Wadephul trifft Lawrow in New York und stößt Debatte an

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Symbolbild mit KI erstellt

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Bundesaußenminister Johann Wadephul hat sich am Rande der UN-Generaldebatte in New York erstmals seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine zu einem bilateralen Gespräch mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow getroffen. Die Begegnung am Samstag, 26. September 2026, dauerte rund 20 Minuten. Eine Annäherung in zentralen Streitfragen wurde anschließend von keiner Seite gemeldet. Stattdessen traten die tiefen Differenzen zwischen Berlin und Moskau offen hervor.

In Deutschland wird seitdem darüber diskutiert, welchen Nutzen solche direkten Gespräche mit der russischen Führung haben können. Während Politiker von SPD und Grünen sowie die AfD den Austausch grundsätzlich begrüßten, kam auch Kritik aus der CDU.

Wadephul spricht über Ukraine, Deeskalation und Sicherheit

Nach deutscher Darstellung nutzte Wadephul das Treffen, um die Bundesregierungslinie gegenüber Russland zu bekräftigen. Er forderte eine Deeskalation und machte deutlich, dass Deutschland seine Unterstützung für die Ukraine fortsetzen werde. Nach dem Gespräch sagte Wadephul, in wesentlichen Fragen habe es keine Verständigung gegeben. Russland zeige bislang keine ausreichende Bereitschaft zu konstruktiven Verhandlungen über ein Ende des Krieges.

Zu den angesprochenen Themen gehörten nach Angaben aus dem deutschen Umfeld neben dem Krieg auch die Sicherheitslage in Europa und die Schifffahrt im Schwarzen Meer. Wadephul setzte sich demnach für Fortschritte bei Getreideexporten ein. Der Hintergrund ist die internationale Bedeutung der Schwarzmeerroute für die Versorgung zahlreicher Staaten mit Agrarprodukten.

Der Minister begründete das Gespräch später auch grundsätzlich mit der Aufgabe von Diplomatie. Direkter Kontakt mit politischen Gegnern sei notwendig, selbst wenn die Positionen weit auseinanderlägen. Zugleich betonte er, Gespräche über die Zukunft der Ukraine dürften nicht über Kiews Kopf hinweg geführt werden.

Nach dem Treffen informierte Wadephul den ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha über den Inhalt des Gesprächs. Sybiha erklärte anschließend, Wadephul habe gegenüber der russischen Seite gemeinsame Positionen zur Beendigung des Krieges, zur Unterstützung der Ukraine und zur europäischen Sicherheit vertreten. Die beiden Außenminister hätten außerdem weitere diplomatische Schritte und zusätzlichen Druck auf Russland besprochen.

Moskau stellt das Treffen deutlich anders dar

Das russische Außenministerium bestätigte das Gespräch ebenfalls. In seiner offiziellen Mitteilung erklärte es, Wadephul und Lawrow hätten über die bilateralen Beziehungen und die Situation um die Ukraine gesprochen. Moskau stellte dabei heraus, dass Wadephul Positionen wiederholt habe, die die Bundesregierung bereits öffentlich vertreten habe.

Unterschiedlich wird dargestellt, wie das Treffen zustande kam. Das russische Außenministerium erklärte, die Begegnung habe auf Wunsch der deutschen Seite stattgefunden. Wadephul sagte dagegen später, mehrere Amtskollegen aus anderen Staaten hätten ihm signalisiert, Russland sei zu einem Gespräch bereit. Damit besteht bei der Vorgeschichte des Treffens keine deckungsgleiche Darstellung beider Seiten.

Lawrow äußerte sich nach der Begegnung demonstrativ zurückhaltend über ihren Ertrag. Er sagte, Wadephul habe im Wesentlichen bekannte Positionen Deutschlands wiederholt. Aus russischer Sicht habe das Gespräch deshalb nichts grundlegend Neues gebracht.

Kurz nach dem Treffen verschärfte Lawrow in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung zudem seine Kritik an Deutschland. Er warf der Bundesregierung unter anderem eine zunehmend militärisch ausgerichtete Politik vor. Diese Vorwürfe entsprechen der russischen Regierungslinie und wurden von deutscher Seite zurückgewiesen.

Russische Broschüre zu Butscha sorgt zusätzlich für Aufmerksamkeit

Während des Treffens lag nach dokumentierten Bildern und russischen Veröffentlichungen vor Wadephul ein Schriftstück, das die russische Darstellung zu den Tötungen von Zivilisten im ukrainischen Butscha aufgriff. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, verbreitete anschließend Bilder und Kommentare dazu.

Russland bestreitet seit 2022 die Verantwortung seiner Soldaten für die Tötungen in Butscha und verbreitet alternative Darstellungen über die Ereignisse. Untersuchungen, Zeugenaussagen und umfangreiches Bildmaterial haben dagegen wiederholt Hinweise auf die Verantwortung russischer Einheiten erbracht. Die in der Broschüre vertretene russische Version ist daher nicht als unabhängig bestätigte Darstellung einzuordnen.

Zustimmung von SPD und Grünen, Kritik aus der CDU

Das Treffen löste in Deutschland parteiübergreifend Reaktionen aus. Aus der SPD kam Unterstützung für Wadephuls Entscheidung. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetović, verwies darauf, dass seine Partei neben der militärischen, finanziellen und humanitären Hilfe für die Ukraine auch diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges für notwendig halte. Auch SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner sprach sich dafür aus, Gespräche mit Moskau nicht allein anderen Staaten zu überlassen.

Auch der Grünen-Politiker und Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour bewertete den Kontakt grundsätzlich positiv. Seiner Darstellung zufolge habe das Treffen zugleich verdeutlicht, wie weit die Positionen weiterhin auseinanderlägen.

Kritik kam dagegen aus Wadephuls eigener Partei. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter warnte davor, dass der Eindruck eines deutschen Sonderwegs entstehen könne. Er bezweifelte den außenpolitischen Nutzen des Treffens und kritisierte die Signalwirkung des direkten Kontakts mit Lawrow. Dabei handelt es sich um Kiesewetters politische Bewertung des Vorgangs.

Auch die AfD begrüßt den direkten Kontakt

Die AfD-Bundestagsfraktion stellte sich am Montag ebenfalls hinter die Entscheidung zu dem Gespräch. Der Abgeordnete Gerold Otten erklärte, direkte Kontakte gehörten zu den Aufgaben der Außenpolitik und sollten auch in Konfliktzeiten offengehalten werden. Zugleich kritisierte er Kiesewetters Einwände gegen das Treffen.

Damit verläuft die Debatte nicht eindeutig entlang der üblichen Regierungs- und Oppositionsgrenzen. SPD, Grüne und AfD setzen bei der Bewertung unterschiedliche politische Schwerpunkte, sprechen sich aber grundsätzlich für diplomatischen Kontakt aus. Innerhalb der Union wird dagegen auch über mögliche Risiken solcher Begegnungen diskutiert.

Gesprächskanal offen, politische Positionen unverändert

Konkrete Vereinbarungen gingen aus dem Treffen nicht hervor. Öffentlich bestätigt sind weder neue Verhandlungen noch ein gemeinsamer Fahrplan zwischen Deutschland und Russland. Die Bundesregierung hält an ihrer Unterstützung der Ukraine fest. Moskau wiederum bekräftigte während der UN-Generalversammlung seine bisherigen Positionen zum Krieg.

Die Begegnung in New York markiert deshalb vor allem die Wiederaufnahme eines direkten politischen Kontakts auf Außenministerebene nach mehreren Jahren. Dass daraus kurzfristig eine Annäherung zwischen Berlin und Moskau entsteht, lässt sich aus den öffentlichen Aussagen beider Seiten nicht ableiten.

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