Telekom setzt Milliarden-Rückkauf fort und drängt bei KI aufs Tempo

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Deutsche Telekom setzt ihren umfangreichen Rückkauf eigener Aktien fort und treibt parallel ihre Pläne für mehr Rechenleistung für Künstliche Intelligenz voran. Anfang September kaufte der Konzern erneut Aktien über die Börse zurück. Zugleich forderte Vorstandschef Tim Höttges bei der Digital X in Köln mehr Entschlossenheit beim Einsatz von KI und beim Aufbau eigener europäischer Infrastruktur. Damit rücken bei Europas größtem Telekommunikationskonzern zwei strategische Themen gleichzeitig in den Mittelpunkt: die Verwendung überschüssiger Finanzmittel und der Ausbau eines neuen Geschäftsfelds rund um KI-Rechenzentren.

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Die Deutsche Telekom Aktienrückkauf KI-Offensive ist dabei keine einzelne neue Konzernentscheidung vom 10. September. Vielmehr treffen mehrere bereits beschlossene und derzeit umgesetzte Maßnahmen zeitlich zusammen. Das Aktienrückkaufprogramm wurde im August deutlich aufgestockt. Die jüngsten Aussagen zur Künstlichen Intelligenz stammen von der Digital X am 8. September und aus einer Unternehmensmitteilung vom 9. September.

Telekom kann 2026 Aktien für bis zu fünf Milliarden Euro kaufen

Der Vorstand der Deutschen Telekom hatte am 6. August beschlossen, das laufende Aktienrückkaufprogramm für 2026 um bis zu drei Milliarden Euro zu erweitern. Zusammen mit den bereits zuvor vorgesehenen Rückkäufen von bis zu zwei Milliarden Euro kann der Konzern damit bis Ende 2026 eigene Aktien im Wert von insgesamt bis zu fünf Milliarden Euro erwerben.

Bis einschließlich 5. August hatte die Telekom nach eigenen Angaben bereits rund 1,2 Milliarden Euro eingesetzt und etwa 42,1 Millionen eigene Aktien zurückgekauft. Die zusätzliche Tranche kann zwischen dem 10. August und dem 22. Dezember 2026 umgesetzt werden. Grundlage ist eine Ermächtigung der Hauptversammlung.

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Auch Anfang September liefen die Käufe weiter. Allein vom 31. August bis zum 4. September erwarb die Telekom nach ihrer offiziellen Zwischenmeldung 2.897.200 Aktien. Am 7. September kamen 585.400 Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 28,1831 Euro hinzu. Am 8. September waren es weitere 579.700 Aktien zu durchschnittlich 28,4595 Euro. Die Käufe erfolgen über den elektronischen Handel Xetra.

Die Telekom begründete die Ausweitung des Programms im August unter anderem mit der Bewertung der eigenen Aktie, deren Kurs sich nach Darstellung des Unternehmens am unteren Rand historischer Bewertungsbandbreiten bewegt habe. Weniger umlaufende Aktien können zudem rechnerisch den Gewinn je Aktie erhöhen. Das Unternehmen verwies außerdem auf ausreichenden finanziellen Spielraum.

Höttges fordert mehr Tempo bei Künstlicher Intelligenz

Parallel zum Rückkaufprogramm stellt Vorstandschef Tim Höttges die Künstliche Intelligenz stärker ins Zentrum der Konzernstrategie. Auf der Digital X in Köln warnte er davor, dass Deutschland und Europa beim Einsatz der Technologie gegenüber den USA und China zurückfallen könnten. Nach Darstellung der Telekom kritisierte Höttges eine ausgeprägte Skepsis gegenüber KI und warb dafür, Chancen für Produktivität, Industrie und neue Geschäftsmodelle stärker zu nutzen.

Dabei geht es nicht nur um Anwendungen für Kunden. Die Telekom will auch Anbieter von Infrastruktur werden, auf der Unternehmen KI-Modelle entwickeln und betreiben können.

Seit Februar betreibt der Konzern in München eine sogenannte Industrial AI Cloud. Dort stehen nach Unternehmensangaben rund 10.000 Nvidia-Grafikprozessoren zur Verfügung. Die Anlage erreicht laut Telekom eine Rechenleistung von bis zu 0,5 ExaFLOPS und richtet sich unter anderem an Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Stellen.

Auf der Digital X kündigte die Telekom an, diese Infrastruktur weiter auszubauen. Nach Angaben des Konzerns gebe es entsprechende Nachfrage. Die verschiedenen Cloud-Angebote sollen zudem stärker auf mittelständische Unternehmen zugeschnitten werden.

Telekom interessiert sich für europäische KI-Gigafactory

Ein weiterer Baustein ist das EU-Programm für sogenannte AI Gigafactories. Die zuständige europäische Organisation EuroHPC hat am 30. Juli ein Auswahlverfahren gestartet. Bewerbungen sind bis zum 12. November 2026 um 16 Uhr möglich. Gesucht werden Konsortien, die besonders große KI-Rechenzentren in Europa errichten und betreiben.

Die Deutsche Telekom arbeitet nach Aussagen Höttges an einer Beteiligung an diesem Verfahren. Gegenüber dem Handelsblatt machte der Konzernchef deutlich, dass das Unternehmen bereit sei, erhebliche Mittel für ein solches Projekt einzusetzen. Ein Zuschlag liegt jedoch noch nicht vor. Die Bewerbungsfrist läuft noch, anschließend sollen die eingereichten Projekte bewertet werden.

Die von EuroHPC geplanten Anlagen sollen deutlich größer werden als bestehende europäische KI-Fabriken. Vorgesehen sind Einrichtungen mit sehr hoher Rechenleistung, moderner KI-Hardware sowie energieeffizienten Rechenzentren. Das Ziel der EU ist es, europäischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden mehr eigene Kapazitäten für das Training und den Betrieb leistungsfähiger KI-Systeme bereitzustellen.

Kapitalrückgabe und Investitionen laufen parallel

Dass die Telekom gleichzeitig Milliarden für Aktienrückkäufe bereitstellt und zusätzliche Investitionen in KI-Infrastruktur vorbereitet, ist kein unmittelbarer Widerspruch. Das Unternehmen verfügt nach seinen Halbjahreszahlen über hohe Mittelzuflüsse. Im zweiten Quartal 2026 lag der bereinigte Free Cashflow AL bei fünf Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr hob die Telekom ihre Prognose zuletzt auf rund 20 Milliarden Euro an.

Der Aktienrückkauf ist damit Teil der Kapitalpolitik gegenüber den Anteilseignern, während Investitionen in Rechenzentren auf künftige Geschäftsfelder zielen. Ob die geplanten KI-Projekte langfristig zusätzliche Erträge in größerem Umfang liefern, lässt sich derzeit nicht beurteilen.

Fest steht dagegen, dass die Telekom ihren Anspruch ausweitet. Der Konzern will nicht mehr nur Netze und klassische Cloud-Dienste anbieten, sondern auch einen größeren Teil der technischen Infrastruktur bereitstellen, die für industrielle KI-Anwendungen benötigt wird.

Für Deutschland und Europa berührt diese Strategie zugleich eine wirtschaftspolitische Debatte. Viele besonders leistungsfähige Cloud- und KI-Dienste stammen bislang von US-Konzernen. Die EU versucht deshalb, eigene Rechenkapazitäten aufzubauen. Die Telekom positioniert sich in diesem Markt frühzeitig als möglicher Betreiber und Partner. Ob sie bei einer europäischen AI Gigafactory tatsächlich zum Zuge kommt, entscheidet sich erst nach Abschluss des laufenden Vergabeverfahrens.

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