
Volkswagen richtet seine Entwicklung für automatisiertes Fahren neu aus. Bei der Softwaretochter Cariad gilt das britische KI-Unternehmen Wayve nach Informationen des Handelsblatts als aussichtsreicher Kandidat für eine neue Zusammenarbeit. Gleichzeitig soll der Konzern einen Chipdeal mit dem US-Technologiekonzern Nvidia vorbereiten. Eine endgültige Vereinbarung mit Wayve oder Nvidia hat Volkswagen bislang nicht bekannt gegeben.
Damit zeichnet sich kein einfacher Wechsel von Nvidia zu Wayve ab. Beide Unternehmen könnten vielmehr unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Wayve entwickelt KI-Software für automatisierte Fahrfunktionen, Nvidia liefert unter anderem leistungsfähige Rechnerplattformen für den Einsatz solcher Systeme im Fahrzeug. Wayve selbst arbeitet bereits seit Jahren mit Nvidia zusammen. Nach Angaben des britischen Unternehmens besteht diese Zusammenarbeit seit 2018. Nvidia beteiligte sich zudem an Finanzierungsrunden des Start-ups.
Ausgangspunkt der Neuordnung ist das Ende der Entwicklungsallianz zwischen Cariad und Bosch. Beide Unternehmen hatten seit 2022 gemeinsam an Fahrerassistenz und automatisierten Fahrfunktionen gearbeitet. Anfang Juli 2026 bestätigten Volkswagen und Bosch, dass die gemeinsame Entwicklung innerhalb der sogenannten Automated Driving Alliance abgeschlossen wird. Die dabei entstandene Technik kann von beiden Partnern weiter genutzt und eigenständig fortentwickelt werden.
Zu den Ergebnissen gehört ein KI-basierter Software-Stack für Assistenzfunktionen, der in unterschiedliche Fahrzeugklassen und Antriebsarten integriert werden kann. Volkswagen kündigte unter anderem an, dass der für 2027 geplante ID. EVERY1 Technik aus der bisherigen Zusammenarbeit erhalten soll. Für weitergehende Automatisierungsfunktionen orientiert sich Cariad nun jedoch neu.
Nach dem aktuellen Bericht sollen Volkswagen und Wayve dabei über eine Kooperation für höhere Automatisierungsstufen nachdenken. Das Vorhaben wäre Teil einer umfassenderen Neuordnung der Aufgaben von Cariad. Die Softwaretochter soll sich weiterhin um Schlüsseltechnologien wie Fahrdynamik, Cloud-Anwendungen und automatisiertes Fahren kümmern, während Volkswagen bei anderen Softwarebereichen stärker auf Partner setzt.
Die mögliche Rollenverteilung ist für die Einordnung entscheidend. Ein Einstieg von Wayve bei der Fahrsoftware würde nicht automatisch bedeuten, dass Volkswagen Nvidia aus seinem Techniksystem verdrängt. Nach den Informationen aus Unternehmenskreisen soll neben der möglichen Wayve-Kooperation gerade ein Geschäft mit Nvidia über Chips vorbereitet werden. Das gesamte Paket könnte noch 2026 vereinbart werden. Offiziell bestätigt war ein Abschluss zunächst nicht.
Auch technologisch schließen sich die beiden Unternehmen nicht aus. Wayve verfolgt einen Ansatz, bei dem neuronale Netze Sensordaten möglichst direkt in Fahrentscheidungen übersetzen. Die Software ist nach Angaben des Unternehmens nicht an einen einzelnen Chiphersteller gebunden. Gleichzeitig nutzt Wayve selbst Nvidia-Technologie und bezeichnet die beschleunigten Rechnerplattformen des US-Konzerns als Bestandteil seiner bisherigen Entwicklung.
Volkswagen und Wayve wären zudem nicht die erste Verbindung des britischen Unternehmens mit einem großen Autohersteller. Nissan vereinbarte bereits die Integration von Wayve-Technologie in eine künftige Generation seines ProPILOT-Systems. Stellantis kündigte im Mai 2026 eine strategische Partnerschaft für ein zunächst überwachtes automatisiertes Fahrsystem an. Im September folgte Mercedes-Benz mit einer Produktionsvereinbarung für ausgewählte künftige Fahrzeugbaureihen.
Wayve wurde 2017 in Großbritannien gegründet und verfolgt ein anderes Geschäftsmodell als Robotaxi-Anbieter, die Fahrzeuge und Fahrdienste weitgehend selbst betreiben. Das Unternehmen will seine KI als Plattform an verschiedene Automobilhersteller und Mobilitätsanbieter liefern. Im Februar 2026 nahm Wayve 1,2 Milliarden Dollar frisches Kapital auf. Unter Einbeziehung weiterer erfolgsabhängiger Zusagen belief sich die Finanzierungsrunde auf bis zu 1,5 Milliarden Dollar. Zu den Investoren zählen unter anderem Mercedes-Benz, Stellantis, Nissan, Uber, Nvidia und Microsoft.
Für Volkswagen wäre eine Kooperation ein weiterer Schritt hin zu einer Softwarestrategie, die eigene Entwicklung mit Technologie externer Anbieter kombiniert. Der Konzern arbeitet bereits mit unterschiedlichen Partnern für verschiedene Märkte und Anwendungsbereiche. In China entwickelt Volkswagen automatisierte Fahrfunktionen unter anderem mit seiner dortigen Softwarestruktur und lokalen Partnern. Beim fahrerlosen ID. Buzz AD setzt der Konzern dagegen auf Technologie von Mobileye.
Welche Aufgaben Wayve bei Volkswagen tatsächlich übernehmen würde, ist bislang offen. Ebenso ist noch nicht öffentlich festgelegt, welche Fahrzeugplattformen oder Konzernmarken eine mögliche neue Fahr-KI zuerst einsetzen könnten. Bestätigt ist derzeit vor allem der strategische Rahmen: Nach dem Ende der Bosch-Allianz will Volkswagen automatisierte Fahrfunktionen weiterentwickeln und dabei erneut mit externen Technologiepartnern arbeiten.






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