
Fahrgäste in Teilen Deutschlands müssen sich am Donnerstag, 1. Oktober 2026, auf erhebliche Einschränkungen im Bus- und Bahnverkehr einstellen. Verdi hat in Nordrhein-Westfalen Beschäftigte mehrerer Verkehrs- und Eisenbahnunternehmen zu einem ganztägigen Streik aufgerufen. Gleichzeitig läuft in Baden-Württemberg ein mehrtägiger Warnstreik bei der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH, kurz SWEG. Hintergrund sind laufende Tarifkonflikte im Verkehrssektor.
Der Verdi-Warnstreik im Nahverkehr ist dabei kein flächendeckender bundesweiter Ausstand aller kommunalen Verkehrsbetriebe. Betroffen sind bestimmte Unternehmen, die unter den bundesweiten Eisenbahntarifvertrag fallen. Für Fahrgäste kommt es deshalb regional zu sehr unterschiedlichen Auswirkungen.
In Nordrhein-Westfalen richtet sich der Streikaufruf für Donnerstag an die Beschäftigten von fünf Unternehmen. Dazu gehören die Mindener Kreisbahnen GmbH und die MKB-MühlenkreisBus GmbH. Außerdem sind die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH, die ETZ Betriebs GmbH sowie RheinCargo betroffen.
Der Streik ist für den gesamten Donnerstag vorgesehen. Damit können sowohl der Personenverkehr als auch andere Bereiche der beteiligten Verkehrs- und Eisenbahnunternehmen beeinträchtigt werden. Welche einzelnen Verbindungen tatsächlich ausfallen, hängt unter anderem davon ab, wie viele Beschäftigte dem Streikaufruf folgen und welche Leistungen von anderen Unternehmen erbracht werden.
Besonders unmittelbar sind die Folgen für Fahrgäste im Bereich der MKB-MühlenkreisBus. Das Unternehmen übernimmt Busverkehr im Kreis Minden-Lübbecke und darüber hinaus. Die MKB-Gruppe betreibt dort ein umfangreiches regionales Liniennetz. Nicht jeder Busverkehr in Nordrhein-Westfalen ist von dem Arbeitskampf betroffen. Ein allgemeiner landesweiter Streik bei sämtlichen kommunalen Verkehrsbetrieben ist für Donnerstag nicht angekündigt.
Auch in Baden-Württemberg müssen Fahrgäste am Donnerstag mit zahlreichen Ausfällen rechnen. Dort läuft bereits seit Mittwoch, 30. September, ein Warnstreik bei der SWEG Bus GmbH und der SWEG Schienenwege GmbH. Die Arbeitsniederlegung soll bis einschließlich Freitag, 2. Oktober, dauern.
Nach Angaben der SWEG ist der Busverkehr an zahlreichen Standorten betroffen. Auch Schulbusverbindungen können ausfallen. Erstmals bei dieser Streikrunde sind zusätzlich Beschäftigte der SWEG Schienenwege GmbH einbezogen.
Dadurch werden auch Bahnstrecken beeinträchtigt. Nach Angaben des Unternehmens sollen voraussichtlich keine Züge zwischen Bad Krozingen und Münstertal, Achern und Ottenhöfen, Biberach und Oberharmersbach sowie Hechingen und Gammertingen fahren. Auswirkungen sind teilweise auch auf Verbindungen anderer Eisenbahnunternehmen möglich, wenn diese die von der SWEG betriebenen Infrastrukturabschnitte nutzen.
Nicht alle Tochterunternehmen der SWEG sind in den Streik einbezogen. Fahrgäste sollten deshalb für ihre konkrete Verbindung prüfen, welches Unternehmen die jeweilige Fahrt durchführt.
Hinter den Arbeitskämpfen steht die aktuelle Tarifrunde für den bundesweiten Eisenbahntarifvertrag, kurz ETV. Er gilt nach Angaben von Verdi für gut 30 private Verkehrsunternehmen mit insgesamt knapp 6.000 Beschäftigten. Die Unternehmen arbeiten unter anderem im Schienengüterverkehr, im Schienenpersonenverkehr und im Busverkehr.
Verdi fordert eine Erhöhung der monatlichen Entgelte um 6,5 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 100 Euro pro Monat steigen. Hinzu kommt nach der Gewerkschaftsforderung eine jährliche Sonderzahlung von 650 Euro für Verdi-Mitglieder. Verdi verlangt eine Laufzeit des neuen Tarifabschlusses von zwölf Monaten.
Die Arbeitgeberseite hat nach Angaben aus den Tarifverhandlungen bislang ein anderes Modell angeboten. Vorgesehen sind demnach eine Einmalzahlung von 270 Euro sowie eine Entgelterhöhung um 2,8 Prozent zum 1. Dezember 2026. Eine weitere Erhöhung um 2,2 Prozent soll zum 1. Januar 2028 folgen. Das Angebot ist mit einer Laufzeit von 28 Monaten verbunden.
Verdi lehnt dieses Angebot ab. Die Gewerkschaft kritisiert zudem vorgesehene Änderungen am Manteltarifvertrag, darunter Regelungen zum Kündigungsschutz.
Die Tarifparteien wollen bereits am Montag, 5. Oktober, erneut miteinander verhandeln. Es handelt sich um die dritte Verhandlungsrunde in dem laufenden Konflikt. Die Warnstreiks unmittelbar davor sollen den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen.
Auch in den vergangenen Wochen hatte es bereits Arbeitsniederlegungen bei Unternehmen gegeben, die unter den Eisenbahntarifvertrag fallen. In Baden-Württemberg waren unter anderem die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft und die SWEG betroffen. In Niedersachsen hatte Verdi Mitte September Beschäftigte von Regiobus in der Region Hannover zeitweise zum Warnstreik aufgerufen.
Bei der SWEG kommt neben der allgemeinen Entgeltrunde ein zusätzlicher Konflikt hinzu. Verdi verlangt dort einen stärkeren Schutz der Beschäftigten vor betriebsbedingten Kündigungen im Zusammenhang mit Neuausschreibungen von Verkehrsleistungen. Die SWEG hat die erneuten Streikmaßnahmen dagegen als unverhältnismäßig kritisiert.
Für Fahrgäste ist deshalb entscheidend, zwischen dem bundesweiten Tarifkonflikt und den konkreten regionalen Streikaufrufen zu unterscheiden. Der Eisenbahntarifvertrag betrifft Unternehmen in mehreren Bundesländern, doch daraus folgt nicht automatisch, dass am 1. Oktober überall gleichzeitig gestreikt wird.
Für Donnerstag sind insbesondere die fünf genannten Unternehmen in Nordrhein-Westfalen sowie die bereits seit Mittwoch bestreikten SWEG-Betriebe in Baden-Württemberg relevant. Andere kommunale Bus- und Straßenbahnbetriebe, die anderen Tarifverträgen unterliegen, sind durch diese Streikaufrufe nicht automatisch betroffen.
Auch Züge der Deutschen Bahn sind nicht generell Teil dieses Warnstreiks. Einschränkungen können jedoch dort entstehen, wo andere Eisenbahnunternehmen auf Infrastruktur angewiesen sind, deren Betrieb durch den Ausstand beeinträchtigt wird. Reisende sollten deshalb vor Fahrtbeginn die aktuellen Angaben des jeweiligen Verkehrsunternehmens oder Verkehrsverbundes prüfen.






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