UniCredit kommt bei Commerzbank voran: Jetzt entscheidet die EU über den nächsten Schritt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit erreicht eine weitere wichtige Phase. Nach dem Ende des öffentlichen Übernahmeangebots beschäftigt sich nun die Europäische Kommission mit dem Vorhaben. Bis zum 16. November 2026 soll die vorläufige wettbewerbsrechtliche Prüfung abgeschlossen sein. UniCredit hat sich inzwischen Zugriff auf knapp die Hälfte der Stimmrechte gesichert. Für Beschäftigte, Unternehmenskunden und Aktionäre bleiben jedoch wesentliche Fragen offen.

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EU-Kommission prüft die Übernahme der Commerzbank

Die italienische UniCredit hat ihr Vorhaben zum Erwerb der Commerzbank bei der Europäischen Kommission zur wettbewerbsrechtlichen Prüfung angemeldet. Die am Freitag, 9. Oktober, bekannt gewordene Anmeldung markiert einen weiteren Schritt in dem seit 2024 andauernden Übernahmekonflikt.

Die EU-Wettbewerbshüter haben den 16. November 2026 als Frist für eine erste Entscheidung vorgesehen. Die Kommission kann die Transaktion ohne Auflagen genehmigen, ihre Zustimmung an Bedingungen knüpfen oder eine vertiefte Untersuchung einleiten. Der Termin bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass bis dahin sämtliche Genehmigungsverfahren abgeschlossen sein werden.

Neben der wettbewerbsrechtlichen Prüfung sind bankaufsichtliche Anforderungen zu beachten. Die mögliche Zusammenführung zweier bedeutender europäischer Kreditinstitute betrifft damit nicht nur die Eigentümerstruktur, sondern auch die weitere Organisation des Bankgeschäfts.

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UniCredit sichert sich Zugriff auf fast 50 Prozent der Stimmrechte

Das öffentliche Übernahmeangebot der UniCredit endete Anfang Juli. Insgesamt wurden Aktien im Umfang von 17,6 Prozent des Commerzbank-Grundkapitals zum Umtausch angeboten. Das geht aus den endgültigen Ergebnissen hervor, die UniCredit am 8. Juli veröffentlichte.

Zusammen mit den bereits direkt gehaltenen 26,77 Prozent und weiteren 3,22 Prozent, auf die sich UniCredit über Finanzinstrumente Zugriff gesichert hat, ergibt sich eine rechnerische Beteiligung von 47,59 Prozent. Da eigene Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt sind, entspricht dies nach Berechnungen der italienischen Bank 49,65 Prozent der Stimmrechte.

Der tatsächliche Übergang der angedienten Aktien ist allerdings noch von behördlichen Genehmigungen abhängig. Die strategische und operative Führung der Commerzbank liegt weiterhin bei ihrem eigenen Vorstand. Eine vollständige Übernahme oder Verschmelzung ist damit noch nicht beschlossen.

Die Commerzbank verweist außerdem darauf, dass UniCredit mit einer Beteiligung von knapp 50 Prozent nicht allein über grundlegende Strukturmaßnahmen entscheiden kann. Für einen Beherrschungsvertrag oder den Ausschluss verbliebener Minderheitsaktionäre gelten höhere gesetzliche Mehrheitserfordernisse.

Commerzbank hält an ihrer Eigenständigkeit fest

Trotz der weitreichenden Beteiligung der UniCredit verfolgt die Commerzbank weiterhin ihre eigene Unternehmensstrategie. Vorstandschefin Bettina Orlopp setzt auf das Wachstumsprogramm Momentum 2030, das steigende Gewinne, eine höhere Rentabilität und weitere Effizienzsteigerungen vorsieht.

Die wirtschaftliche Entwicklung liefert dem Management Argumente für diesen Kurs. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte die Commerzbank einen Nettogewinn von rund 1,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr erwartet die Bank einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro. Zusätzlich hat sie im September einen weiteren Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro gestartet.

Vorstand und Aufsichtsrat hatten den Aktionären im Mai empfohlen, das UniCredit-Angebot abzulehnen. Sie kritisierten insbesondere eine aus ihrer Sicht unzureichende Übernahmeprämie und fehlende Klarheit über den wirtschaftlichen Nutzen eines Zusammenschlusses.

UniCredit verfolgt dagegen weiterhin das Ziel, durch ihre Beteiligung eine engere Zusammenarbeit zu ermöglichen. Beide Institute haben ihre grundsätzliche Gesprächsbereitschaft deutlich gemacht. Eine verbindliche Vereinbarung über eine vollständige Integration liegt bislang nicht vor.

Beschäftigte fürchten zusätzliche Stellenstreichungen

Für die Beschäftigten stellt sich vor allem die Frage, welche Auswirkungen eine spätere Zusammenführung der Institute auf Arbeitsplätze und Standorte hätte.

Die Gewerkschaft Verdi lehnt eine Übernahme der Commerzbank durch UniCredit ab. Sie warnt vor erheblichen Arbeitsplatzverlusten bei beiden Banken. Hintergrund ist unter anderem die bereits bestehende Präsenz der UniCredit in Deutschland durch die HypoVereinsbank. Bei einer Zusammenführung könnten sich Aufgaben in Verwaltung, Technik und anderen zentralen Bereichen überschneiden.

Die Befürchtungen der Gewerkschaft sind jedoch nicht mit einem beschlossenen Stellenabbau infolge der Übernahme gleichzusetzen. Eine verbindliche Personalplanung für einen gemeinsamen Konzern ist bislang nicht bekannt.

Unabhängig von den UniCredit-Plänen baut die Commerzbank bereits selbst Arbeitsplätze ab. Im Februar 2025 kündigte das Institut den Abbau von rund 3.900 Vollzeitstellen bis 2028 an. Im Mai 2026 stellte die Bank im Rahmen ihrer erweiterten Strategie weitere rund 3.000 wegfallende Stellen bis 2030 in Aussicht.

Diesen Maßnahmen stehen teilweise Neueinstellungen in Wachstumsbereichen gegenüber. Die Bank setzt beim Personalumbau unter anderem auf Altersteilzeit, Vorruhestand und natürliche Fluktuation. Mit den Arbeitnehmervertretungen wurden entsprechende Rahmenregelungen vereinbart.

Mittelstandskunden könnten von einer Neuordnung betroffen sein

Für die deutsche Wirtschaft ist die Zukunft der Commerzbank besonders relevant. Das Institut gehört zu den wichtigsten Finanzierungspartnern mittelständischer Unternehmen und betreut nach eigenen Angaben rund 24.000 Firmenkundenverbünde.

Zum Geschäft gehören klassische Unternehmenskredite, Zahlungsverkehr, Außenhandelsfinanzierung und die Begleitung international tätiger Unternehmen. Im ersten Quartal 2026 erreichte das Kreditvolumen im Firmenkundengeschäft rund 120 Milliarden Euro. Das entsprach einem Anstieg um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Eine spätere Integration in den UniCredit-Konzern könnte Veränderungen bei Zuständigkeiten, Kreditentscheidungen und der Organisation der Kundenbetreuung mit sich bringen. Welche Anpassungen tatsächlich vorgesehen wären, ist bislang nicht verbindlich festgelegt.

Für bestehende Kunden gibt es zunächst keine unmittelbaren Änderungen. Die Commerzbank betont, dass der Übernahmeprozess ihr Tagesgeschäft nicht beeinträchtigt. Produkte und Dienstleistungen stehen weiterhin zur Verfügung. Ein automatischer Wechsel von Konten, Verträgen oder Ansprechpartnern ist mit der bisherigen Beteiligungsentwicklung nicht verbunden.

Aktionäre müssen zwischen zwei Strategien abwägen

Für die Anteilseigner hat das Übernahmeverfahren bereits konkrete Folgen. Das UniCredit-Angebot sah vor, Commerzbank-Aktien gegen Aktien der italienischen Bank zu tauschen. Je Commerzbank-Aktie wurden 0,485 UniCredit-Aktien angeboten.

Die Annahmefrist ist inzwischen abgelaufen. Aktionäre können dieses Angebot daher nicht mehr nachträglich annehmen. Wer seine Commerzbank-Aktien behalten hat, bleibt weiterhin unmittelbar an dem Frankfurter Institut beteiligt.

Die beiden Banken beurteilen den bisherigen Verlauf unterschiedlich. Während UniCredit die erreichte Annahmequote als Erfolg ihres Übernahmeangebots wertet, bezweifelt die Commerzbank, dass sich daraus eine breite Unterstützung unabhängiger Anleger ableiten lässt.

Für verbleibende Aktionäre sind insbesondere die zukünftige Dividendenpolitik, Aktienrückkäufe und mögliche weitere Strukturmaßnahmen relevant. Ein automatischer Ausschluss von Minderheitsaktionären ist durch die bisher erreichte Beteiligung nicht möglich.

Bundesregierung bleibt wichtiger Akteur

Auch die Bundesregierung spielt bei der möglichen Commerzbank-Übernahme weiterhin eine Rolle. Der Bund hält nach Angaben vom Oktober rund 13,3 Prozent der Anteile an der Bank. Die Beteiligung geht auf die staatliche Unterstützung während der internationalen Finanzkrise zurück.

Die Bundesregierung hatte sich gegen das Übernahmeangebot in seiner bisherigen Form ausgesprochen und ihre Unterstützung für eine eigenständige Commerzbank bekräftigt. Dabei verwies sie insbesondere auf die Bedeutung des Instituts für den deutschen Mittelstand, die Beschäftigten und den Finanzplatz Frankfurt.

Gleichzeitig berührt der Fall eine grundsätzliche europäische Frage: Die Europäische Union strebt einen stärker integrierten Bankenmarkt an, in dem auch grenzüberschreitende Zusammenschlüsse möglich sein sollen. Nationale wirtschaftliche Interessen und die Pläne international tätiger Banken stehen dabei nicht immer im Einklang.

Entscheidung im November bringt weitere Klarheit

Mit der Anmeldung bei der EU-Kommission geht das Übernahmeverfahren in eine wichtige regulatorische Phase. Eine wettbewerbsrechtliche Freigabe könnte UniCredit den Weg für weitere Schritte erleichtern. Sie würde jedoch weder eine vollständige Verschmelzung automatisch auslösen noch bereits verbindliche Entscheidungen über Arbeitsplätze oder das künftige Geschäftsmodell bedeuten.

Sollte die Kommission eine vertiefte Untersuchung einleiten, könnte sich das Verfahren verlängern. Hinzu kommen die weiterhin maßgeblichen bankaufsichtlichen Genehmigungen.

Für Beschäftigte, Kunden und Anleger bleibt damit die Unterscheidung zwischen Eigentumsverhältnissen und tatsächlicher Unternehmensführung entscheidend. UniCredit hat ihre Position bei der Commerzbank erheblich ausgebaut. Über die endgültige Struktur eines möglichen gemeinsamen Bankenkonzerns ist dagegen noch nicht entschieden.

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