Wadephul sucht in Budapest den Neustart mit Ungarn

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Symbolbild mit KI erstellt

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Bundesaußenminister Johann Wadephul reist am Montag nach Budapest und will die Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn nach Jahren politischer Spannungen neu ausrichten. Der Besuch fällt in eine Phase des grundlegenden politischen Wandels in Ungarn. Nach dem Regierungswechsel im Frühjahr sucht die neue Führung unter Ministerpräsident Péter Magyar deutlich engeren Kontakt zu Deutschland und anderen Partnern in der Europäischen Union.

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Für Wadephul ist es die erste Reise nach Ungarn seit seinem Amtsantritt. Zugleich besucht erstmals seit 2019 wieder ein deutscher Außenminister die ungarische Hauptstadt. Im Mittelpunkt stehen Gespräche über die europäische Sicherheitsordnung, den russischen Krieg gegen die Ukraine, die Zusammenarbeit innerhalb von EU und NATO sowie die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder.

Wadephul trifft neue ungarische Staatsspitze

Bei seinem Aufenthalt in Budapest soll Wadephul unter anderem mit dem neuen ungarischen Staatspräsidenten András Bálint Baka und Außenministerin Anita Orbán zusammenkommen. Außerdem ist ein Gespräch mit Wirtschaftsminister István Kapitány vorgesehen. Ergänzt wird das Programm durch Kontakte zu Wirtschaftsvertretern aus Deutschland und Ungarn.

Die Bundesregierung verbindet mit dem Besuch die Hoffnung auf eine dauerhaft engere Zusammenarbeit. Johann Wadephul in Ungarn steht damit auch für den Versuch, die politischen Kontakte nach mehreren schwierigen Jahren wieder auf eine breitere Grundlage zu stellen. Bereits im Juni hatte Wadephul seine ungarische Amtskollegin in Berlin empfangen. Damals hatten beide Seiten angekündigt, die bilateralen Beziehungen neu auszurichten und verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen.

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Regierungswechsel hat Verhältnis zu Berlin verändert

Hintergrund der neuen Annäherung ist der Machtwechsel in Budapest. Bei der Parlamentswahl im April gewann die Tisza-Partei von Péter Magyar deutlich an Einfluss und beendete die lange Regierungszeit von Viktor Orbán und dessen Fidesz-Partei. Magyar übernahm anschließend die Regierung. Bundeskanzler Friedrich Merz empfing ihn bereits Anfang Juni zu einem Antrittsbesuch in Berlin.

Die Bundesregierung bewertet den Kurswechsel grundsätzlich positiv. Unter Orbán hatte es über Jahre erhebliche Konflikte zwischen Budapest und anderen EU-Staaten gegeben. Im Mittelpunkt standen Fragen der Rechtsstaatlichkeit, der Unabhängigkeit staatlicher Institutionen, des Umgangs mit europäischen Vorgaben sowie die ungarische Russland- und Ukrainepolitik. Die neue Regierung hat angekündigt, ihre Zusammenarbeit mit der Europäischen Union zu verstärken und bestehende Streitpunkte schrittweise abzubauen.

Ob sämtliche Konflikte der vergangenen Jahre damit dauerhaft gelöst werden können, ist allerdings noch offen. Der Regierungswechsel liegt erst wenige Monate zurück. Entscheidend wird sein, wie angekündigte Veränderungen im ungarischen Staatswesen umgesetzt werden und wie sich Budapest künftig bei zentralen europäischen Entscheidungen positioniert.

Ukraine und Russland bleiben zentrale Themen

Besonders wichtig für Berlin ist die Haltung Ungarns zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Unter der früheren Regierung hatte Budapest mehrfach Entscheidungen innerhalb der Europäischen Union verzögert oder blockiert, darunter Finanzhilfen und Sanktionen gegen Russland. Anfang 2026 hatte Wadephul die damalige ungarische Führung noch öffentlich aufgefordert, Blockaden bei der Unterstützung der Ukraine aufzugeben.

Seit dem Regierungswechsel ist das Verhältnis in diesem Bereich deutlich weniger konfrontativ. Deutschland setzt darauf, dass Ungarn innerhalb von EU und NATO stärker an gemeinsamen Positionen mitarbeitet. Für die Bundesregierung ist das auch deshalb wichtig, weil europäische außenpolitische Beschlüsse in zahlreichen Bereichen weiterhin Einstimmigkeit verlangen und einzelne Mitgliedstaaten dadurch großen Einfluss auf Entscheidungen haben können.

Auch die Beziehungen zu Russland bleiben ein Prüfstein. Die neue ungarische Regierung hat sich stärker von der bisherigen Politik gegenüber Moskau distanziert. Gleichzeitig bestehen für Ungarn weiterhin wirtschaftliche und energiepolitische Verbindungen nach Russland. Budapest muss daher außenpolitische Neuorientierung und nationale Energieinteressen miteinander vereinbaren.

Wirtschaft verbindet Deutschland und Ungarn eng

Neben der Außen- und Sicherheitspolitik spielt die Wirtschaft bei Wadephuls Reise eine zentrale Rolle. Deutschland gehört zu den wichtigsten Handelspartnern Ungarns. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes gingen 2025 rund 25 Prozent der ungarischen Warenexporte nach Deutschland. Damit ist die deutsche Wirtschaft für den ungarischen Absatzmarkt von erheblicher Bedeutung.

Hinzu kommen umfangreiche deutsche Investitionen in Ungarn, insbesondere in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und bei Zulieferern. Beide Regierungen wollen diese wirtschaftlichen Beziehungen weiterentwickeln. Deshalb trifft Wadephul in Budapest nicht nur Regierungsvertreter, sondern auch Vertreter deutscher und ungarischer Unternehmen.

Die Bundesregierung sieht in der politischen Annäherung die Chance, auch wirtschaftliche Projekte leichter voranzubringen. Eine stabilere politische Zusammenarbeit könnte vor allem für Unternehmen wichtig sein, die langfristig in Ungarn investieren oder ihre Produktion dort ausbauen wollen.

Erster Außenministerbesuch seit November 2019

Die lange Pause bei Besuchen deutscher Außenminister unterstreicht, wie angespannt die politischen Beziehungen zeitweise waren. Zuletzt war der damalige Außenminister Heiko Maas im November 2019 in Budapest. Seine Reise stand damals im Zeichen des 30. Jahrestages des Mauerfalls und der Rolle Ungarns bei der Öffnung des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989.

Knapp sieben Jahre später findet der nächste Besuch unter völlig anderen politischen Voraussetzungen statt. Berlin und Budapest wollen nicht nur an ihre historisch engen Verbindungen erinnern, sondern ihre Zusammenarbeit in aktuellen europäischen Fragen neu ordnen. Wadephuls Reise soll deshalb vor allem zeigen, ob der politische Wechsel in Ungarn auch dauerhaft zu einem engeren Verhältnis mit Deutschland und den übrigen EU-Partnern führt.

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