Telekom macht KI zur Chefsache: Jetzt will Höttges Investoren überzeugen

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Deutsche Telekom will künstliche Intelligenz stärker ins Zentrum ihrer Konzernstrategie rücken. Beim Deutsche Telekom AI Investor Day am Montag, 5. Oktober 2026, in Bonn soll Vorstandschef Tim Höttges erläutern, welchen wirtschaftlichen Beitrag KI künftig leisten kann. Dabei geht es nicht nur um neue Produkte. Der Konzern will zeigen, wie künstliche Intelligenz Netze effizienter betreiben, Kundenkontakte verändern, interne Prozesse automatisieren und das Geschäft mit Unternehmen ausbauen kann.

Für Anleger ist damit vor allem eine Frage entscheidend: Kann die Telekom ihre bereits seit Jahren angekündigte KI-Strategie in messbare finanzielle Vorteile übersetzen? Genau darauf deutet die Tagesordnung hin. Nach Höttges sollen unter anderem Personalvorständin Birgit Bohle, Chief AI Officer Kartik Sheth, Deutschlandchef Rodrigo Diehl, Europachefin Dominique Leroy, T-Systems-Chef Ferri Abolhassan und Führungskräfte von T-Mobile US auftreten. Den finanziellen Abschluss übernimmt Finanzvorstand Christian Illek.

Telekom will von KI-Nutzung zu messbaren Ergebnissen kommen

Der Investorentag beginnt um 12 Uhr mit der Konzernstrategie und der KI-Ambition von Höttges. Anschließend steht ausdrücklich der Schritt von der Nutzung künstlicher Intelligenz zu konkreten Auswirkungen auf dem Programm. Weitere Blöcke befassen sich mit KI in den Netzen, im Kundenkontakt, bei Unternehmenskunden und bei T-Mobile US. Zum Ende soll Illek erläutern, wie durch KI finanzieller Wert geschaffen werden kann.

Damit setzt die Telekom einen anderen Schwerpunkt als bei einer klassischen Technologiepräsentation. Entscheidend ist nicht allein, welche KI-Anwendungen technisch möglich sind. Der Konzern muss erklären, ob Automatisierung Kosten senkt, die Kundenbindung verbessert, zusätzliche Umsätze schafft oder Investitionen effizienter macht.

Neu ist dieser Ansatz nicht. Bereits beim Kapitalmarkttag 2024 hatte die Telekom künstliche Intelligenz und ein stärker datengetriebenes Geschäftsmodell als zentrale Elemente ihrer Wachstumsstrategie bis 2027 bezeichnet. Damals kündigte der Konzern an, die indirekten Kosten im Verhältnis zu den Service-Umsätzen außerhalb der USA bis 2027 um drei bis fünf Prozentpunkte reduzieren zu wollen. Zu den vorgesehenen Hebeln zählen Automatisierung im Kundenservice, beim Betrieb von Netzen und Rechenzentren sowie der Einsatz von KI in internen Funktionen.

Anleger können die KI-Pläne an bestehenden Finanzzielen messen

Die Ausgangslage der Telekom ist vergleichsweise komfortabel. Für die Zeit bis 2027 strebt der Konzern weiterhin ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund vier Prozent bei Umsatz und Service-Umsatz an. Das bereinigte EBITDA AL soll im Durchschnitt um vier bis sechs Prozent jährlich steigen. Für 2027 sind rund 21 Milliarden Euro Free Cashflow AL und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von rund 2,50 Euro vorgesehen.

Auch das laufende Geschäftsjahr entwickelt sich bislang solide. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz organisch um 3,3 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA AL legte organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro zu. Der Free Cashflow AL erreichte fünf Milliarden Euro. Gleichzeitig erhöhte die Telekom ihre Prognose für den Free Cashflow im Gesamtjahr auf rund 20 Milliarden Euro.

Der Investorentag findet daher nicht in einer akuten Ergebnis- oder Wachstumskrise statt. Vielmehr muss das Management erklären, welchen zusätzlichen Beitrag KI zu einem bereits profitabel wachsenden Konzern leisten kann.

Milliardenprojekt in München zeigt den Infrastrukturanspruch

Die Telekom versucht zugleich, sich als Anbieter der technischen Infrastruktur für den europäischen KI-Markt zu positionieren. Im Februar nahm sie ihre Industrial AI Cloud in München in Betrieb. Das Projekt entstand gemeinsam mit Nvidia und dem Rechenzentrumspartner Polarise. Vorgesehen sind bis zu 10.000 Nvidia-Blackwell-GPUs. Telekom und Nvidia hatten die Partnerschaft zuvor mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro angekündigt.

Hinzu kommen Plattformen für KI-Agenten im Mittelstand sowie für große Unternehmen und öffentliche Auftraggeber. Im September stellte die Telekom unter anderem eine Plattform vor, mit der Unternehmen unterschiedliche KI-Agenten kontrollieren und deren Zugriffsrechte, Kosten und Aufgaben steuern können. T-Systems versucht damit, sich nicht nur als Betreiber von Rechenzentren, sondern auch als Integrator komplexer KI-Anwendungen zu etablieren.

Mit SAP arbeitet die Telekom zudem an einer souveränen KI-Plattform für die öffentliche Verwaltung. Der Bund hatte Telekom und SAP im Frühjahr den Zuschlag für eine entsprechende Cloud-Infrastruktur erteilt.

KI soll auch das klassische Telekomgeschäft verändern

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Kerngeschäft. Gemeinsam mit Google Cloud entwickelt die Telekom KI-Systeme für einen stärker automatisierten Netzbetrieb. Ein bereits im deutschen Mobilfunknetz eingesetztes System soll technische Störungen erkennen und bearbeiten. Nach Konzernangaben sank die Bearbeitungszeit bestimmter Fälle dabei von mehreren Stunden auf ungefähr eine Minute.

Auch beim Einsatz generativer KI hat der Konzern seine Aktivitäten ausgebaut. Ende 2025 vereinbarten Deutsche Telekom und OpenAI eine mehrjährige Zusammenarbeit für neue KI-Produkte und Anwendungen. Die Telekom kündigte zugleich an, ChatGPT Enterprise konzernweit verfügbar zu machen und künstliche Intelligenz stärker im Kundenservice, in internen Assistenzsystemen und im Netzbetrieb einzusetzen.

Damit verfolgt die Telekom mehrere Geschäftsmodelle gleichzeitig. Sie will KI selbst zur Produktivitätssteigerung einsetzen, Infrastruktur und Rechenleistung verkaufen, Unternehmenssoftware integrieren und neue KI-Funktionen für Verbraucher anbieten.

Bank of America sieht Chancen und neuen Preisdruck

Dass künstliche Intelligenz für Telekommunikationsanbieter nicht ausschließlich Vorteile bringt, zeigt eine aktuelle Einschätzung von Analysten der Bank of America. Sie sehen Potenzial für europäische Anbieter, KI im Vertrieb und bei der Kundenbindung einzusetzen. Gleichzeitig könnten KI-Agenten es Verbrauchern erleichtern, Tarife systematisch zu vergleichen und günstigere Angebote zu finden. Das könnte den Preiswettbewerb verschärfen.

Für die Telekom entsteht daraus ein doppelter Auftrag. Sie muss ihre eigenen Kosten mithilfe von KI stärker senken und zugleich verhindern, dass neue digitale Vermittler die Kundenbeziehung zwischen Netzbetreiber und Verbraucher schwächen.

Das Handelsblatt berichtete am Sonntag unter Berufung auf vier nicht namentlich genannte Insider, innerhalb des Konzerns gebe es die Sorge, dass die bisherige KI-Strategie bei Investoren noch nicht ausreichend verfange. Eine unabhängige Bestätigung dieser internen Einschätzung lag zunächst nicht vor. Fest steht jedoch, dass die Telekom ihren Investorentag ausdrücklich auf die Verbindung von KI-Strategie und wirtschaftlicher Wertschöpfung ausrichtet.

Der Kapitalmarkt erwartet mehr als eine Technologiepräsentation

Die Herausforderung für Höttges besteht deshalb weniger darin, Investoren von der grundsätzlichen Bedeutung künstlicher Intelligenz zu überzeugen. Vielmehr dürfte es darum gehen, konkrete Größenordnungen und nachvollziehbare Geschäftsmodelle zu präsentieren.

Anleger können dabei auf mehreren Ebenen nachhaken: Wie stark lassen sich Personalkosten und andere indirekte Kosten durch Automatisierung reduzieren? Welche zusätzlichen Umsätze kann T-Systems mit KI-Infrastruktur und KI-Agenten erzielen? Wie hoch sind die notwendigen Investitionen in Rechenzentren und Chips? Und welche messbaren Vorteile entstehen bei Kundenservice und Netzbetrieb?

Gerade im internationalen Vergleich ist diese Frage relevant. Während große US-Technologiekonzerne Milliarden in Modelle, Chips und Rechenzentren investieren, verfügen Telekommunikationsunternehmen über eine andere Ausgangsposition. Ihr Vorteil liegt in großen Kundenbeständen, Netzinfrastruktur, Daten, Rechenzentren und langjährigen Unternehmensbeziehungen. Die Telekom versucht, daraus ein eigenständiges KI-Geschäft zu entwickeln, ohne ihr klassisches Netzgeschäft aus dem Blick zu verlieren.

Am Montag soll erstmals umfassender sichtbar werden, wie das Management diesen Anspruch in Finanzkennzahlen übersetzen will. Für Investoren dürfte damit weniger das nächste KI-Produkt im Mittelpunkt stehen als die Antwort auf die Frage, ob künstliche Intelligenz dauerhaft zu höheren Margen, zusätzlichem Wachstum und mehr Cashflow führen kann.

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