
Die Verbraucherzentrale kritisiert Bahnpreise der Deutschen Bahn als schwer nachvollziehbar und teilweise intransparent. Nach einer am Montag, 3. August 2026, veröffentlichten Langzeituntersuchung waren die günstigsten beworbenen Angebote zu üblichen Reisezeiten häufig nicht verfügbar. Besonders deutlich zeigt sich dies beim Super Sparpreis. Die Deutsche Bahn weist die Kritik zurück und hält die Untersuchung wegen des ausgewählten Zeitfensters und der betrachteten Strecken nur für eingeschränkt aussagekräftig.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband verglich die von der Bahn beworbenen Einstiegspreise mit den tatsächlich gefundenen Angeboten. Bei Fahrten zwischen 7 und 19 Uhr lag das günstigste ermittelte Super-Sparpreis-Ticket an 76 Prozent der untersuchten Tage über dem jeweiligen Werbepreis. Die Abweichung betrug zwischen 15 und 157 Prozent. Nur an 24 Prozent der Erhebungstage entsprach der gefundene Preis dem beworbenen Angebot oder lag darunter. Der Verband fordert deshalb, dass besonders günstige Tickets häufiger auch während üblicher Reisezeiten erhältlich sein sollten.
Grundsätzlich bestätigt die Untersuchung die Ankündigung der Deutschen Bahn, die Fahrpreise zum Fahrplanwechsel 2025/2026 nicht generell anzuheben. Bei bestimmten Buchungszeiträumen und Verbindungen stellte der Verband dennoch deutliche Veränderungen fest. Mittelfristig, also etwa drei Wochen im Voraus gebuchte Super-Sparpreis-Tickets, waren im ersten Quartal 2026 im Median 36 Prozent teurer als im Vorjahreszeitraum. Auf einzelnen Strecken erreichte der Anstieg bis zu 111 Prozent. Bei Flexpreisen verteuerten sich langfristige Buchungen im Median um drei Prozent, während kurzfristige Buchungen zwei Prozent günstiger wurden.
Auch der gewählte Wochentag beeinflusst die Ticketkosten erheblich. Bei den untersuchten Verbindungen war der Super Sparpreis an Freitagen und Sonntagen im Median 71 Prozent teurer als an Dienstagen und Mittwochen. Beim Flexpreis lag der Freitag im Median 21 Prozent über dem günstigsten Wochentag Dienstag. Besonders günstig waren Fahrkarten häufig am frühen Morgen oder am Abend. Zudem zahlten kurzfristig Buchende beim Super Sparpreis im Median 180 Prozent mehr als Reisende, die ihr Ticket rund zwölf Wochen vorher kauften.
Für das Preismonitoring wurden zwischen Juni 2024 und April 2026 täglich Direktverbindungen zwischen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main geprüft. Berücksichtigt wurden Tickets der zweiten Klasse mit Abfahrten zwischen 7 und 19 Uhr. Die Preise wurden für kurzfristige Reisen innerhalb der kommenden sieben Tage, für Buchungen mit drei Wochen Vorlauf und für Fahrten zwölf Wochen im Voraus erfasst. Insgesamt umfasst der Bericht mehr als 278.000 Verbindungsabfragen an 690 Erhebungstagen. Die Verbraucherzentrale kritisiert Bahnpreise vor allem deshalb, weil die tatsächlichen Kosten für Reisende nur schwer vorhersehbar seien.
Die Deutsche Bahn sieht erhebliche methodische Lücken in der Untersuchung. Das Zeitfenster von 7 bis 19 Uhr schließe frühe Sprinterverbindungen aus, obwohl gerade in den Tagesrandlagen zahlreiche günstige Tickets angeboten würden. Zudem seien ausschließlich Direktverbindungen zwischen fünf Großstädten untersucht worden. Nach Darstellung des Konzerns dienen die unterschiedlichen Ticketkontingente dazu, die Auslastung der Züge zu steuern. Auf stark nachgefragten Verbindungen und zu Stoßzeiten gebe es deshalb weniger Aktionsangebote. Die Bahn erklärte außerdem, derzeit seien so viele günstige Tickets verfügbar wie noch nie.
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