US-Pläne für Chipzölle könnten Europas Techhandel treffen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die US-Regierung erwägt offenbar eine deutliche Ausweitung ihrer Zölle auf Halbleiter und möglicherweise auch auf Technologieprodukte, in denen Chips verbaut sind. Nach einem Bericht von Politico könnten neben Halbleitern selbst unter anderem Laptops, Spielkonsolen und Server für Rechenzentren betroffen sein. Eine endgültige Entscheidung über diese konkrete Ausgestaltung lag bis Freitag, 28. August 2026, jedoch nicht vor. Reuters konnte den Bericht nach eigenen Angaben zunächst nicht unabhängig bestätigen.

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Damit gewinnen die USA Halbleiterzölle erneut an Bedeutung für die internationale Technologiebranche. Der grundsätzliche Kurs der US-Regierung ist allerdings keine Überraschung. Bereits Anfang 2026 hatte Präsident Donald Trump eine erste Zollstufe für bestimmte Hochleistungschips eingeführt und zugleich offiziell eine zweite, breiter angelegte Phase angekündigt. Offen ist vor allem, welche Waren am Ende erfasst werden und welche Sonderregeln für wichtige Handelspartner wie die Europäische Union gelten würden.

USA haben breitere Chipzölle bereits offiziell vorgesehen

Die rechtliche Grundlage für weitere Maßnahmen ist ein Verfahren nach Section 232 des Trade Expansion Act. Das US-Handelsministerium hatte die Untersuchung zu Halbleitern, Anlagen für die Chipproduktion und daraus hergestellten Produkten am 1. April 2025 begonnen. Geprüft wurde dabei ausdrücklich auch die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischen Produktionsstandorten und Lieferketten.

Am 22. Dezember 2025 legte das Handelsministerium seinen Bericht dem Präsidenten vor. Das Weiße Haus veröffentlichte am 14. Januar 2026 daraufhin eine Proklamation. Darin stellte die Regierung fest, dass die Vereinigten Staaten rund ein Viertel der weltweit produzierten Halbleiter verbrauchten, aber nur etwa zehn Prozent des eigenen Bedarfs vollständig im Inland fertigten. Diese Angaben stammen aus der Bewertung des US-Handelsministeriums.

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Die Regierung beschloss ein zweistufiges Vorgehen. Als erste Stufe wurde ein Zoll von 25 Prozent auf eine eng begrenzte Gruppe bestimmter Hochleistungschips und zugehöriger Produkte eingeführt. Er gilt seit dem 15. Januar 2026. Das Weiße Haus nannte als Beispiele unter anderem Nvidias H200 und AMDs MI325X.

Zugleich enthält die Regelung zahlreiche Ausnahmen. Der 25-Prozent-Zoll greift unter anderem nicht für bestimmte Chips, die für US-Rechenzentren, Forschung und Entwicklung, Start-ups, öffentliche Anwendungen oder bestimmte industrielle und private Anwendungen eingeführt werden.

Zweite Phase könnte deutlich mehr Produkte erfassen

Wichtiger für die nun aufgekommene Debatte ist die bereits im Januar angekündigte zweite Phase. Das US-Handelsministerium empfahl damals ausdrücklich breitere Zölle auf Halbleiter, sobald entsprechende Handelsgespräche mit ausländischen Partnern abgeschlossen seien. Die Höhe sollte laut Proklamation erheblich sein. Gleichzeitig sollte ein System geschaffen werden, das Unternehmen mit Investitionen in die amerikanische Halbleiterproduktion günstigere Zollbedingungen ermöglichen kann.

Der aktuelle Politico-Bericht würde damit grundsätzlich in die bereits öffentlich dokumentierte Strategie passen. Nach Angaben des Mediums unter Berufung auf acht mit den Beratungen vertraute Personen wird innerhalb der Regierung über eine weitergehende Lösung gesprochen. Demnach könnten nicht nur einzelne Chips, sondern auch Produkte wie Laptops, Spielkonsolen und Server für Rechenzentren einbezogen werden.

Nach dem Bericht soll Handelsminister Howard Lutnick zudem ein Modell unterstützen, bei dem Zollentlastungen von Investitionen ausländischer Unternehmen in US-Chipfabriken abhängig gemacht werden. Auch eine schrittweise Einführung werde diskutiert.

Diese Einzelheiten waren zunächst nicht offiziell bestätigt. Reuters erklärte ausdrücklich, den Bericht nicht unabhängig verifiziert zu haben. Unklar blieb zunächst, welche Warengruppen tatsächlich einbezogen würden, wie hoch mögliche neue Zollsätze lägen und wann sie in Kraft treten könnten.

Für die EU ist eine wichtige Obergrenze vereinbart

Für Europa ist entscheidend, dass die Vereinigten Staaten und die Europäische Union bereits 2025 einen eigenen Rahmen für ihren bilateralen Handel vereinbart haben. In der gemeinsamen Erklärung vom 21. August 2025 erklärten die USA ihre Absicht, bei Waren aus der EU, die von künftigen Section-232-Maßnahmen auf Halbleiter betroffen sind, eine kombinierte Zollbelastung von höchstens 15 Prozent sicherzustellen. Diese Obergrenze umfasst den regulären US-Zoll und einen zusätzlichen Section-232-Zoll.

Ob und wie diese Vereinbarung auf jedes denkbare neue Technologieprodukt angewandt würde, blieb zunächst offen. Insbesondere ist nicht geklärt, ob ein künftig als Halbleiter-Derivat eingestufter Laptop oder Server automatisch unter dieselben Bedingungen fallen würde.

Dass Washington bei neueren Section-232-Maßnahmen Sonderregeln für die EU berücksichtigt, zeigt allerdings die US-Handelspolitik der vergangenen Monate. Bei den im August 2026 beschlossenen Maßnahmen für Polysilizium-Produkte ist für Waren aus EU-Staaten eine Gesamtzollbelastung von maximal 15 Prozent vorgesehen. Ähnliche Grenzen gelten bei bestimmten Drohnen und Drohnenkomponenten.

Folgen könnten weit über klassische Chiphersteller hinausreichen

Eine Ausweitung auf Endgeräte wäre wirtschaftlich deutlich umfassender als ein Zoll auf einzelne Halbleiter. Chips stecken inzwischen in nahezu allen wichtigen Technologieprodukten, von Computern und Telekommunikationsgeräten bis zu Maschinen und Fahrzeugen.

Die EU-Kommission beziffert den europäischen Anteil am weltweiten Halbleitermarkt derzeit auf rund zehn Prozent. Gleichzeitig ist Europa in wichtigen Bereichen stark von Produzenten außerhalb der EU abhängig. Der European Chips Act verfolgt deshalb das Ziel, den europäischen Weltmarktanteil langfristig zu erhöhen. Die Kommission weist zugleich auf besondere europäische Stärken bei Halbleiter-Fertigungsanlagen, Siliziumwafern sowie Chips für Autos und Industrieanlagen hin.

Für europäische Unternehmen könnten neue US-Zölle daher auf mehreren Ebenen relevant werden. Betroffen sein könnten direkte Chipausfuhren in die Vereinigten Staaten ebenso wie Server, Industrieelektronik oder andere Geräte, die Halbleiter enthalten. Zusätzlich könnten sich Lieferketten verändern, wenn asiatische Hersteller ihre Produktion oder Endmontage stärker in die USA verlagern, um mögliche Zollvorteile zu erhalten.

Belastbare Angaben zu konkreten Zusatzkosten für europäische Unternehmen liegen bislang nicht vor. Sie wären erst möglich, wenn Washington Produktlisten, Zollsätze, Ursprungsregeln und Ausnahmen veröffentlicht.

USA bleiben wichtigster Absatzmarkt für EU-Waren

Die wirtschaftliche Bedeutung des transatlantischen Handels ist groß. Nach Eurostat exportierte die Europäische Union im zweiten Quartal 2026 Waren im Wert von 127,7 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten. Die USA waren damit weiterhin das wichtigste Exportziel der EU und standen für 18,8 Prozent der EU-Ausfuhren in Drittstaaten. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 gingen die Exporte allerdings um 5,6 Prozent zurück.

Für das Gesamtjahr 2025 weist Eurostat EU-Warenausfuhren in die USA von rund 555 Milliarden Euro aus. Damit entfielen 21 Prozent der gesamten EU-Ausfuhren auf die Vereinigten Staaten.

Gerade deshalb wären zusätzliche Zölle auf breit definierte Technologieprodukte für europäische Hersteller relevant, selbst wenn für EU-Waren am Ende eine günstigere Sonderregel gelten sollte als für Lieferungen aus anderen Staaten.

US-Regierung will mehr Chipproduktion ins eigene Land holen

Hinter der Zollpolitik steht das erklärte Ziel Washingtons, die Produktion strategischer Güter stärker in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Das Weiße Haus begründet die Maßnahmen mit wirtschaftlicher Sicherheit und der hohen Abhängigkeit von ausländischer Chipfertigung.

Diese Linie zeigt sich auch außerhalb der eigentlichen Halbleiterindustrie. Anfang August verhängte Trump nach einem weiteren Section-232-Verfahren unter anderem einen zusätzlichen Zoll von 15 Prozent auf bestimmte Produkte aus Polysilizium. Die Maßnahmen sollen ab dem 4. Dezember 2026 greifen. Für Unternehmen, die neue Produktionskapazitäten in den USA aufbauen, sind Möglichkeiten für Zollentlastungen vorgesehen.

Damit zeichnet sich ein wiederkehrendes Muster ab: Zölle werden nicht nur als Schutzmaßnahme eingesetzt, sondern auch mit Investitionszusagen für Produktionsstandorte in den Vereinigten Staaten verknüpft.

Ob dieses Modell tatsächlich in großem Umfang auf Halbleiter, Server, Computer oder andere Technologieprodukte übertragen wird, war am Freitag noch nicht entschieden. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass die US-Regierung bereits seit Januar eine zweite Phase mit breiteren Halbleiterzöllen vorsieht. Die aktuell berichteten Details zu Umfang und konkreter Ausgestaltung bleiben dagegen Gegenstand laufender Überlegungen.

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