
Das Erste widmet sich am Montagabend einem der bekanntesten und umstrittensten Infrastrukturprojekte Deutschlands. Die Dokumentation „Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle“ läuft am heutigen 28. September 2026 um 23:35 Uhr. Der vom SWR für „ARD History“ produzierte Film zeichnet die Entwicklung des Bahnprojekts über mehr als drei Jahrzehnte nach und stellt Befürworter und Kritiker gegenüber. Die Dokumentation ist zugleich bereits in der ARD Mediathek abrufbar.
Die Sendung ist eine Erstausstrahlung. Die ARD Mediathek führt den 28. September 2026 als Veröffentlichungsdatum. Der SWR kündigt die Dokumentation als 60-minütige Produktion an. Verantwortlich für den Film sind Helmar Büchel und Michael Fräntzel. Eine Staffelnummer oder eine vom Sender ausgewiesene fortlaufende Episodennummer wird für die Dokumentation nicht genannt.
Im Zentrum steht die Frage, wie aus den ursprünglichen Plänen für den Umbau des Stuttgarter Bahnknotens ein über Jahrzehnte laufendes Großprojekt wurde. Die Dokumentation zeichnet wichtige Stationen von Stuttgart 21 nach, behandelt Planungsentscheidungen, Bauprobleme und Kostensteigerungen und blickt zugleich auf die politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen rund um das Projekt.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem künftigen unterirdischen Durchgangsbahnhof, der den bisherigen Kopfbahnhof ersetzen soll. Außerdem geht es um Probleme beim Tunnelbau, bei der Digitalisierung des Bahnknotens, bei technischen Anlagen sowie um Anforderungen an Brandschutz und Fluchtwege. Der Film erinnert zudem an die langjährigen Proteste gegen Stuttgart 21 und an den Polizeieinsatz am sogenannten Schwarzen Donnerstag im September 2010.
Die Autoren lassen unterschiedliche Positionen zu Wort kommen. Zu den in der Dokumentation auftretenden Kritikern gehören der Stuttgarter Kommunalpolitiker und Stadtplaner Hannes Rockenbauch sowie der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Palmer hatte Stuttgart 21 bereits früh abgelehnt.
Auf der Seite der langjährigen Befürworter kommen unter anderem der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger und der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster zu Wort. Beide verbinden mit dem neuen Bahnknoten unter anderem kürzere Fahrzeiten und Veränderungen für den Schienenverkehr in Stuttgart.
Auch ehemalige Führungskräfte der Deutschen Bahn gehören zu den Protagonisten. Der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn verteidigt das Projekt weiterhin. Der frühere Bahnmanager Thilo Sarrazin äußert dagegen deutliche Kritik an den wirtschaftlichen Grundlagen früherer Entscheidungen.
Mit Evelyn Palla kommt zudem die aktuelle Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn zu Wort. Damit greift die Dokumentation unmittelbar die jüngsten Entwicklungen des Jahres 2026 auf. Die Bahn hatte nach einer internen Revision erhebliche Defizite bei Planung, Steuerung und Risikomanagement des Projekts eingeräumt und daraufhin Organisation und Zeitplan neu aufgestellt.
Der Film behandelt damit nicht nur die historischen Konflikte um Stuttgart 21, sondern auch die Frage, weshalb frühere Fertigstellungstermine nicht eingehalten werden konnten.
Der aktuelle Zeitplan unterscheidet sich deutlich von früheren Planungen. Noch vor wenigen Jahren war vorgesehen, den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof Ende 2026 in Betrieb zu nehmen. Dieser Termin ist inzwischen aufgegeben.
Nach dem im Juni 2026 vorgestellten neuen Stufenplan soll der künftige Hauptbahnhof im Dezember 2031 seinen Betrieb aufnehmen. Dann sollen der Fernverkehr und große Teile des Regionalverkehrs in den neuen Durchgangsbahnhof wechseln. Verbindungen aus und in Richtung Bad Cannstatt sollen nach Angaben der Deutschen Bahn erst 2032 vollständig folgen. Deshalb soll der bestehende Kopfbahnhof teilweise noch bis zur Jahresmitte 2032 benötigt werden.
Bereits Ende 2027 sollen zunächst die Wege für Reisende im Bereich des Hauptbahnhofs verkürzt werden. Für Dezember 2030 ist die Inbetriebnahme des Fernbahnhofs am Flughafen vorgesehen. Im Juli 2032 sollen die digitalisierte und verlängerte S-Bahn-Stammstrecke sowie die neue Station Mittnachtstraße beziehungsweise Rosenstein in Betrieb gehen. Den Abschluss des derzeitigen Stufenplans bildet Ende 2033 der Pfaffensteigtunnel für die Anbindung der Gäubahn über den Flughafen.
Damit handelt es sich nicht mehr um einen einzelnen Eröffnungstermin. Stuttgart 21 soll nach dem aktuellen Konzept über mehrere Jahre schrittweise in Betrieb gehen.
Mit dem neuen Zeitplan hat die Deutsche Bahn auch ihre Kostenprognose angehoben. Der Konzern rechnet für Stuttgart 21 inzwischen mit zusätzlichen Aufwendungen von rund drei Milliarden Euro. Die aktuelle Gesamtwertprognose liegt damit bei 14,5 Milliarden Euro. Nach Angaben der Bahn entsteht ein großer Teil der zusätzlichen Kosten durch Arbeiten, die bis zur Inbetriebnahme noch notwendig sind.
Als Ursachen für die erneute Verzögerung nennt die Deutsche Bahn unter anderem die Komplexität des Digitalen Knotens Stuttgart, nicht ausreichend weit fortgeschrittene Planungsprozesse, Anpassungsbedarf an einem Technikgebäude sowie Änderungen bei der Sicherheitsstromversorgung. Die Bahn hat als Reaktion darauf die Projektorganisation umgebaut und das Risikomanagement neu aufgestellt.
Stuttgart 21 reicht inzwischen weit über den Bau eines neuen Bahnhofs hinaus. Zum Gesamtvorhaben gehören neue Tunnel und Streckenführungen, die Neuordnung des Bahnknotens, die Flughafenanbindung und die Digitalisierung der Schieneninfrastruktur.
Gerade die lange Planungs- und Baugeschichte macht das Projekt auch über Baden-Württemberg hinaus relevant. Entscheidungen aus den 1990er-Jahren treffen inzwischen auf technische Standards und Anforderungen, die sich während der Bauzeit mehrfach verändert haben. Zugleich steht der Bahnhof seit Jahrzehnten für einen politischen Konflikt über Kosten, Leistungsfähigkeit, Stadtentwicklung und den Umgang mit großen Infrastrukturvorhaben.
Die ARD-Dokumentation zeichnet diese Entwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven nach, ohne sich auf die Baustelle allein zu beschränken. Historische Entscheidungen, Protestbewegung, Bahnmanagement und der aktuelle Stand des Projekts bilden gemeinsam den Schwerpunkt des Films.
„Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle“ läuft am Montag, 28. September 2026, ab 23:35 Uhr im Ersten. Der Programmplatz reicht bis 0:35 Uhr. Eine Wiederholung im Ersten ist in der Nacht vorgesehen.
Parallel steht die Dokumentation bereits in der ARD Mediathek zur Verfügung. Dort ist das Video nach aktuellem Stand bis zum 28. September 2028 um 5 Uhr abrufbar.






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