
Die geplante Tabaksteuer-Erhöhung in Deutschland nimmt konkretere Formen an. Nach Informationen der Bild-Zeitung vom Donnerstag, 8. Oktober 2026, sollen sich Union und SPD auf eine stärkere Anhebung der Tabaksteuer verständigt haben. Demnach hätten Finanzpolitiker der Union ihren bisherigen Widerstand aufgegeben. Für Raucher könnte das bedeuten, dass eine Schachtel mit 20 Zigaretten bereits 2027 durchschnittlich 9,10 Euro kostet. Ein endgültiger Gesetzesbeschluss liegt allerdings noch nicht vor. Die Bundesregierung hatte bereits im Juli eine schrittweise Erhöhung bis 2030 auf den Weg gebracht.
Der jüngsten Entwicklung gingen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regierungskoalition voraus. Während Gesundheitspolitiker und die Fraktionsführungen von CDU/CSU und SPD eine deutlich höhere Tabaksteuer befürworteten, äußerten Finanzpolitiker der Union Bedenken gegen den Umfang der geplanten Anhebung. Sie verwiesen insbesondere auf mögliche Auswirkungen auf den legalen Tabakhandel und die Gefahr zunehmender Ausweichkäufe.
Laut Bild-Zeitung soll sich Unionsfraktionschef Thorsten Frei am Dienstag, 6. Oktober, in der Arbeitsgruppe Finanzen seiner Fraktion für den verschärften Steuerplan eingesetzt haben. Der bisherige Widerstand sei daraufhin aufgegeben worden. Eine eigenständige offizielle Bestätigung dieser Einigung lag zunächst nicht vor.
Unabhängig davon steht fest, dass sich die Koalitionsfraktionen bereits auf parlamentarischer Ebene mit einer stärkeren Steuererhöhung befassen. Ein entsprechender Änderungsantrag war am 5. Oktober Gegenstand einer öffentlichen Anhörung im Finanzausschuss des Bundestages.
Die verschärften Pläne sehen deutlich höhere Belastungen für Raucher vor als der ursprüngliche Regierungsentwurf. Nach den im Sommer bekannt gewordenen Berechnungen könnte der durchschnittliche Preis einer Schachtel mit 20 Zigaretten in vier Schritten steigen.
Für 2027 wird dabei ein durchschnittlicher Packungspreis von 9,10 Euro genannt. Im Jahr 2028 wären es 9,91 Euro, 2029 bereits 10,81 Euro und 2030 schließlich 11,78 Euro. Gegenüber einem derzeitigen Preisniveau von rund acht Euro entspräche dies bis 2030 einem Anstieg von nahezu 50 Prozent.
Der ursprüngliche Gesetzentwurf der Bundesregierung war noch von niedrigeren Werten ausgegangen. Dort wurden für 2027 durchschnittlich 8,77 Euro und für 2030 rund 11,36 Euro je Schachtel veranschlagt.
Bei den genannten Zahlen handelt es sich um rechnerische Durchschnittspreise und nicht um verbindliche Verkaufspreise für jede Zigarettenmarke. Die tatsächlichen Ladenpreise hängen unter anderem von der Preisgestaltung der Hersteller ab.
Hinter der Tabaksteuer-Erhöhung stehen sowohl finanzpolitische als auch gesundheitspolitische Ziele. Die Bundesregierung hatte am 6. Juli 2026 einen Gesetzentwurf beschlossen, der regelmäßige Steueranhebungen vom 1. Januar 2027 bis zum Jahr 2030 vorsieht.
Mit dem ursprünglichen Entwurf rechnete die Bundesregierung für 2027 mit zusätzlichen Steuereinnahmen von 756 Millionen Euro. Bis 2030 sollten die jährlichen Mehreinnahmen auf rund 3,59 Milliarden Euro steigen.
Der weitergehende Änderungsantrag von Union und SPD sieht höhere Beträge vor. Wie aus der Dokumentation der öffentlichen Anhörung des Bundestages hervorgeht, werden für 2027 zusätzliche Einnahmen von rund 1,52 Milliarden Euro erwartet. Über den gesamten Zeitraum von 2027 bis 2030 sollen sich die Mehreinnahmen auf insgesamt etwa 11,7 Milliarden Euro summieren.
Diese Werte sind Prognosen. Wie hoch das tatsächliche Steueraufkommen ausfällt, hängt auch davon ab, wie sich der Tabakkonsum und der Absatz versteuerter Produkte entwickeln.
Die Steuerreform beschränkt sich nicht auf herkömmliche Zigaretten. Nach dem Regierungsentwurf sollen auch Feinschnitt, Pfeifentabak, Zigarren, Zigarillos, Wasserpfeifentabak, erhitzte Tabakprodukte und Flüssigkeiten für E-Zigaretten stärker besteuert werden.
Besonders umstritten sind die geplanten Erhöhungen bei Zigarren und Pfeifentabak. Der Bundesverband der Zigarrenindustrie warnte während der Bundestagsanhörung vor erheblichen Preissteigerungen und wirtschaftlichen Belastungen für Hersteller und Fachgeschäfte.
Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten äußerte Bedenken hinsichtlich möglicher Folgen für Arbeitsplätze in der Branche. Der Verband verwies darauf, dass viele der betroffenen Unternehmen in strukturschwächeren Regionen angesiedelt seien.
Bei Feinschnitt befürworten Gesundheitsexperten dagegen eine deutliche Steueranhebung. Dadurch soll verhindert werden, dass Raucher wegen steigender Zigarettenpreise verstärkt auf günstigeren Tabak zum Selbstdrehen ausweichen.
Unterstützung erhält die geplante Tabaksteuer-Erhöhung aus dem Gesundheitswesen. Der AOK-Bundesverband erklärte bei der Anhörung am 5. Oktober, höhere Tabaksteuern seien ein wirksames Mittel, um den Tabakkonsum zu verringern und insbesondere junge Menschen vom Rauchen abzuhalten.
Auch Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum sprach sich für deutliche Steuersteigerungen aus. Sie verwies auf die gesundheitspolitische Wirkung höherer Preise, die zum Rauchstopp motivieren und den Einstieg in den Tabakkonsum erschweren könnten.
Der Wirtschaftswissenschaftler Tobias Effertz von der Universität Hamburg begrüßte die Pläne ebenfalls. Er bezifferte die wirtschaftlichen Kosten des Rauchens im Gesundheitswesen unter Berücksichtigung verschiedener Entwicklungen auf rund 38 Milliarden Euro.
Deutschland verfolgt mit der geplanten Steueranhebung einen Ansatz, der auch international zur Eindämmung des Tabakkonsums eingesetzt wird. Die Besteuerung klassischer Tabakwaren unterliegt innerhalb der Europäischen Union gemeinsamen Mindestvorgaben. Die Mitgliedstaaten können jedoch höhere nationale Steuersätze festlegen.
Kritik kommt insbesondere aus der Tabakwirtschaft. Branchenverbände befürchten, dass stark steigende Preise Verbraucher zum Kauf unversteuerter Zigaretten oder zum Einkauf im Ausland bewegen könnten. Sie stellen deshalb infrage, ob die erwarteten zusätzlichen Steuereinnahmen vollständig erzielt werden.
Die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft BDZ forderte am 8. Oktober, die geplante Steuerreform mit einer besseren Ausstattung der Zollverwaltung zu verbinden. Zusätzliche Kontrollen und eine wirksamere Bekämpfung illegaler Tabakproduktion seien notwendig, um die Einnahmen zu sichern.
Der BDZ verwies außerdem darauf, dass sinkende Verkaufszahlen legal versteuerter Tabakwaren unterschiedliche Ursachen haben könnten. Neben einem tatsächlichen Konsumrückgang seien auch Produktwechsel, legale Auslandskäufe oder illegale Vertriebswege möglich.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum widersprach zugleich der Annahme, dass höhere Tabaksteuern zwangsläufig zu einem wachsenden Schwarzmarkt führen müssten.
Das parlamentarische Verfahren zur Änderung des Tabaksteuergesetzes ist noch nicht abgeschlossen. Der Bundestag hatte den ursprünglichen Regierungsentwurf am 24. September 2026 in erster Lesung beraten und anschließend an die zuständigen Ausschüsse überwiesen.
Nach der Sachverständigenanhörung vom 5. Oktober steht die weitere parlamentarische Behandlung an. Dabei geht es auch um die zusätzlichen Erhöhungen, die Union und SPD gegenüber dem ursprünglichen Regierungsentwurf vorsehen.
Ob die zuletzt diskutierten Steuersätze unverändert verabschiedet werden, war am Freitag, 9. Oktober 2026, zunächst nicht abschließend geklärt.
Vorgesehen ist, dass die neuen Regelungen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Damit würde die bereits seit 2022 schrittweise angehobene Tabaksteuer in eine weitere vierjährige Phase mit jährlichen Erhöhungen übergehen. Für Verbraucher entscheidet die endgültige Gesetzesfassung darüber, wie stark die Steuerbelastung bei Zigaretten und anderen Tabakprodukten tatsächlich steigt.
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