Berlin-Wahl belastet Vonovia und rückt Deutsche Wohnen in den Fokus

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Vonovia-Aktie steht am Montag nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl unter Druck. Bereits vor dem regulären Börsenstart lag das Papier auf Tradegate rund 1,4 Prozent unter seinem Xetra-Schlusskurs vom Freitag. Im frühen Montagshandel setzte sich die Schwäche zunächst fort. Gegen 09.46 Uhr wurde die Aktie in einer deutschen Börsenübersicht bei rund 17,55 Euro und damit etwa 0,9 Prozent niedriger gehandelt. Zeitweise war der Kurs zuvor noch deutlicher gefallen. Damit entwickelte sich Vonovia schwächer als der Gesamtmarkt. Der DAX lag am Montag gegen 09.11 Uhr rund 0,6 Prozent im Plus.

Auch Deutsche Wohnen geriet zunächst in den Sog der politischen Entwicklung. Vorbörslich wurde die Aktie rund 1,5 Prozent unter dem Schlussniveau vom Freitag indiziert. Nach Handelsbeginn stabilisierte sich der Kurs jedoch. Gegen 09.46 Uhr lag Deutsche Wohnen in einer aktuellen Kursübersicht bei rund 16,06 Euro und damit nahezu unverändert. Von einem gleichermaßen starken Kursrückgang beider Aktien konnte zu diesem Zeitpunkt daher nicht mehr gesprochen werden.

Wahlsieg der Linken rückt Vergesellschaftung wieder in den Mittelpunkt

Auslöser der neuen Unsicherheit ist vor allem das Ergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl vom 20. September. Die Linke wurde mit 25,3 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft. Ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp hatte im Wahlkampf deutlich gemacht, dass ihre Partei bei einer Regierungsbeteiligung die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsunternehmen vorantreiben will.

Die Berliner Linke hatte bereits vor der Wahl beschlossen, bei einer Regierungsbeteiligung ein Vergesellschaftungs- und Trägergesetz auf den Weg zu bringen. Betroffen sein sollen nach ihrem Konzept privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin. Für Vonovia ist das Thema besonders relevant, weil Berlin zu den wichtigsten Märkten des Konzerns gehört.

Vonovia verfügt nach eigenen Angaben gemeinsam mit der zum Konzern gehörenden Deutsche Wohnen über rund 130.000 Wohnungen in Berlin. Davon entfallen etwa 100.000 Wohnungen auf Deutsche Wohnen. Im ersten Quartal 2026 bezifferte Vonovia den Verkehrswert seines strategischen Berliner Wohnungsbestands auf mehr als 23 Milliarden Euro. Berlin gehört damit auch wirtschaftlich zu den bedeutendsten Regionen des Konzerns.

Volksentscheid von 2021 wirkt bis heute nach

Die Diskussion reicht mehrere Jahre zurück. Beim Berliner Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen stimmten 2021 insgesamt 57,6 Prozent der Teilnehmer für den damaligen Beschlussentwurf. Bezogen auf alle Stimmberechtigten entsprach dies einem Anteil von 42,3 Prozent. Der Volksentscheid führte allerdings nicht unmittelbar zu einer Übertragung von Wohnungen in öffentliches Eigentum. Gegenstand war die Aufforderung an den Senat, einen entsprechenden Gesetzentwurf auszuarbeiten.

Eine vom Berliner Senat eingesetzte Expertenkommission kam 2023 mehrheitlich zu dem Ergebnis, dass eine Vergesellschaftung auf Grundlage von Artikel 15 des Grundgesetzes grundsätzlich rechtlich möglich sein könne. Damit waren jedoch weder ein konkretes Gesetz noch dessen Verfassungsmäßigkeit im Einzelfall abschließend entschieden. Fragen zur konkreten Ausgestaltung, zur Entschädigung und zu möglichen gerichtlichen Verfahren bleiben deshalb von erheblicher Bedeutung.

Auch die politische Mehrheit für eine Umsetzung steht nach der Wahl noch nicht fest. Eine Regierungsbildung unter Führung der Linken war am Montagvormittag nicht entschieden. Die Grünen unterstützen in ihrem Wahlprogramm eine weitere Umsetzung des Volksentscheids. Bei der SPD bestehen andere Vorstellungen über den Umgang mit Artikel 15 und der Regulierung des Wohnungsmarktes. Damit hängt die tatsächliche Bedeutung des Wahlergebnisses für Vonovia und Deutsche Wohnen wesentlich von den kommenden Koalitionsverhandlungen und den dort vereinbarten wohnungspolitischen Maßnahmen ab.

Vonovia kam bereits geschwächt in den Wahlmontag

Der Kursrückgang lässt sich nicht allein auf die Wahl zurückführen. Die Vonovia-Aktie hatte bereits in den Wochen zuvor deutlich an Wert verloren. Innerhalb eines Monats war der Kurs bis zum Montagmorgen um ungefähr zehn Prozent gesunken. Gegenüber dem Stand vor einem Jahr lag das Minus noch erheblich höher. Die Berlin-Wahl trifft den Konzern damit in einer Phase, in der Immobilienaktien ohnehin unter genauer Beobachtung der Anleger stehen.

Für Wohnimmobilienunternehmen spielen neben politischen Eingriffen insbesondere Zinsen und Finanzierungskosten eine wichtige Rolle. Steigende Kapitalmarktrenditen können Refinanzierungen verteuern und die Bewertung großer Immobilienportfolios beeinflussen. Umgekehrt können niedrigere Finanzierungskosten die Branche entlasten. Die Kursentwicklung eines Konzerns wie Vonovia hängt deshalb von mehreren Faktoren gleichzeitig ab.

Vonovia selbst verweist in Berlin auf seine Investitionen und Neubauaktivitäten. Für 2026 nennt der Konzern Investitionen von 539 Millionen Euro in Berliner Wohnungen und Quartiere. Rund 1.000 neue Wohnungen befänden sich derzeit im Bau, seit 2013 seien etwa 6.000 Wohnungen neu entstanden. Vorstandschef Luka Mucic lehnt eine Vergesellschaftung der Bestände ab und setzt nach eigener Darstellung auf Neubau und Investitionen als Mittel gegen den Wohnungsmangel.

Mecklenburg-Vorpommern ist kein vergleichbarer Kurstreiber

Parallel zu Berlin wurde am Sonntag auch in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Dort wurde die AfD stärkste Partei, gefolgt von der SPD. Für Vonovia und Deutsche Wohnen ergibt sich daraus jedoch zunächst kein ähnlich konkreter wohnungspolitischer Zusammenhang wie aus dem Berliner Wahlergebnis.

Für die beiden Immobilienwerte steht deshalb vor allem Berlin im Mittelpunkt. Entscheidend für die weitere politische Entwicklung sind die Mehrheitsverhältnisse im neuen Abgeordnetenhaus, die Koalitionsverhandlungen und die Frage, welche wohnungspolitischen Vorhaben tatsächlich in ein Regierungsprogramm aufgenommen werden. Ein Beschluss über die Vergesellschaftung von Vonovia-, Deutsche-Wohnen- oder anderen Beständen lag am Montagvormittag nicht vor.

Die Kursreaktion zeigt damit zunächst eine Neubewertung politischer Risiken in einem für Vonovia besonders wichtigen Markt. Wie groß die wirtschaftlichen Auswirkungen tatsächlich wären, lässt sich daraus noch nicht ableiten. Für Anleger bleibt neben der Berliner Wohnungspolitik auch die allgemeine Zins- und Finanzierungslage für europäische Immobilienunternehmen ein wichtiger Einflussfaktor.

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