Illegales Tuner-Treffen in Wittlich: Polizei ermittelt nach Angriffen

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Nach Angriffen bei Tuner-Treffen in Wittlich laufen Ermittlungen

Nach einem nicht genehmigten Tuning-Treffen mit mehr als 1.000 Menschen in Wittlich in Rheinland-Pfalz hat die Polizei ihre Ermittlungen ausgeweitet. Vermummte Personen hatten nach Angaben des Polizeipräsidiums Trier in der Nacht zum Sonntag eingesetzte Beamte und Polizeifahrzeuge attackiert. Verletzt wurde dabei nach dem inzwischen aktualisierten Ermittlungsstand niemand. Die Polizei richtete am Montag eine eigene Ermittlungsgruppe ein. Mehr als 200 Hinweise aus der Bevölkerung lagen den Ermittlern bis zum Nachmittag bereits vor.

Das illegale Tuning-Treffen in Wittlich hatte am Samstagabend, 19. September 2026, auf einem Firmengelände stattgefunden. Gegen 23 Uhr erhielt die Polizei nach eigenen Angaben Kenntnis von der Zusammenkunft. Auf dem Gelände befanden sich mehrere hundert Fahrzeuge und nach Schätzung der Polizei eine vierstellige Zahl von Menschen.

Erste Polizeikräfte ziehen sich nach Angriffen zurück

Als die ersten Einsatzkräfte auf dem Firmengelände eintrafen, wurden sie nach Angaben der Polizei unmittelbar von vermummten Personen sowie gegen die Einsatzfahrzeuge gerichteten Angriffen betroffen. Die Beamten zogen sich zunächst zurück. An den Dienstfahrzeugen entstand Sachschaden. Am Montag stellte die Polizei ausdrücklich klar, dass bei diesen Angriffen keine Beamten verletzt wurden.

Im weiteren Verlauf zog das Polizeipräsidium Kräfte umliegender Dienststellen und der Bereitschaftspolizei zusammen. Kontrollstellen sollten verhindern, dass weitere Personen zu dem Treffen anreisten, und zugleich die Abreise kontrollierbar machen. Auch ein Polizeihubschrauber, eine Drohne des Landkreises und Einsatzkräfte der Feuerwehr waren beteiligt.

Insgesamt kontrollierte die Polizei nach ihrer ersten Einsatzbilanz 70 Personen und Fahrzeuge. Dabei wurden verschiedene Beweismittel sichergestellt, darunter zwei Fahrzeuge. Eine Zahl zu ausgesprochenen Platzverweisen veröffentlichte die Polizei zunächst nicht. Ebenso lag bis Montagabend keine abschließende Zahl einzelner Strafanzeigen vor.

Sachbeschädigungen, Feuerwerk und Drifts auf dem Gelände

Nach Angaben des Polizeipräsidiums wurden auf und neben dem Firmengelände mehrere Sachen beschädigt. Dazu gehörten Beleuchtungseinrichtungen, Firmenfahrzeuge und Schranken benachbarter Grundstücke. Zudem wurden Mülleimer angezündet und mehrfach Feuerwerkskörper abgebrannt. Fahrzeuge wurden für sogenannte Drifts genutzt. Personen sollen außerdem über das Dach eines Firmengebäudes und über abgestellte Lastwagen gelaufen sein.

Die Höhe des entstandenen Sachschadens war am Montag noch nicht beziffert. Kriminaltechniker sicherten am Sonntag Spuren auf dem Gelände. Das Polizeipräsidium Trier richtete anschließend bei der Kriminalinspektion Wittlich eine Ermittlungsgruppe ein. Bis Montagnachmittag waren dort nach Behördenangaben bereits mehr als 200 Hinweise eingegangen.

Die Ermittlungen richten sich unter anderem auf den Verdacht des Landfriedensbruchs und der Sachbeschädigung sowie auf weitere mögliche Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Wer für einzelne Handlungen verantwortlich war, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die Polizei hat deshalb ein Hinweisportal eingerichtet, über das auch Fotos und Videos anonym übermittelt werden können.

Viele kontrollierte Fahrzeuge kamen aus Nachbarländern

Nach Angaben der Polizei stammte ein großer Teil der in der Nacht kontrollierten Personen und Fahrzeuge aus angrenzenden Staaten. Genannt wurden vor allem Frankreich, Belgien und Luxemburg. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wer an den Angriffen oder Sachbeschädigungen beteiligt war. Die Zuordnung einzelner Straftaten ist Teil der laufenden Ermittlungen.

Wer das Treffen organisiert hatte, war zunächst ebenfalls nicht offiziell geklärt. Angaben in sozialen Netzwerken zu möglichen Organisatoren oder Gruppen waren bis Montag nicht behördlich bestätigt.

Anwohner berichten von erheblichem Lärm

Das Treffen war auch außerhalb des Gewerbegebiets deutlich wahrnehmbar. Eine Anwohnerin aus dem Wittlicher Stadtteil Bombogen schilderte dem SWR, sie sei in der Nacht durch einen lauten Knall geweckt worden und habe anschließend Rufe und quietschende Reifen gehört. Ihr Hof liegt nach Angaben des Senders rund zwei Kilometer vom betroffenen Firmengelände entfernt. Sie äußerte sich beunruhigt über die Ereignisse.

Der SWR beschrieb die Vorgänge auf dem Gelände angesichts von Drifts, Feuerwerk und Beschädigungen bildhaft als Szenen, die an einen Actionfilm erinnerten. Dabei handelt es sich um eine journalistische Beschreibung des Senders, nicht um eine amtliche Einordnung der Polizei. Die von der Polizei bestätigten Vorgänge sind die gefährlichen Fahrmanöver, das Abbrennen von Feuerwerk, Sachbeschädigungen und die Angriffe auf die ersten Einsatzkräfte.

Stadt verweist auf bisher unauffällige Tuning-Szene

Wittlichs Erste Beigeordnete Elfriede Meurer erklärte gegenüber dem SWR, dass es mit der örtlichen Tuning-Szene bislang keine vergleichbaren Probleme gegeben habe. Nach ihrer Darstellung seien Autofans der Szene in Wittlich bisher nicht durch illegale Aktionen aufgefallen. Auch ein Tuning-Verein aus der Region distanzierte sich gegenüber dem Sender von den Vorfällen.

Eine pauschale Zuordnung der Angriffe zur gesamten Tuning-Szene wäre daher nicht gerechtfertigt. Gegenstand der Ermittlungen sind konkrete Handlungen einzelner bislang nicht abschließend identifizierter Personen während des Treffens.

Ermittlungsgruppe wertet mehr als 200 Hinweise aus

Für die Kriminalpolizei steht nun vor allem die Auswertung der Spuren, Videos, Fotos und Zeugenaussagen im Mittelpunkt. Die Ermittlungsgruppe bei der Kriminalinspektion Wittlich soll klären, welche Personen für Angriffe und Sachbeschädigungen verantwortlich waren und welche weiteren Verstöße sich nachweisen lassen.

Offen waren am Montagabend weiterhin die endgültige Schadenshöhe und die Zahl der Verfahren gegen konkret identifizierte Personen. Auch eine abschließende Bilanz möglicher Platzverweise, Anzeigen oder weiterer Sicherstellungen hatte die Polizei bis dahin nicht veröffentlicht.

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