
UniCredit-Chef Andrea Orcel wirbt mit neuen Zusagen um das Vertrauen deutscher Unternehmen. In einer am Freitag, 30. Oktober 2026, bekannt gewordenen schriftlichen Erklärung kündigte der Vorstandschef der italienischen Großbank an, das Firmenkundengeschäft in Deutschland stärken zu wollen. Hintergrund ist die angestrebte Übernahme der Commerzbank. Nachdem die Europäische Zentralbank eine wichtige Beteiligungshürde freigegeben hat, rückt die mögliche Kontrollübernahme näher.
UniCredit will die Betreuung von Unternehmen nach Orcels Darstellung ausweiten. Dabei sollen die vorhandenen Geschäftsbeziehungen und Beratungsstrukturen der Commerzbank und der Hypovereinsbank genutzt und weiterentwickelt werden. Die Hypovereinsbank gehört bereits seit 2005 zum italienischen Konzern.
UniCredit verweist außerdem auf ihre Aktivitäten in 14 europäischen Märkten. Dadurch könnten deutsche Unternehmen nach Ansicht der Bank einen besseren Zugang zu zusätzlichen Märkten, internationalem Fachwissen und neuen Geschäftsmöglichkeiten erhalten.
Orcel erklärte, persönlich für die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen einzustehen. Wie sich die Pläne konkret auf Firmenkundenstandorte und die Organisation der Betreuung auswirken würden, blieb zunächst offen.
Die Bedeutung des Firmenkundengeschäfts geht über gewöhnliche Bankdienstleistungen hinaus. Mittelständische Unternehmen benötigen neben Krediten häufig Unterstützung beim Zahlungsverkehr, bei Währungsrisiken und bei Geschäften im Ausland.
Die Commerzbank bezeichnet sich als führenden Finanzierer des deutschen Mittelstands. Nach eigenen Angaben begleitet sie rund 24.000 Firmenkundengruppen und ist im Firmenkundengeschäft in mehr als 40 Ländern präsent.
Gerade dieses internationale Netz ist zwischen den Banken umstritten. UniCredit sieht bei der Commerzbank erhebliches Einsparpotenzial und plant eine Verkleinerung ihrer Auslandspräsenz. Die Commerzbank hält eigene Standorte im Ausland dagegen für einen wichtigen Bestandteil ihrer Kundenbetreuung. Beide Konzepte unterscheiden sich damit insbesondere bei der internationalen Begleitung deutscher Unternehmen.
Der Übernahmeprozess hat im Oktober einen wichtigen Fortschritt für UniCredit gebracht. Am 15. Oktober gab das Institut bekannt, dass die Europäische Zentralbank den Erwerb von mehr als 30 Prozent der Commerzbank-Aktien genehmigt habe. UniCredit darf ihren Anteil damit aus aufsichtsrechtlicher Sicht weiter erhöhen.
Weitere Verfahren und Bedingungen sind allerdings noch offen. UniCredit rechnet damit, diese bis etwa zum Jahresende zu erfüllen.
Bereits im Juli waren nach Ablauf des öffentlichen Übernahmeangebots insgesamt 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient worden. Zusammen mit bestehenden Beteiligungen und weiteren gesicherten Positionen erwartet UniCredit danach Zugriff auf knapp 50 Prozent der Stimmrechte.
Die Übertragung der angedienten Aktien ist jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Commerzbank betont, dass ihre strategische und operative Führung weiterhin beim eigenen Vorstand liegt.
Nach Darstellung der Commerzbank entfiel nur ein geringer Teil der angedienten Aktien auf unabhängige institutionelle und private Anleger. Ein erheblicher Teil stammte demnach von Finanzinstituten mit Verbindungen zu UniCredit. Der gesicherte Zugriff auf Aktien ist deshalb nicht mit einer breiten Zustimmung unabhängiger Aktionäre gleichzusetzen.
Auch politisch ist der Zusammenschluss umstritten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte bei einem Treffen mit Orcel im September verlangt, dass die Commerzbank börsennotiert bleibt, ihren Sitz in Frankfurt behält und weiterhin eine zentrale Rolle bei der Finanzierung des Mittelstands spielt.
Die Bundesregierung berücksichtigt zudem die Interessen der Beschäftigten. Der Bund ist nach seinem Einstieg während der Finanzkrise weiterhin einer der größten Aktionäre des Instituts.
Zwischen Wachstumsversprechen und Sparplänen besteht ein wesentlicher Konflikt. UniCredit erwartet bei einer Übernahme Einsparungen in Milliardenhöhe, unter anderem durch den Abbau von Stellen.
Die Commerzbank setzt auf ihre eigene Strategie „Momentum 2030“ und bewertet wesentliche Teile der italienischen Umbaupläne kritisch. Gleichzeitig hat sie sich zu Gesprächen über eine Lösung bereit erklärt, die auch ihre Kunden und Beschäftigten berücksichtigt.
Eine höhere Beteiligung bedeutet zudem nicht, dass UniCredit sämtliche Entscheidungen allein treffen könnte. Für grundlegende gesellschaftsrechtliche Maßnahmen gelten höhere Mehrheitsschwellen und Schutzregeln für Minderheitsaktionäre.
Die geplante Verbindung gehört zu den bedeutendsten grenzüberschreitenden Übernahmevorhaben im europäischen Bankensektor seit der Finanzkrise. Sie betrifft damit nicht nur die Eigentümer beider Institute, sondern auch die künftige Finanzierung deutscher Unternehmen.
Entscheidend für die Firmenkunden wird sein, wie sich die angekündigte Stärkung des Geschäfts mit den vorgesehenen Einsparungen und Veränderungen im internationalen Netzwerk vereinbaren lässt.
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