Villa Vie Odyssey stoppt Weltreise: 203 Bewohner müssen Kreuzfahrtschiff verlassen

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Symbolbild mit KI erstellt

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Die Weltreise der „Villa Vie Odyssey“ ist nach gut zwei Jahren vorerst gestoppt. Das US-amerikanische Unternehmen Villa Vie Residences hat den Betrieb seines Residenz-Kreuzfahrtschiffs in Kambodscha ausgesetzt. Die 203 Passagiere mussten das Schiff verlassen und sich vorübergehend eine andere Unterkunft suchen. Hintergrund sind nach Unternehmensangaben massiv gestiegene Treibstoffkosten, die das bisherige Geschäftsmodell wirtschaftlich nicht mehr tragfähig machen.

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Für die Bewohner ist die Entwicklung besonders einschneidend. Anders als bei gewöhnlichen Kreuzfahrten dient die „Villa Vie Odyssey“ vielen Menschen als langfristiger Wohnsitz. Einige haben erhebliche Summen für ihre Kabinen oder mehrjährige Aufenthaltsrechte gezahlt. Ob und wann sie ihre Reise fortsetzen können, ist unklar. Das Unternehmen sucht nach Möglichkeiten einer finanziellen Neuaufstellung.

Kreuzfahrtschiff bleibt in Kambodscha liegen

Die „Villa Vie Odyssey“ erreichte am 23. Oktober 2026 den Hafen von Sihanoukville im Süden Kambodschas. Nach Angaben der dortigen Hafenverwaltung war ursprünglich ein fünftägiger Aufenthalt vorgesehen. Anschließend sollte die Reise nach Vietnam weitergehen.

Dazu kam es nicht. Am 27. Oktober informierte der Betreiber die Bewohner über die Einstellung des Schiffsbetriebs. Nach Angaben des stellvertretenden Gouverneurs der Provinz Preah Sihanouk hatten die Passagiere lediglich sieben Stunden Zeit, um ihre Sachen zu packen und das Schiff zu verlassen.

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Nach offiziellen Angaben befanden sich 203 Passagiere und 156 Besatzungsmitglieder an Bord. Die Bewohner gehörten 15 verschiedenen Nationalitäten an, darunter zahlreiche US-Amerikaner. Einige Passagiere verließen Kambodscha anschließend mit dem Flugzeug, andere blieben zunächst in Sihanoukville.

Die Provinzverwaltung nannte den 31. Oktober als neuen Termin für eine mögliche Abfahrt des Schiffs. Eine Wiederaufnahme der regulären Weltreise war damit allerdings nicht bestätigt.

Treibstoffkosten steigen auf bis zu 8.000 Dollar je Kabine

Als Hauptgrund für die Betriebsaussetzung nennt Villa Vie Residences die außergewöhnlich hohen Treibstoffpreise. In einer offiziellen Mitteilung vom 27. Oktober erklärte das Unternehmen, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen infolge des Krieges im Iran erheblich verschlechtert hätten.

Die monatlichen Treibstoffkosten lagen nach Unternehmensangaben früher durchschnittlich bei rund 1.800 US-Dollar je Kabine. In Teilen Asiens seien sie zuletzt auf geschätzte 6.000 bis 8.000 US-Dollar gestiegen. Dabei handelt es sich um eine betriebswirtschaftliche Umrechnung der gesamten Treibstoffausgaben auf einzelne Kabinen, nicht um eine entsprechende Rechnung an jeden Bewohner.

Bereits seit Ende Februar habe die Reederei versucht, den Verbrauch zu senken. Dazu seien die Fahrgeschwindigkeit reduziert und längere Aufenthalte in Häfen eingeplant worden. Die Maßnahmen hätten den Kostenanstieg jedoch nicht ausreichend ausgeglichen.

Die zusätzlichen Belastungen vollständig an die Bewohner weiterzugeben, hält Villa Vie Residences nach eigener Darstellung für wirtschaftlich unrealistisch. Gleichzeitig könne das Unternehmen die daraus entstehenden operativen Verluste nicht länger tragen.

Geschäftsmodell setzt auf dauerhaftes Wohnen auf See

Das Konzept der „Villa Vie Odyssey“ unterscheidet sich grundlegend von klassischen Kreuzfahrten. Während gewöhnliche Passagiere eine zeitlich begrenzte Reise buchen, können Kunden bei Villa Vie Residences Kabinen für mehrere Jahre mieten oder langfristige Wohnrechte erwerben.

Der Anbieter verbindet damit das Leben an einem festen Wohnort mit einer fortlaufenden Reise um die Welt. Das Schiff verfügt über Restaurants, Aufenthaltsbereiche, Freizeitangebote und Einrichtungen für Menschen, die während der Fahrt arbeiten.

Nach früher veröffentlichten Angeboten lagen die Preise für langfristige Wohnrechte zwischen 119.999 und 439.999 US-Dollar. Fünfjährige Aufenthaltsmodelle wurden ab 59.999 US-Dollar angeboten. Zusätzlich konnten laufende Gebühren anfallen. Die tatsächlichen finanziellen Verpflichtungen unterscheiden sich je nach gewähltem Modell.

Die „Villa Vie Odyssey“ begann ihre Reise am 3. Oktober 2024 im nordirischen Belfast. Zuvor hatte sich der Start wegen Arbeiten an dem Schiff verzögert. Das ursprünglich 1993 gebaute Kreuzfahrtschiff war früher unter dem Namen „Braemar“ unterwegs.

Villa Vie Residences bewarb die neue Nutzung als mehrjährige Weltreise mit Hunderten internationalen Reisezielen. Das Schiff bietet nach Unternehmensangaben Platz für bis zu 650 Bewohner. Die laufende Route sollte nach den zuletzt bekannten Planungen bis November 2027 fortgesetzt werden.

Bewohner müssen neue Unterkünfte finden

Mit der Unterbrechung der Weltreise verlieren die betroffenen Kunden zumindest vorübergehend den Zugang zu ihrem bisherigen Zuhause auf See. Für Menschen, die ihren gewöhnlichen Wohnsitz zugunsten eines dauerhaften Lebens auf dem Schiff aufgegeben haben, entstehen dadurch unmittelbare organisatorische und finanzielle Probleme.

Villa Vie Residences erklärte, gemeinsam mit den Bewohnern die Ausschiffung und vorübergehende Unterbringung zu organisieren.

Nach Angaben des Unternehmensgründers gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg übernimmt der Betreiber Kosten für Unterkünfte und örtliche Transportmöglichkeiten. Eine Finanzierung der Ausreise aus Kambodscha sei dagegen zunächst nicht vorgesehen.

Unklar blieb, welche Folgen die Unterbrechung für bereits gezahlte Kaufpreise, langfristige Wohnrechte und laufende Verträge hat. Konkrete Regelungen zu möglichen Erstattungen oder Entschädigungen wurden in der offiziellen Mitteilung nicht genannt.

Damit betrifft die Betriebsaussetzung nicht nur bereits gebuchte Reiseleistungen. Auch die langfristigen finanziellen Vereinbarungen zwischen dem Unternehmen und seinen Kunden stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Villa Vie Residences prüft finanzielle Neuaufstellung

Das Unternehmen will nach eigenen Angaben innerhalb der kommenden 60 Tage Möglichkeiten einer Restrukturierung und neuen Kapitalausstattung prüfen. Dazu gehören grundsätzlich Maßnahmen, mit denen sich die Finanzierung sichern und der laufende Geschäftsbetrieb wirtschaftlich neu aufstellen ließe.

Konkrete Vereinbarungen mit Investoren oder Finanzierungspartnern waren zum Zeitpunkt der Unternehmensmitteilung allerdings noch nicht abgeschlossen. Auch eine erfolgreiche Wiederaufnahme des Betriebs konnte Villa Vie Residences nicht zusichern.

Die Betriebsaussetzung bedeutet damit nicht automatisch, dass das Unternehmen endgültig geschlossen wird. Eine förmliche Insolvenz wurde durch die Erklärung ebenfalls nicht bestätigt.

Erst Anfang Oktober hatte Villa Vie Residences zudem Pläne für ein weiteres Residenz-Kreuzfahrtschiff unter dem Namen „Legacy“ vorgestellt. Dessen Inbetriebnahme war für Anfang 2029 vorgesehen. Welche Auswirkungen die aktuellen finanziellen Schwierigkeiten auf dieses Vorhaben haben, blieb zunächst offen.

Dauer-Kreuzfahrten bleiben wirtschaftlich anspruchsvoll

Der Fall verdeutlicht die besonderen wirtschaftlichen Risiken langfristiger Kreuzfahrtmodelle. Reedereien müssen nicht nur Treibstoff und Hafengebühren finanzieren, sondern auch Besatzung, Verpflegung, technische Wartung und die Versorgung der Menschen an Bord sicherstellen.

Bei einer gewöhnlichen Kreuzfahrt können Anbieter ihre Preise für zukünftige Reisen an veränderte Kosten anpassen. Bei langfristigen Wohnmodellen sind die finanziellen Vereinbarungen dagegen teilweise über Jahre angelegt. Besonders starke und unerwartete Kostensteigerungen lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf die Kunden übertragen.

Hinzu kommt, dass der Schiffsbetrieb auch bei einer vergleichsweise geringen Auslastung erhebliche laufende Kosten verursacht. Wie groß der Anteil dieser Kosten an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Villa Vie Residences tatsächlich ist, wurde nicht offengelegt.

Für die Bewohner der „Villa Vie Odyssey“ bleibt vor allem die unmittelbare Frage nach ihrer Unterkunft und den bestehenden Verträgen. Eine verbindliche Zusage zur Wiederaufnahme der Reise gab es am 28. Oktober nicht. Ob die geplante finanzielle Neuaufstellung gelingt und unter welchen Bedingungen die Bewohner wieder an Bord zurückkehren könnten, war zunächst offen.

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