
Der Münchner Chemiekonzern Wacker Chemie hat im dritten Quartal 2026 seinen operativen Gewinn nahezu verdoppelt und ist unter dem Strich in die Gewinnzone zurückgekehrt. Kostensenkungen, höhere Verkaufspreise und ein positiver Sondereffekt trugen zur Verbesserung bei. Trotz der höheren Ergebnisse bleibt das Marktumfeld nach Einschätzung des Unternehmens schwierig.
Die Quartalszahlen von Wacker Chemie für die Monate Juli bis September zeigen einen deutlichen Ergebnisanstieg. Der Konzernumsatz lag bei 1,47 Milliarden Euro und damit 9,4 Prozent über dem Vorjahreswert von 1,34 Milliarden Euro. Gegenüber dem zweiten Quartal 2026 ging der Umsatz allerdings um rund drei Prozent zurück.
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 217,2 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal waren es 111,7 Millionen Euro gewesen. Damit verbesserte sich das operative Ergebnis um 94,4 Prozent. Die EBITDA-Marge stieg von 8,3 auf 14,8 Prozent.
Auch nach Steuern fiel das Ergebnis deutlich besser aus. Der Konzerngewinn lag bei 87,3 Millionen Euro, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Verlust von 82,1 Millionen Euro angefallen war. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erreichte 102,8 Millionen Euro. Im dritten Quartal 2025 hatte Wacker hier noch ein Minus von 20 Millionen Euro ausgewiesen.
Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung ist das im Oktober 2025 gestartete Kosten- und Effizienzprogramm PACE. Damit will Wacker seine Ausgaben langfristig senken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Bis 2028 sollen jährliche Einsparungen von mehr als 300 Millionen Euro erreicht werden.
Zusätzlich profitierte der Konzern von Wechselkurseffekten, einer günstigeren Produktzusammensetzung und einem einmaligen positiven Effekt von rund 35 Millionen Euro. Dieser entstand durch die Beendigung eines Vertrags im Geschäft mit Solarsilizium.
Damit ist ein Teil des kräftigen Ergebnisanstiegs nicht auf das laufende Geschäft zurückzuführen. Zugleich zeigen die Zahlen, dass sich das Ergebnis auch ohne diesen Sondereffekt gegenüber dem Vorjahr verbessert hätte.
Vorstandschef Christian Hartel sieht in den Quartalszahlen eine Bestätigung der eingeleiteten Effizienzmaßnahmen. Gleichzeitig verwies er auf die weiterhin zurückhaltende Nachfrage aus wichtigen Kundenbranchen wie der Automobilindustrie und der Bauwirtschaft. Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung sei bislang nicht erkennbar.
Die beiden großen Chemiesparten entwickelten sich im dritten Quartal positiv.
Im Geschäftsbereich Silicones lag der Umsatz bei 729 Millionen Euro, nach 673 Millionen Euro im Vorjahr. Das EBITDA stieg um 35 Prozent auf 116 Millionen Euro. Höhere Verkaufspreise, eine veränderte Produktzusammensetzung und niedrigere Betriebskosten unterstützten das Ergebnis.
Noch stärker fiel der prozentuale Ergebnisanstieg bei Polymers aus. Der Umsatz erhöhte sich um elf Prozent auf 381 Millionen Euro. Das EBITDA lag bei 75 Millionen Euro und damit 58 Prozent über dem Vorjahreswert von 47 Millionen Euro.
Beide Bereiche profitierten nach Unternehmensangaben von den Einsparungen aus dem PACE-Programm. Bei Polymers wirkten sich außerdem die Entwicklungen der Rohstoffpreise positiv auf das Ergebnis aus.
Auch der Geschäftsbereich Polysilicon verbesserte seine Zahlen. Der Umsatz lag bei 225 Millionen Euro, ein Zuwachs von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das EBITDA erreichte 44 Millionen Euro, nach 18 Millionen Euro im Vorjahr.
Dabei entwickelten sich die beiden wichtigen Absatzmärkte unterschiedlich. Das Geschäft mit hochreinem Polysilizium für die Halbleiterindustrie verlief weiterhin positiv. Im Solargeschäft blieb die Lage dagegen angespannt.
Allerdings enthält das EBITDA der Sparte den positiven Sondereffekt von rund 35 Millionen Euro aus der Vertragsbeendigung. Der ausgewiesene Ergebnisanstieg ist daher nur eingeschränkt als Maßstab für die operative Entwicklung des laufenden Geschäfts geeignet.
Im kleineren Geschäftsbereich Biosolutions stieg der Umsatz um acht Prozent auf 100 Millionen Euro. Das EBITDA lag unverändert bei acht Millionen Euro.
Besonders das Geschäft mit biopharmazeutischen Produkten und Spezialchemikalien für die Life-Science-Industrie entwickelte sich positiv. Eine entsprechende Verbesserung des operativen Ergebnisses ergab sich daraus im dritten Quartal allerdings nicht.
Für das Gesamtjahr 2026 hält Wacker Chemie an seiner zuletzt angepassten Umsatz- und Ergebnisprognose fest. Der Konzern erwartet weiterhin ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich.
Beim EBITDA rechnet das Management mit einem Wert zwischen 625 und 750 Millionen Euro. Dabei erwartet Wacker inzwischen ein Ergebnis in der oberen Hälfte dieser Spanne. Die geplanten Investitionen liegen weiterhin bei rund 300 Millionen Euro.
Angepasst wurde dagegen die Prognose für die Nettofinanzverschuldung. Diese soll zum Jahresende bei rund 200 Millionen Euro liegen. Zuvor hatte das Unternehmen noch mit etwa 500 Millionen Euro gerechnet.
Zu der verbesserten Finanzlage trugen unter anderem weitere Verkäufe von Anteilen am Halbleiterzulieferer Siltronic sowie Veränderungen bei der Finanzierung von Altersteilzeitverpflichtungen bei. Der Netto-Cashflow lag im dritten Quartal bei 476 Millionen Euro. Darin enthalten waren erhebliche einmalige Liquiditätszuflüsse.
Der Ausblick bleibt mit Unsicherheiten verbunden. Dazu zählen nach Unternehmensangaben die Entwicklung im Nahen Osten und die noch offenen Auswirkungen der amerikanischen Handelspolitik auf den Polysilizium-Markt.
Die Wacker-Chemie-Aktie hatte den regulären Xetra-Handel am Mittwoch, 28. Oktober 2026, laut MarketScreener um 17.35 Uhr mit 83,15 Euro beendet. Gegenüber dem Vortag entsprach dies einem Plus von 0,97 Prozent.
Eine gesicherte Reaktion des Aktienkurses auf die am Donnerstagmorgen veröffentlichten Quartalszahlen ließ sich um 8.10 Uhr noch nicht feststellen. Der reguläre Xetra-Handel beginnt um 9 Uhr.
Für den weiteren Geschäftsverlauf bleibt neben den laufenden Kosteneinsparungen vor allem die Entwicklung der Nachfrage in der Chemieindustrie und im Halbleitermarkt von Bedeutung.
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