
In Deutschland steht eine deutliche Verteuerung von Zigaretten und anderen Tabakprodukten bevor. Der Finanzausschuss des Bundestages hat am Mittwoch, 14. Oktober 2026, einer umfassenden Erhöhung der Tabaksteuer zugestimmt. Bereits am Donnerstag soll das Parlament über die Gesetzesänderung entscheiden. Vorgesehen sind jährliche Steueranhebungen von 2027 bis 2030. Nach aktuellen Berechnungen könnte der durchschnittliche Preis einer Zigarettenpackung bis zum Ende dieses Zeitraums auf knapp zwölf Euro steigen. Einzelne Markenzigaretten könnten dann sogar bis zu 14 Euro kosten.
Die geplante Tabaksteuererhöhung 2027 wäre der Beginn einer vierjährigen Reihe von Preissteigerungen. Die Bundesregierung verfolgt damit zwei Ziele: Sie will zusätzliche Milliarden für den Bundeshaushalt einnehmen und gleichzeitig den Tabakkonsum in Deutschland reduzieren.
Der durchschnittliche Verkaufspreis einer Packung mit 20 Zigaretten lag im Sommer 2026 bei etwa 8,05 Euro. Nach den Berechnungen zur verschärften Steuerplanung könnte er bereits 2027 auf 9,10 Euro steigen. Für 2028 werden durchschnittlich 9,91 Euro erwartet, für 2029 rund 10,81 Euro. Im Jahr 2030 könnte der Preis schließlich 11,78 Euro erreichen.
Damit würde eine durchschnittliche Packung innerhalb von vier Jahren um mehr als 3,70 Euro teurer. Besonders deutlich könnten die Preissteigerungen bei bekannten Marken ausfallen, deren Packungen derzeit häufig weniger als zehn Euro kosten. Für 2030 werden hier Preise von bis zu 14 Euro für möglich gehalten.
Festgeschrieben sind diese Verkaufspreise allerdings nicht. Die Steuerhöhe wird gesetzlich geregelt, während die Hersteller ihre Endverbraucherpreise selbst bestimmen. Wie stark einzelne Marken verteuert werden, hängt deshalb auch davon ab, in welchem Umfang die Unternehmen die zusätzliche Steuerbelastung weitergeben.
Mit der Entscheidung vom Mittwoch hat das Gesetzesvorhaben eine wichtige parlamentarische Hürde genommen. Im Finanzausschuss stimmten CDU/CSU und SPD für die geänderte Vorlage. Die Oppositionsfraktionen von AfD, Grünen und Linken lehnten sie ab.
Die Koalition hatte den ursprünglichen Gesetzentwurf im Verlauf der Beratungen noch einmal verschärft. Dadurch sollen die Einnahmen deutlich stärker steigen als zunächst vorgesehen. Die abschließende Abstimmung im Bundestag ist für Donnerstag, 15. Oktober, geplant. Der Bundesrat hatte gegen den ursprünglichen Regierungsentwurf keine Einwände erhoben.
Die Änderungen betreffen nicht ausschließlich Zigaretten. Auch Feinschnitt, erhitzter Tabak und weitere Tabakprodukte sollen höher besteuert werden. Für Zigarren, Zigarillos, klassischen Pfeifentabak und Wasserpfeifentabak ist nach den jüngsten Ausschussänderungen der 1. März 2027 als Beginn der neuen Steuertarife vorgesehen.
Die höheren Tabaksteuern sollen dem Bund erhebliche Mehreinnahmen verschaffen. Für 2027 wird nach der überarbeiteten Planung mit rund 1,5 Milliarden Euro zusätzlich gerechnet. Das sind etwa 750 Millionen Euro mehr als im ursprünglichen Regierungsentwurf. Für 2030 erwartet die Koalition zusätzliche Einnahmen von 4,461 Milliarden Euro.
Schon heute gehört die Tabaksteuer zu den bedeutenden Verbrauchsteuern in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erzielte der Bund 2025 damit Einnahmen von rund 17,6 Milliarden Euro. Im selben Jahr wurden unter anderem 66,4 Milliarden Zigaretten und knapp 24.900 Tonnen Feinschnitt versteuert.
Ob die prognostizierten Mehreinnahmen tatsächlich erreicht werden, hängt auch davon ab, wie sich das Kaufverhalten entwickelt. Sinkender Konsum, Einkäufe im Ausland oder der Handel mit unversteuerten Produkten können sich auf das Steueraufkommen auswirken.
Besonders spürbare Auswirkungen könnte die Reform für Menschen haben, die ihre Zigaretten selbst drehen. Feinschnitt ist bislang häufig eine günstigere Alternative zu fertigen Zigaretten. Durch die geplanten Steueranhebungen soll sich dieser Preisabstand verringern.
Bei einer Packung mit 30 Gramm Feinschnitt, die derzeit häufig zwischen sechs und acht Euro kostet, wird bis 2030 ebenfalls mit einer deutlichen Verteuerung gerechnet. Der durchschnittliche Verkaufspreis könnte dann bei mehr als zwölf Euro liegen.
Die Tabakindustrie kritisiert die Pläne. Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse befürchtet, dass Verbraucher verstärkt im Ausland einkaufen oder auf unversteuerte Zigaretten zurückgreifen könnten. Auch der Verband der deutschen Rauchtabakindustrie warnt vor einer Verlagerung des Konsums auf den illegalen Markt.
In der parlamentarischen Anhörung am 5. Oktober äußerte die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft ebenfalls Bedenken hinsichtlich möglicher Ausweichbewegungen. Sie betonte die Bedeutung ausreichender personeller und organisatorischer Kapazitäten beim Zoll.
Unterstützung kommt dagegen aus dem Gesundheitsbereich. Das Deutsche Krebsforschungszentrum bewertet deutliche Steuererhöhungen als wirksames Mittel, um Menschen zum Rauchstopp zu bewegen und junge Menschen vom Beginn des Rauchens abzuhalten. Auch der AOK-Bundesverband begrüßte bei der Anhörung die stärkeren Steueranhebungen.
Die gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums sind erheblich. Nach Berechnungen des Deutschen Krebsforschungszentrums starben 2023 in Deutschland etwa 131.000 Menschen an Erkrankungen, die auf das Rauchen zurückzuführen waren. Das entsprach ungefähr jedem siebten Todesfall.
Gleichzeitig bleibt der Tabakkonsum weitverbreitet. Nach den vorläufigen Ergebnissen des Mikrozensus 2025 rauchten 19,1 Prozent der Menschen ab 15 Jahren zumindest gelegentlich. Der Anteil hatte sich gegenüber 2021 mit damals 18,9 Prozent kaum verändert.
Politisch bleibt die geplante Erhöhung umstritten. Die Linke kritisiert insbesondere die Belastung einkommensschwacher Haushalte durch höhere Verbrauchsteuern. Die Grünen bemängeln dagegen, dass die Besteuerung von Feinschnitt trotz der Nachbesserungen weiterhin zu niedrig ausfalle und dadurch finanzielle Anreize für den Wechsel auf günstigere Tabakprodukte bestehen blieben.
International setzen zahlreiche Staaten ebenfalls auf höhere Tabaksteuern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht steuerbedingte Preissteigerungen als eine besonders wirksame Maßnahme zur Verringerung des Tabakkonsums. Auch die Europäische Kommission hat eine Reform der europäischen Tabakbesteuerung vorgeschlagen, die unter anderem höhere Mindeststeuersätze und eine stärkere Berücksichtigung neuer Nikotinprodukte vorsieht.
Für Deutschland wird die Entscheidung des Bundestages am Donnerstag damit zum nächsten entscheidenden Schritt. Sollte das Gesetz verabschiedet werden und das weitere Verfahren erfolgreich durchlaufen, beginnen die ersten Steuererhöhungen Anfang 2027. Bis 2030 könnten Zigaretten dadurch erheblich teurer werden als heute.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu