
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt eine russische Armeetasse im Büro des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider für eine politische und mediale Debatte. Der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Tasse in seinem Wahlkreisbüro in Querfurt steht. Nach seiner Darstellung handelt es sich um ein Mitbringsel von einer Russlandreise aus dem Jahr 2023 oder 2024. Eine besondere politische Bedeutung verbinde er mit dem Gegenstand nicht. Die Kritik an der russischen Armeetasse im Büro wies Tillschneider zurück.
Tillschneider erklärte gegenüber dpa zudem, er habe die Veröffentlichung der Aufnahmen verhindern wollen, weil er das Verhalten des Journalisten Paul Ronzheimer und dessen Teams während des Termins als unangemessen empfunden habe. Damit bestätigte Tillschneider selbst, dass er gegen eine Veröffentlichung vorgehen wollte. Nach Darstellung Ronzheimers und von Bild sei dabei auch ein Anwalt eingeschaltet worden.
Ausgangspunkt der Debatte waren Dreharbeiten für eine Reportage von Paul Ronzheimer im Vorfeld der Landtagswahl. Nach Darstellung von Bild empfing Tillschneider den Journalisten und dessen Kamerateam in seinem Wahlkreisbüro in Querfurt und zeigte ihnen dort verschiedene Gegenstände. Dabei sei eine schwarze Tasse mit rotem Stern und kyrillischer Beschriftung aufgefallen, die auf die russische Armee verweist.
Ronzheimer sprach Tillschneider während der Aufnahmen auf die Tasse an. Tillschneider erklärte nach den veröffentlichten Aufnahmen sinngemäß, sie sei ihm geschenkt worden und stehe deshalb weiterhin im Büro. Er sehe darin nichts Besonderes. Auf den Hinweis auf den russischen Angriff gegen die Ukraine habe er zudem deutlich gemacht, dass er den Krieg nicht als deutschen Krieg betrachte. Diese Aussagen wurden später auch in der dpa-Berichterstattung wiedergegeben.
Die russische Armeetasse im Büro wurde anschließend zum Gegenstand einer breiteren politischen Berichterstattung. Dass die Tasse dort stand und dass Tillschneider sie als Geschenk beziehungsweise Mitbringsel bezeichnete, ist durch seine eigene Stellungnahme bestätigt. Weitergehende Interpretationen über persönliche Loyalitäten oder politische Motive sind dagegen Bewertungen einzelner Kommentatoren und lassen sich aus der Tasse allein nicht ableiten.
Nach Darstellung von Paul Ronzheimer habe Tillschneider nach dem Termin versucht, eine Veröffentlichung der Aufnahmen zu verhindern. Ronzheimer wertete dieses Vorgehen als problematisch für die Pressefreiheit und machte deutlich, dass er an der Veröffentlichung festhalten werde. Bild berichtete ebenfalls, Tillschneider habe anwaltlich gegen die geplante Veröffentlichung vorgehen wollen.
Tillschneider selbst stellte den Vorgang anders dar. Gegenüber dpa begründete er seinen Wunsch nach einer Unterbindung der Veröffentlichung nicht mit der Tasse, sondern mit dem Verhalten Ronzheimers und seines Teams während der Dreharbeiten.
Politisch bekommt der Vorgang zusätzliche Aufmerksamkeit, weil Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 einen neuen Landtag wählt. Die AfD liegt nach mehreren aktuellen Umfragen deutlich vor den übrigen Parteien. Reuters berichtete zuletzt von Werten um 41 Prozent für die AfD. Spitzenkandidat der Partei ist Ulrich Siegmund. Andere im Landtag vertretene Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD bislang ausgeschlossen.
Tillschneider gehört zu den führenden AfD-Politikern im Land. Der Landtag führt ihn als stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Fraktion. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt stuft den Landesverband der AfD seit November 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein. Diese Einstufung bezieht sich auf den Landesverband und ist nicht mit einer individuellen Bewertung jedes einzelnen Mitglieds gleichzusetzen.
Die Diskussion um die Tasse trifft zugleich auf eine politische Programmatik, in der Russland eine erkennbare Rolle spielt. Im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt fordert die Partei unter anderem bessere Beziehungen zu Russland, einen Ausbau beziehungsweise Erhalt des Russischunterrichts sowie ein Ende energiepolitischer Sanktionen und die Wiederaufnahme von Energieimporten aus Russland. Diese Forderungen sind offizielle politische Positionen der Partei und stehen unabhängig von der aktuellen Debatte um Tillschneider.
Damit berührt der Vorgang kurz vor der Wahl zwei unterschiedliche Fragen. Zum einen geht es um die Bedeutung eines militärischen Souvenirs im Büro eines führenden Landespolitikers. Zum anderen geht es um den Umgang eines Politikers mit der Veröffentlichung journalistischer Aufnahmen. Tillschneider weist eine besondere Bedeutung der Tasse zurück und führt seinen Versuch, die Veröffentlichung zu verhindern, auf das Verhalten des Reporterteams zurück. Ronzheimer wiederum bewertet das Vorgehen als Konflikt mit der Pressefreiheit. Beide Positionen sind öffentlich dokumentiert.
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