Ubisoft im Umbau: Neue Schwellenmeldungen bei Großbanken

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Bei Ubisoft verschiebt sich derzeit nicht nur die operative Struktur. Auch bei mehreren institutionellen Großpositionen gibt es Bewegung. JPMorgan bewegte sich im September mehrfach um die Schwelle von zehn Prozent des Kapitals beziehungsweise der Stimmrechte, Goldman Sachs fiel zuletzt wieder unter zehn Prozent des Kapitals. Gleichzeitig versucht der französische Spielekonzern, seine finanzielle Lage nach hohen Verlusten zu stabilisieren. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Ubisoft und Tencent sowie die neue Tochtergesellschaft Vantage Studios.

Die Ubisoft-Aktie notierte beim Abruf am Dienstag, 22. September 2026, um 16:38 Uhr MESZ bei Bourse Direct bei 5,476 Euro. Der Anbieter kennzeichnet den Euronext-Paris-Kurs als um 15 Minuten verzögert. Gegenüber dem vorherigen Schlusskurs entsprach das einem Plus von 2,97 Prozent.

JPMorgan fällt unter zehn Prozent und steigt wieder darüber

Die jüngsten Schwellenmeldungen zeigen, wie schnell sich größere institutionelle Positionen bei Ubisoft verändern können. JPMorgan Chase meldete für den 15. September zunächst 13.824.407 Ubisoft-Aktien. Das entsprach 10,15 Prozent des Kapitals und 9,34 Prozent der Stimmrechte. Damit war der Konzern unter die Schwelle von zehn Prozent der Stimmrechte gefallen. Einen Tag später lagen JPMorgan 13.178.307 Aktien beziehungsweise 9,67 Prozent des Kapitals und 8,90 Prozent der Stimmrechte zugerechnet.

Diese Zahlen dürfen nicht mit einer klassischen strategischen Beteiligung gleichgesetzt werden. In die JPMorgan-Position flossen unter anderem Optionen, Equity Swaps und weitere zugerechnete Finanzinstrumente ein. Die Schwellenmitteilung nennt sowohl Aktienverkäufe als auch Veränderungen bei solchen zugerechneten Beständen als Ursache. Die AMF weist zudem darauf hin, dass die Angaben in der Verantwortung des Meldenden stehen und ihre Veröffentlichung keine inhaltliche Prüfung durch die Behörde bedeutet.

Für den 17. September wurde anschließend bereits die nächste Bewegung gemeldet. JPMorgan soll die Schwelle von zehn Prozent des Kapitals wieder überschritten haben und 10,06 Prozent des Kapitals sowie 9,26 Prozent der Stimmrechte gehalten haben. Als Ursache wurden ein Aktienkauf am Markt und eine Zunahme zugerechneter Positionen genannt.

Auch Goldman Sachs bewegte sich zuletzt um diese Marke. Für den 14. September wurde ein Rückgang unter zehn Prozent des Kapitals gemeldet. Die Position lag demnach bei 13.510.462 Aktien, entsprechend 9,92 Prozent des Kapitals und 9,13 Prozent der Stimmrechte. Die Schwellenbewegung wurde mit einer außerbörslichen Veräußerung erklärt.

Dass solche Werte nicht automatisch einen strategischen Einstieg anzeigen, zeigt eine frühere Goldman-Sachs-Meldung aus dem Sommer. Damals erklärte die Bank bei einer deutlich größeren gemeldeten Position ausdrücklich, keine Kontrolle über Ubisoft anzustreben. Die Bestände standen laut Erklärung vor allem im Zusammenhang mit Kundenaktivitäten.

Tencent sitzt an zwei Stellen im Ubisoft-Gefüge

Anders gelagert ist die Rolle von Tencent. Der chinesische Technologiekonzern hält direkt Aktien von Ubisoft und ist zugleich Minderheitsgesellschafter von Vantage Studios.

In einer Schwellenmeldung mit Stand vom 27. Mai 2026 waren Tencent Mobility Limited 12.727.585 Ubisoft-Aktien zugeordnet. Das entsprach damals 9,44 Prozent des Kapitals und 8,53 Prozent der Stimmrechte. Gemeinsam mit dem Guillemot-Familienverbund kam das bestehende Aktionärsbündnis auf 23,36 Prozent des Kapitals und 28,79 Prozent der Stimmrechte.

Davon getrennt ist Tencents Engagement bei Vantage Studios. Tencent investierte im November 2025 rund 1,16 Milliarden Euro in die Ubisoft-Tochter. Vantage bündelt die Marken Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six. Tencent erhielt 26,32 Prozent der Gesellschaft, Ubisoft behielt 73,68 Prozent sowie die alleinige Kontrolle und Konsolidierung. Der vor der Investition angesetzte Unternehmenswert von Vantage lag bei 3,8 Milliarden Euro.

Tencent verfügt dort über übliche Minderheitenschutzrechte und Zustimmungsrechte bei bestimmten bedeutenden Vermögensverkäufen. Vantage Studios ist damit keine von Tencent kontrollierte Gesellschaft.

Umsatz und Buchungen gehen weiter zurück

Der Kapitalzufluss half Ubisoft bei der Entschuldung, löste die operativen Probleme aber nicht. Im Geschäftsjahr 2025/26 lagen die IFRS-Umsätze bei 1,396 Milliarden Euro, 21,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Net Bookings sanken um 17,4 Prozent auf 1,525 Milliarden Euro. Das IFRS-Betriebsergebnis lag bei minus 1,322 Milliarden Euro, auf Non-IFRS-Basis bei minus 1,045 Milliarden Euro.

Gleichzeitig verbesserte sich die Verschuldung deutlich. Die Non-IFRS-Nettoverschuldung lag Ende März 2026 bei 187 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es 885 Millionen Euro. Nach IFRS lag die Nettoverschuldung bei 449 Millionen Euro. Die liquiden Mittel beliefen sich auf 1,345 Milliarden Euro.

Auch das neue Geschäftsjahr begann rückläufig. Im ersten Quartal bis Ende Juni erreichte Ubisoft einen IFRS-Umsatz von 268,2 Millionen Euro, 13,7 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Die Net Bookings gingen um 9,2 Prozent auf 255,8 Millionen Euro zurück. Damit lagen sie allerdings etwas über der damaligen Unternehmensprognose von rund 250 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr 2026/27 bestätigte Ubisoft im Juli seine eigene Prognose. Das Unternehmen erwartet einen Rückgang der Net Bookings im hohen einstelligen Prozentbereich, eine negative Non-IFRS-Betriebsmarge im hohen einstelligen Prozentbereich sowie einen Free-Cashflow-Verbrauch von höchstens 500 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um Unternehmensziele, nicht um bereits feststehende Ergebnisse.

Sieben Projekte gestrichen, sechs Spiele verschoben

Der wirtschaftliche Umbau hat direkte Folgen für das Spieleportfolio. Im Januar hatte Ubisoft zunächst die Einstellung von sechs Projekten angekündigt, darunter das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time, vier unangekündigte Titel und ein Mobile-Spiel. Sieben weitere Projekte sollten zusätzliche Entwicklungszeit erhalten.

Bis zur Bilanzvorlage im Mai hatte sich die Einordnung verändert. Ubisoft sprach nun von sieben eingestellten und sechs verschobenen Projekten. Gleichzeitig sank die Belegschaft binnen eines Jahres um rund 1.200 auf 16.590 Beschäftigte. Die jährliche Fixkostenbasis ging um 118 Millionen Euro auf rund 1,435 Milliarden Euro zurück. Bis März 2028 will der Konzern sie nach eigener Planung auf rund 1,25 Milliarden Euro senken.

Einen wichtigen Erfolg verbuchte Vantage Studios im Juli mit Assassin’s Creed Black Flag Resynced. Das Spiel erschien am 9. Juli. Ubisoft meldete nach 14 Tagen 3,5 Millionen sogenannte Sold-in-Einheiten und erklärte, damit die eigenen Jahreserwartungen bereits überschritten zu haben. Sold-in bezeichnet dabei nicht zwingend ausschließlich Verkäufe an Endkunden.

Für den 1. Oktober ist nach der zuletzt veröffentlichten Spielepipeline Rayman Legends Retold vorgesehen, für den 13. Oktober Just Dance Decades of Hits.

Von 107,90 Euro auf rund 5,50 Euro

Die langfristige Entwicklung der Ubisoft-Aktie verdeutlicht das Ausmaß des Wertverlusts. 2016 legte das Papier noch um 26,73 Prozent zu, 2017 folgte ein Anstieg von 89,76 Prozent. Im Juli 2018 erreichte die Aktie mit 107,90 Euro ein damaliges Rekordhoch.

Danach drehte die Entwicklung. Besonders deutlich waren die Rückgänge 2021 mit 45,37 Prozent, 2022 mit 38,68 Prozent, 2024 mit 43,10 Prozent und 2025 mit 51,01 Prozent. Auf Zehnjahressicht liegt das Minus derzeit bei rund 84 Prozent.

Gemessen am Rekordhoch von 107,90 Euro liegt der aktuelle Kurs von rund 5,48 Euro inzwischen rund 95 Prozent niedriger. Der Konzern verfügt weiterhin über international bekannte Marken und hat seine Bilanz durch die Tencent-Transaktion deutlich entlastet. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Geschäftszahlen, die Projektstreichungen und die laufenden Kostensenkungen, wie tief der operative Umbau bei Ubisoft reicht.

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