesichert. Von einem Erhalt des Unternehmens in seiner bisherigen Struktur kann jedoch nicht gesprochen werden. Zwei Produktionsbereiche werden eingestellt, ein großer Teil der bisherigen Arbeitsplätze verschwindet und nur ausgewählte Geschäftsteile wechseln zum neuen Eigentümer.
Für WIKUS bietet die Transaktion dagegen die Möglichkeit, die eigene Wertschöpfung zu erweitern und zusätzliche Kundenbeziehungen im Sägebandgeschäft zu übernehmen. Für Augsburg bleibt vor allem die Bimetall-Fertigung mit 74 Beschäftigten erhalten. Der Verkauf sichert damit einen Teil der industriellen Substanz, während die Insolvenz für die Mehrheit der bisherigen Belegschaft gravierende Folgen hat.
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