
US-Präsident Donald Trump will mit zusätzlichen Rindfleischimporten gegen die hohen Preise in amerikanischen Supermärkten vorgehen. Für einen Zeitraum von 90 Tagen sollen bis zu 300.000 Tonnen Rindfleisch, das zur Herstellung von Hackfleisch bestimmt ist, in die Vereinigten Staaten eingeführt werden können, ohne dass der übliche höhere Außerkontingentzoll anfällt. Die Ankündigung sorgt jedoch für erheblichen Widerstand bei amerikanischen Viehzüchtern und auch innerhalb der Republikanischen Partei.
Trump stellte die Maßnahme am Freitag, 21. August, öffentlich vor. Nach seinen Angaben sollen während der kommenden 90 Tage bis zu 300.000 Tonnen zusätzliches Rindfleisch eingeführt werden können, ohne dass die außerhalb bestehender Einfuhrkontingente geltenden höheren Zölle erhoben werden.
Nach Angaben eines Vertreters des Weißen Hauses handelt es sich vor allem um mageres Rindfleisch beziehungsweise Fleischabschnitte, die in den USA mit fetterem Fleisch vermischt und anschließend zu Hackfleisch verarbeitet werden. Eine entsprechende Executive Order soll nach Angaben des Weißen Hauses innerhalb von zwei Wochen unterzeichnet werden. Die konkrete rechtliche Ausgestaltung war unmittelbar nach der Ankündigung deshalb noch nicht vollständig veröffentlicht.
Trump erklärte zudem, es gebe eine Zusage ausländischer Anbieter, das betreffende Fleisch zu einem Preis von 25 Prozent unter dem aktuellen Marktpreis anzubieten. Welche Unternehmen oder Staaten diese Zusage gegeben haben, wurde zunächst nicht genannt. Auch blieb offen, wie sichergestellt werden soll, dass die Preisdifferenz vollständig bei amerikanischen Verbrauchern ankommt.
Der politische Druck entsteht vor allem durch die hohen Lebensmittelpreise. Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums lag die allgemeine Inflationsrate im Juli bei 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Lebensmittel waren im Durchschnitt 3,0 Prozent teurer. Bei Rindfleisch fiel der Preisanstieg jedoch wesentlich stärker aus.
Rind- und Kalbfleisch kosteten im Juli durchschnittlich 9,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei ungekochtem Rinderhack lag der Anstieg bei 9,0 Prozent, bei Steaks bei 9,6 Prozent und bei Braten sogar bei 13,5 Prozent. Im Vergleich zum Juni gingen die Preise für Hackfleisch allerdings zuletzt um 1,6 Prozent zurück.
Der durchschnittliche Verkaufspreis für Rinderhack lag im Juli bei rund 6,89 Dollar je Pfund. Damit bleibt das Produkt für amerikanische Haushalte deutlich teurer als noch vor einigen Jahren.
Hinter den hohen Preisen steht vor allem ein knappes Angebot. Zum Jahresbeginn 2026 hielten amerikanische Betriebe nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums rund 86,2 Millionen Rinder und Kälber. Davon waren etwa 27,6 Millionen Fleischrinderkühe. Der Bestand lag damit erneut unter dem Vorjahreswert.
Die amerikanische Rinderhaltung befindet sich seit Jahren in einer Phase niedriger Bestände. Das Landwirtschaftsministerium hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass die Tierzahlen auf einem Niveau liegen, das zuletzt Anfang der 1950er-Jahre erreicht worden war. Jahrelange Trockenperioden, hohe Kosten sowie der Abbau von Herden haben das Angebot verknappt. Da der Aufbau einer Rinderherde mehrere Jahre benötigt, lässt sich die Produktion nicht kurzfristig stark erhöhen.
Auch für die zweite Jahreshälfte erwartet das Landwirtschaftsministerium ein begrenztes Angebot. Die USDA-Prognose vom August geht von einer langsameren Schlachtung und weiterhin knappen Tierbeständen aus. Gleichzeitig wurden die Erwartungen für Rindfleischimporte nach oben korrigiert.
Genau deshalb stößt Trumps Plan bei amerikanischen Ranchern auf Widerstand. Die National Cattlemen’s Beef Association kritisierte, kurzfristige Eingriffe könnten den Wiederaufbau der heimischen Herden erschweren. Auch die United States Cattlemen’s Association lehnt die Maßnahme ab und sieht amerikanische Produzenten durch zusätzliche Billigimporte unter Druck.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen den Zeitpunkt. Hohe Rinderpreise schaffen für Betriebe grundsätzlich einen Anreiz, mehr Tiere für die Zucht zurückzuhalten und die Herden wieder auszubauen. Sinkende Marktpreise könnten diesen Prozess aus Sicht der Verbände bremsen.
Wie stark 300.000 Tonnen zusätzliches Importfleisch den Gesamtmarkt tatsächlich beeinflussen, ist allerdings umstritten. Agrarökonom Glynn Tonsor von der Kansas State University bezifferte das Volumen auf ungefähr drei Prozent des jährlichen amerikanischen Rindfleischverbrauchs. Andere Experten bezweifeln zudem, dass eine derart große zusätzliche Menge innerhalb von nur drei Monaten überhaupt kurzfristig auf dem Weltmarkt beschafft werden kann.
Der Widerstand reicht bis in Trumps eigene Partei. Der republikanische Senator Tim Sheehy aus Montana erklärte, er habe dem Präsidenten bereits von einer solchen Maßnahme abgeraten. Nach seiner Einschätzung erschweren zusätzliche Importe amerikanischen Ranchern den Wiederaufbau der Bestände.
Auch Senator Pete Ricketts aus Nebraska zeigte sich skeptisch. Er unterstützt zwar das Ziel niedrigerer Lebensmittelpreise, warnte aber davor, kurzfristige Eingriffe mit einer dauerhaften Lösung für den Rindfleischmarkt gleichzusetzen.
Der Konflikt ist für Trump politisch heikel, weil Viehzuchtregionen wie Montana, Nebraska und Teile der Great Plains traditionell stark republikanisch geprägt sind.
Die neue Maßnahme ist nicht der erste Eingriff der Regierung in den Rindfleischmarkt. Bereits im Februar hatte Trump die zollbegünstigte Einfuhrquote für mageres argentinisches Rindfleisch um 80.000 Tonnen erhöht. Diese Menge wurde auf vier Quartale mit jeweils 20.000 Tonnen verteilt.
Außerhalb der geltenden Zollkontingente kann für bestimmte gefrorene, knochenlose Rindfleischimporte grundsätzlich ein Zollsatz von 26,4 Prozent anfallen. Genau dieser zusätzliche Außerkontingentzoll soll bei der nun angekündigten Sonderregelung für die zusätzlichen Mengen nicht greifen.
Parallel verändert sich auch der Handel mit Mexiko. Das US-Landwirtschaftsministerium will ab dem 24. August den Grenzübergang Douglas in Arizona schrittweise wieder für lebende Rinder aus Mexiko öffnen. Die Einfuhren waren wegen des Risikos durch die Neuwelt-Schraubenwurmfliege eingeschränkt worden. Jedes eingeführte Tier soll nach USDA-Angaben kontrolliert werden.
Ob Trumps 90-Tage-Regelung Hackfleisch an amerikanischen Supermarkttheken tatsächlich deutlich verbilligt, lässt sich aus der angekündigten Importmenge allein nicht ableiten. Zwischen dem Einkaufspreis des importierten Rohmaterials und dem Endpreis im Supermarkt liegen Verarbeitung, Transport, Handelsspannen und regionale Unterschiede.
Fest steht jedoch, dass die Regierung mit der Maßnahme auf einen besonders sichtbaren Teil der Lebensmittelinflation reagiert. Während die Lebensmittelpreise insgesamt zuletzt deutlich langsamer stiegen, verteuerte sich Rindfleisch weiterhin erheblich stärker als der durchschnittliche Warenkorb.
Damit prallen zwei Ziele unmittelbar aufeinander: kurzfristig niedrigere Preise für Verbraucher und langfristig bessere Bedingungen für den Wiederaufbau der amerikanischen Rinderbestände. Genau dieser Zielkonflikt erklärt den ungewöhnlich deutlichen Widerstand aus einer Branche, die politisch traditionell eng mit den Republikanern verbunden ist.
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