
In Deutschland sind 2025 deutlich mehr Unternehmen entstanden als im Vorjahr. Nach einer neuen Auswertung des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW Mannheim und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform wurden rund 183.000 Unternehmen gegründet. Das entspricht einem Anstieg um 7,7 Prozent und dem höchsten Wert seit 15 Jahren. Die am Montag, 26. Oktober 2026, veröffentlichten Zahlen zeigen allerdings auch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen.
Der Anstieg der Unternehmensgründungen in Deutschland geht vor allem auf kleinere Betriebe zurück, die keinen Eintrag im Handelsregister benötigen. Bei Gründungen mit Handelsregistereintrag entwickelte sich die Zahl dagegen rückläufig. Hier registrierten die Forscher einen Rückgang um 3,3 Prozent.
Damit hat sich die Struktur der Neugründungen verändert. Während häufig kleinere Unternehmen mit geringem Kapitalbedarf entstehen, entwickeln sich größere Gründungsvorhaben schwächer. Dazu zählen insbesondere Unternehmen, die aufgrund ihrer Rechtsform im Handelsregister eingetragen werden müssen.
ZEW-Wissenschaftlerin Sandra Gottschalk bewertet den allgemeinen Zuwachs als positives Signal, verweist aber zugleich auf die anhaltende Schwäche bei größeren und kapitalintensiveren Gründungen. Der Aufschwung beschränkt sich damit nicht auf eine einzelne Branche, verteilt sich jedoch sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Unternehmensformen.
Besonders deutlich stieg die Zahl der Gründungen im Gastgewerbe. Rund 20.000 neue Unternehmen entstanden 2025 in der Gastronomie und Beherbergungsbranche. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 20,7 Prozent.
Allerdings verzeichnete die Branche gleichzeitig zahlreiche Geschäftsaufgaben. Laut einer weiteren ZEW-Auswertung wurden rund 15.000 Unternehmen im Gastgewerbe geschlossen. Das waren 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die hohen Gründungszahlen gehen somit mit einer ebenfalls steigenden Zahl von Schließungen einher.
Deutlich schwieriger entwickelte sich die Lage in Teilen der Industrie. Im forschungsintensiven verarbeitenden Gewerbe sank die Zahl der Neugründungen um 2,6 Prozent auf nur noch rund 600 Unternehmen. Im Fahrzeugbau ging sie um 8,7 Prozent zurück. Eine gegenläufige Entwicklung gab es in der Chemieindustrie, wo die Zahl neuer Unternehmen um 13,4 Prozent zunahm.
Eine positive Entwicklung verzeichnen ZEW und Creditreform bei innovativen, wachstumsorientierten Start-ups. Ihre Zahl stieg 2025 um 19 Prozent auf rund 3.100. Damit erholte sich das Gründungsgeschehen in diesem Bereich nach dem deutlichen Rückgang von 2022 und der anschließenden schwachen Entwicklung.
Besonders stark vertreten waren technologieorientierte Dienstleistungen. Auf sie entfielen rund 1.400 der neu gegründeten Start-ups. Das entspricht mehr als 45 Prozent der gesamten Gruppe. Die Zahl dieser technologieorientierten Start-up-Gründungen stieg gegenüber 2024 um 27 Prozent.
Auch bei den technologieorientierten Dienstleistungen insgesamt zeigt sich eine Ausnahme vom allgemeinen Rückgang der Handelsregistergründungen. Dort wurden 8,5 Prozent mehr Unternehmen mit Handelsregistereintrag gegründet als im Vorjahr.
Als innovative Start-ups gelten in der Untersuchung Unternehmen, die als Kapitalgesellschaft gegründet werden, mehrere Gründer haben und Forschung oder Entwicklung betreiben. Die Definition unterscheidet sich damit von allgemeinen Statistiken über Selbstständige und Gewerbeanmeldungen.
Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Besonders viele Unternehmen gemessen an der erwerbsfähigen Bevölkerung wurden 2025 in Berlin und Hamburg gegründet. In Berlin registrierte das ZEW rechnerisch 49 Gründungen je 10.000 Einwohner zwischen 18 und 65 Jahren, in Hamburg waren es 48.
Deutlich niedriger fiel die Gründungsintensität in mehreren ostdeutschen Bundesländern aus. Thüringen kam auf 24 Neugründungen je 10.000 Erwerbsfähige, Sachsen auf 26 und Brandenburg auf 27.
Trotz der höheren Gründungszahlen sehen angehende Unternehmer weiterhin erhebliche Schwierigkeiten. Eine Untersuchung der Deutschen Industrie- und Handelskammer aus dem Jahr 2026 zeigt, dass insbesondere bürokratische Anforderungen und steuerliche Regelungen als Hindernisse wahrgenommen werden.
In einer Befragung von 791 Gründenden und jungen Unternehmen sprachen sich 73 Prozent für einfachere und schnellere Verwaltungsverfahren aus. 61 Prozent wünschten sich ein unkomplizierteres Steuerrecht. Gleichzeitig meldeten die Industrie- und Handelskammern für 2025 einen Anstieg ihrer Gründungsberatungen um 15 Prozent.
Die jüngste Berechnung von ZEW und Creditreform beruht auf dem Mannheimer Unternehmenspanel. Die Datenbank enthält Informationen zu mehr als zehn Millionen Unternehmen, darunter rund drei Millionen aktuell wirtschaftsaktive Firmen.
Weil nicht alle Neugründungen unmittelbar erfasst werden, rechnen die Wissenschaftler die jüngsten Werte hoch. Die rund 183.000 Unternehmensgründungen für 2025 sind deshalb eine Prognose auf Grundlage der bislang verfügbaren Daten.
Andere Statistiken kommen aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden auf höhere Werte. So erfasst das Statistische Bundesamt Gewerbeanmeldungen, während die KfW auch Personen berücksichtigt, die sich beispielsweise im Nebenerwerb selbstständig machen. Die Ergebnisse sind daher nicht unmittelbar vergleichbar.
Fest steht nach der neuen ZEW-Auswertung, dass die Zahl neuer Unternehmen insgesamt deutlich gestiegen ist. Der Zuwachs konzentriert sich jedoch stärker auf kleinere Gründungen, während wichtige Teile des produzierenden Gewerbes rückläufige Zahlen aufweisen.
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