
Volkswagen gehört nicht mehr zum Euro Stoxx 50. Mit Handelsbeginn am Montag, 21. September 2026, ist die Vorzugsaktie des Wolfsburger Autokonzerns aus dem europäischen Leitindex ausgeschieden. Für Volkswagen rücken stattdessen der französische Energieversorger Engie und der finnische Netzwerkausrüster Nokia in den Index auf. Neben Volkswagen muss auch der niederländische Informationsdienstleister Wolters Kluwer seinen Platz räumen. Der Euro Stoxx 50 Indexausschluss trifft Volkswagen in einer Phase, in der die Aktie bereits deutlich unter Druck steht.
Auch zum Wochenauftakt setzte sich die Schwäche der VW-Vorzugsaktie fort. Nach Daten von EOD Historical Data lag der Kurs am Montag um 11.55 Uhr bei 75,82 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag bei 76,52 Euro entsprach das einem Rückgang von rund 0,9 Prozent. Reuters meldete für 11.38 Uhr deutscher Zeit ebenfalls ein Minus von rund einem Prozent.
Der Kursrückgang steht allerdings nicht isoliert mit dem Ausscheiden aus dem Index in Verbindung. Volkswagen hatte bereits am Freitag deutlich verloren. Die Vorzugsaktie schloss am 18. September bei 76,52 Euro und damit 5,6 Prozent niedriger als am Vortag. Am Donnerstag hatte der Schlusskurs noch bei 81,04 Euro gelegen.
Damit steht die Volkswagen Aktie am 21. September 2026 unter dem Eindruck zweier Entwicklungen: der neuen Zusammensetzung des Euro Stoxx 50 und einer kurz zuvor veröffentlichten erheblichen Senkung der Konzernprognose.
Der Euro Stoxx 50 bildet 50 große börsennotierte Unternehmen aus der Eurozone ab. Die Zusammensetzung wird nach festen Regeln überprüft. Entscheidend ist dabei vor allem die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien. Für die Auswahl erstellt STOXX eine Rangliste der Unternehmen. Die größten 40 Titel werden unmittelbar berücksichtigt. Für die übrigen zehn Positionen gelten Pufferregeln für bereits enthaltene Unternehmen.
STOXX hatte die Veränderungen bereits am 1. September angekündigt. Wirksam wurden sie mit der Öffnung der europäischen Märkte am 21. September. Der Indexausschluss Volkswagen ist damit keine kurzfristige Entscheidung als Reaktion auf die Ereignisse der vergangenen Tage, sondern Ergebnis der regulären jährlichen Überprüfung des europäischen Blue-Chip-Index.
Nach Angaben der Financial Times scheidet Volkswagen erstmals seit rund 15 Jahren aus dem Euro Stoxx 50 aus. Der Verlust des Indexplatzes ändert nichts an der operativen Tätigkeit des Konzerns. Für Kapitalmarktinvestoren ist die Änderung dennoch relevant, weil Fonds und andere Produkte, die den Euro Stoxx 50 unmittelbar nachbilden, ihre Zusammensetzung an den Index anpassen.
Volkswagen bleibt zugleich Mitglied anderer bedeutender Aktienindizes. Dazu zählen nach Unternehmensangaben unter anderem der DAX, der CDAX, der Prime All Share und der STOXX Europe 600.
Die Kursentwicklung rund um den Indexwechsel fällt mit einer deutlich verschlechterten Volkswagen Prognose 2026 zusammen. Der Konzern senkte am Freitag seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr. Volkswagen rechnet nun mit einem Konzernumsatz von rund 315 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite soll bei höchstens einem Prozent liegen. Zuvor hatte das Unternehmen eine Spanne von 4,0 bis 5,5 Prozent erwartet.
Volkswagen erwartet für 2026 zudem Sondereffekte von insgesamt rund zehn Milliarden Euro, die das operative Ergebnis belasten. Davon waren 0,9 Milliarden Euro bereits im ersten Halbjahr berücksichtigt worden. Ein wesentlicher Teil hängt mit einer Abschreibung auf den Firmenwert der Porsche AG zusammen. Nach Angaben von Volkswagen liegt dieser Effekt bei rund sechs Milliarden Euro. Hinzu kommen unter anderem Restrukturierungsaufwendungen und weitere Belastungen.
Der Konzern verwies außerdem auf das schwierige Marktumfeld, insbesondere in China, sowie auf eine schnellere Verschiebung der Nachfrage hin zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Vor allem bei Audi und der Marke Volkswagen Pkw entwickelt sich das Geschäft nach Unternehmensangaben schwächer als zuvor erwartet.
Das Ausscheiden aus dem Euro Stoxx 50 fällt damit in eine ohnehin angespannte Phase für Europas größten Autokonzern. Bereits im ersten Halbjahr hatte Volkswagen mit einem schwachen chinesischen Markt zu kämpfen. Im Juli hatte das Unternehmen berichtet, dass der chinesische Markt für den Konzern gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 20 Prozent zurückgegangen war. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck durch asiatische Hersteller in Europa zu.
Der Indexwechsel selbst sagt nichts darüber aus, wie sich das operative Geschäft oder der Aktienkurs künftig entwickeln werden. STOXX stellt seine Auswahl regelbasiert zusammen und weist ausdrücklich auf die Bedeutung der Streubesitz-Marktkapitalisierung hin. Für Volkswagen bedeutet der Ausschluss dennoch einen sichtbaren Einschnitt: Nach rund eineinhalb Jahrzehnten gehört die Vorzugsaktie vorerst nicht mehr zu den 50 großen Standardwerten des Euroraums.
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