
Volkswagen will nach Angaben der Arbeitnehmervertretung die Gehälter seiner weltweit rund 660.000 Beschäftigten bis 2030 einfrieren. Der Konzernvorstand habe die Personalverantwortlichen angewiesen, in den kommenden Jahren keine Entgelterhöhungen mehr einzuplanen. Das teilte die IG Metall am Montag, 19. Oktober 2026, unter Berufung auf den Europäischen und Weltkonzernbetriebsrat mit. Die neue Vorgabe soll bereits seit Anfang Oktober gelten. Die Arbeitnehmervertreter kündigten Widerstand an.
Der geplante Gehaltsstopp bei Volkswagen würde Beschäftigte in zahlreichen Ländern betreffen und fällt mit dem Beginn wichtiger Tarifverhandlungen in Deutschland zusammen. Eine öffentliche Bestätigung der konkreten Maßnahme durch den Konzern lag zunächst nicht vor. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung hatte Volkswagen erklärt, entsprechende Spekulationen nicht kommentieren zu wollen.
Nach Angaben der IG Metall sieht die neue Konzernvorgabe vor, das Vergütungsniveau von 2026 bis zum Ende des Jahrzehnts unverändert zu lassen. Bislang hatte Volkswagen in seiner weltweiten Personalplanung sowohl einen Ausgleich für steigende Verbraucherpreise als auch Spielraum für tarifliche Gehaltserhöhungen berücksichtigt. Dieser finanzielle Spielraum soll nach Darstellung der Arbeitnehmervertretung künftig entfallen.
Die Maßnahme würde grundsätzlich alle Beschäftigtengruppen im internationalen Volkswagen-Konzern betreffen. In Deutschland arbeiten rund 275.000 Menschen für das Unternehmen, etwa 130.000 davon fallen unter den VW-Haustarifvertrag. Daneben gelten für große Konzerngesellschaften wie Audi, Porsche und MAN andere Tarifregelungen. Ob sich eine einheitliche Vorgabe aus Wolfsburg tatsächlich in sämtlichen Ländern und Gesellschaften durchsetzen ließe, ist offen. Die konkrete Gehaltsentwicklung wird vielerorts durch eigenständige Tarifverhandlungen bestimmt.
Der Europäische und Weltkonzernbetriebsrat lehnt die vorgesehene Gehaltspolitik entschieden ab. Die Arbeitnehmervertretung kritisiert insbesondere, dass der Vorstand eine weltweite Linie vorgeben wolle, obwohl die Verhandlungen über die Entgelte in vielen Ländern unabhängig voneinander geführt werden. Betriebsratspräsidentin Daniela Cavallo forderte die Konzernführung bereits am Sonntagabend auf, die Pläne gegenüber der Belegschaft zu erläutern.
Auch die IG Metall sieht erhebliche Auswirkungen auf die Kaufkraft der Beschäftigten. Bei anhaltender Inflation könnten mehrere Jahre ohne Gehaltserhöhungen nach Einschätzung der Gewerkschaft zu realen Einkommensverlusten von zehn Prozent oder mehr führen. Diese Größenordnung ist eine Prognose und hängt von der tatsächlichen Preisentwicklung bis 2030 ab. Die Gewerkschaft hält den Verzicht auf Lohnerhöhungen zudem nicht für eine geeignete Antwort auf die wirtschaftlichen und strukturellen Schwierigkeiten der Automobilindustrie.
Besonders brisant ist der Zeitpunkt der neuen Sparvorgabe. Volkswagen und IG Metall stehen vor weiteren Verhandlungen über die künftigen Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft fordert für die anstehenden Tarifrunden fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Volkswagen hatte diese Forderung bereits Ende September mit Verweis auf die angespannte wirtschaftliche Situation zurückgewiesen.
Am 30. September kündigte die Volkswagen AG mehrere Tarifverträge zum Jahresende 2026. Nach Angaben des Unternehmens sollen damit Verhandlungen über veränderte Regelungen ermöglicht werden. Die bestehenden Vereinbarungen wirken zunächst nach. Der Zukunftstarifvertrag mit der darin verankerten Beschäftigungssicherung ist ausdrücklich nicht von der Kündigung betroffen. Ein weltweit angekündigter Verzicht auf Gehaltserhöhungen ersetzt deshalb keine tarifvertragliche Einigung mit den jeweils zuständigen Arbeitnehmervertretungen.
Die Diskussion über die Gehälter ist Teil eines umfassenden Umbauprogramms. Anfang September hatte der Volkswagen-Aufsichtsrat dem Zukunftsplan 2030 zugestimmt. Dieser sieht neben einer Neuordnung von Geschäftsbereichen und Produktionsstrukturen auch eine weitere Verringerung der Beschäftigtenzahl vor. Konzernweit stehen rund 50.000 zusätzliche Stellen zur Disposition. Bereits zuvor war bei Volkswagen, Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad der Abbau von rund 50.000 Arbeitsplätzen vereinbart worden.
Der Konzern begründet seine Sparmaßnahmen mit wachsendem internationalem Wettbewerbsdruck, veränderten Absatzmärkten und dem technologischen Wandel. Insbesondere der Wettbewerb mit chinesischen Herstellern und die Kosten der Transformation belasten das Unternehmen. Für die Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie den Audi-Standort Neckarsulm gibt es nach bisherigen Konzernangaben für die Zeit ab den frühen 2030er Jahren noch keine gesicherte wettbewerbsfähige Folgebelegung.
Bereits der Tarifabschluss Ende 2024 hatte für Teile der deutschen VW-Belegschaft erhebliche Zugeständnisse vorgesehen. Vereinbarte Entgeltsteigerungen fließen teilweise nicht unmittelbar in die individuellen Gehälter, sondern in einen tariflichen Fonds. Die nun bekannt gewordenen Pläne würden deutlich darüber hinausgehen: Statt einzelner Einschnitte in Deutschland steht eine konzernweite Begrenzung der Gehaltsentwicklung über mehrere Jahre im Raum. Eine verbindliche Einigung darüber gibt es bislang nicht.
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