
Der US-Pharmakonzern Viatris will den auf Schmerztherapien spezialisierten Hersteller Pacira BioSciences für rund 1,65 Milliarden US-Dollar übernehmen. Beide Unternehmen haben am Donnerstag, 8. Oktober 2026, eine verbindliche Übernahmevereinbarung bekannt gegeben. Viatris bietet 36,50 Dollar je Aktie in bar. Damit liegt der Kaufpreis deutlich über dem bisherigen Börsenwert. Die Pacira-Aktie reagierte im vorbörslichen Handel mit einem kräftigen Kursanstieg. Mit dem geplanten Zusammenschluss will Viatris sein Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten ausbauen und sich stärker auf Schmerzbehandlungen ohne Opioide konzentrieren.
Die Übernahme von Pacira BioSciences soll vollständig durch Barzahlungen erfolgen. Der vereinbarte Preis von 36,50 US-Dollar je Aktie entspricht einem Aufschlag von rund 44,8 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch, 7. Oktober. Dieser lag bei etwa 25,20 Dollar. Der Gesamtwert der zum Kauf vorgesehenen Aktien beläuft sich auf rund 1,65 Milliarden Dollar.
Nach Angaben der Unternehmen haben die Verwaltungsräte beider Konzerne der Vereinbarung einstimmig zugestimmt. Viatris wird zunächst ein öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche ausstehenden Pacira-Aktien unterbreiten. Anschließend sollen die verbleibenden Aktien im Rahmen einer weiteren gesellschaftsrechtlichen Transaktion übernommen werden.
An der Börse sorgte die Ankündigung für eine deutliche Reaktion. Nach Angaben des Finanznachrichtendienstes RTTNews, veröffentlicht am Donnerstag um 14.34 Uhr deutscher Zeit, notierte die Pacira-Aktie im vorbörslichen US-Handel bei 36,33 Dollar. Das entsprach einem Anstieg von 44,17 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs. Die Aktie näherte sich damit dem vereinbarten Übernahmepreis von 36,50 Dollar.
Die Viatris-Aktie wurde in derselben vorbörslichen Marktübersicht mit 17,50 Dollar angegeben, ein Plus von 0,06 Prozent. Damit fiel die unmittelbare Kursreaktion beim Käufer wesentlich geringer aus. Die genannten Notierungen sind Momentaufnahmen aus dem vorbörslichen Handel und keine Schlusskurse des Handelstags.
Mit Pacira würde Viatris zwei bereits zugelassene, patentgeschützte Medikamente in sein Portfolio aufnehmen. Exparel enthält den lokal betäubenden Wirkstoff Bupivacain in einer speziellen liposomalen Formulierung. Das Präparat dient der Behandlung akuter Schmerzen nach Operationen und gibt den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum ab.
Zilretta wird dagegen bei Schmerzen durch Kniearthrose eingesetzt. Das Arzneimittel enthält den entzündungshemmenden Kortikosteroid-Wirkstoff Triamcinolonacetonid in einer Formulierung mit verzögerter Freisetzung.
Beide Medikamente gehören zu den nicht-opioiden Schmerztherapien. Sie werden für unterschiedliche Erkrankungen und Behandlungsformen eingesetzt. Für Viatris erweitern sie insbesondere das Geschäft mit spezialisierten Arzneimitteln, die nicht auf den klassischen Markt für Generika ausgerichtet sind.
Die wirtschaftliche Bedeutung der beiden Medikamente wird anhand der bisherigen Geschäftszahlen deutlich. Pacira erzielte im Geschäftsjahr 2025 mit Exparel einen Nettoproduktumsatz von 575,1 Millionen US-Dollar. Bei Zilretta lag dieser bei 116,6 Millionen Dollar. Damit entfiel der größte Teil der Erlöse des Unternehmens auf diese beiden Präparate.
Insgesamt erwirtschaftete Pacira 2025 einen Umsatz von 726,4 Millionen Dollar. In den zwölf Monaten bis zum 30. Juni 2026 stieg der entsprechende Umsatzwert auf rund 746 Millionen Dollar. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag in diesem Zeitraum nach Unternehmensangaben bei etwa 177 Millionen Dollar. Der bereinigte Ergebniswert ist nicht unmittelbar mit dem bilanziellen Nettogewinn gleichzusetzen.
Die geplante Übernahme passt zur Strategie von Viatris, das Geschäft mit innovativen und markengeschützten Arzneimitteln auszubauen. Bislang verfügt der Konzern über ein breites Portfolio, zu dem auch Generika und etablierte Markenmedikamente gehören. Durch Pacira sollen zusätzliche Fähigkeiten in Forschung, Entwicklung, Vermarktung und Marktzugang hinzukommen.
Viatris arbeitet zudem an einer schnell wirkenden Formulierung des entzündungshemmenden Wirkstoffs Meloxicam zur Behandlung mittelstarker bis starker akuter Schmerzen. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA soll über den entsprechenden Zulassungsantrag bis zum 27. Dezember 2026 entscheiden. Eine Zulassung dieses Präparats war zum Zeitpunkt der Übernahmeankündigung noch nicht bestätigt.
Pacira hatte erst am 5. Oktober 2026 eine Vereinbarung mit dem italienischen Unternehmen Molteni Farmaceutici bekannt gegeben. Der Partner erhielt exklusive Rechte zur Vermarktung und zum Vertrieb von Exparel in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich. Die ersten Markteinführungen sind für 2027 vorgesehen, unter anderem in Deutschland, Italien, Österreich und Polen.
Die neue Partnerschaft zeigt, dass Pacira seine internationale Vermarktung bereits vor der Übernahme ausbauen wollte. Viatris wiederum beabsichtigt, seine weltweite Infrastruktur zu nutzen, um die Reichweite der übernommenen Medikamente in ausgewählten Märkten zu erweitern. Konkrete zusätzliche Umsatzerwartungen für den europäischen Markt wurden im Zusammenhang mit der Übernahme nicht beziffert.
Für die Finanzierung will Viatris nach eigenen Angaben überwiegend überschüssige liquide Mittel verwenden. Den verbleibenden Betrag soll der Konzern durch kurzfristige Kredite decken. Das Unternehmen erwartet deshalb nur begrenzte Auswirkungen auf seine Bruttoverschuldung im Verhältnis zum bereinigten operativen Ergebnis.
Der Vollzug ist für Ende 2026 geplant. Voraussetzung sind unter anderem die Annahme des Übernahmeangebots für die Mehrheit der ausstehenden Pacira-Aktien sowie der Ablauf der maßgeblichen regulatorischen Wartefrist. Der Abschluss steht somit noch aus.
Nach erfolgreicher Übernahme würde Pacira zu einer vollständig kontrollierten Tochtergesellschaft von Viatris. Die Aktien des Unternehmens würden anschließend nicht mehr an der Nasdaq gehandelt.
Der Käufer rechnet damit, dass die Übernahme seine bereinigten finanziellen Kennzahlen unmittelbar nach dem Abschluss verbessern wird. Darüber hinaus sieht Viatris Möglichkeiten, durch die gemeinsame Vermarktung und zusätzliche betriebliche Synergien wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen allerdings von der erfolgreichen Umsetzung des Zusammenschlusses ab.
Für den 5. November 2026 hat Viatris die Veröffentlichung seiner Zahlen für das dritte Quartal angekündigt. Im Rahmen der anschließenden Telefonkonferenz will das Management auch über die geplante Pacira-Übernahme sprechen. Damit steht bereits vor dem angestrebten Abschluss ein weiterer Termin fest, an dem das Unternehmen seine Geschäftsentwicklung und die Bedeutung des Milliardenkaufs erläutern will.
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